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Oberhavel „Manche Patienten vergisst man nie“
Lokales Oberhavel „Manche Patienten vergisst man nie“
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00:49 22.08.2014
An die 700 Pillen sortieren Natalie Dawydow (l.) und Claudia Andres während der Nachtschicht für ihre Patienten auf Station 4. Quelle: Enrico Kugler
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Birkenwerder

Das Bett in Zimmer 126 ist leer. Im Halbdunkel fixiert Claudia Andres die zerwühlte Bettdecke. Sie findet ihren Patienten vor dem Fenster. Herr S. sitzt mit hängenden Schultern im Stuhl und blickt hinaus zum Hof. „Können Sie nicht schlafen?“, fragt die 35 Jahre alte Krankenschwester, während sie zu dem Rentner eilt. Sie beugt sich zu ihm herunter und legt den Arm um ihn: „Sie wissen doch, dass Sie mit Ihrem Fuß liegen sollen“, sagt sie streng und überprüft die Infusionskanüle an seiner rechten Hand.

Wie die meisten Diabetiker leidet S. wegen des schwankenden Blutzuckerspiegels an schlecht heilenden Wunden und Durchblutungsstörungen. Eine besonders qualvolle Folge ist der diabetische Fuß. Im schlimmsten Fall müssen Zehen, manchmal sogar der ganze Fuß amputiert werden. Auch S. trägt einen Verband am rechten Fuß. Morgen hat der Rentner, der auf Station 4, der Diabetesstation der Asklepios-Klinik in Birkenwerder, liegt, eine wichtige Untersuchung – seine Blutwerte haben sich verschlechtert. „Ich fühle mich nicht gut“, sagt er. „Tut Ihnen etwas weh?“, will die Schwester wissen. „Nein, ich grüble nur wegen morgen.“ Claudia Andres streicht ihrem Patienten übers Haar: „Nun schalten Sie mal den Grübelknopf aus und versuchen zu schlafen. Das bringt doch nichts.“ Schwester Natalie Dawy dow kommt hinzu – gemeinsam helfen die Frauen Herrn S. zurück ins Bett.

Um 21.30 Uhr, wenn die Schwestern ihren Dienst antreten, trinken sie zuerst einen Kaffee. Schließlich müssen sie noch die ganze Nacht durchhalten. Erst gegen 7 Uhr endet ihre Schicht. Sechsmal im Monat arbeiten die Schwestern auf der Diabetesstation auch nachts. Dass sie erst ins Bett gehen, wenn andere auf dem Weg zur Arbeit sind, stört sie nicht. „Ich bin sowieso kein Frühaufsteher“, verrät Claudia Andres. Schwierig werde es, wenn auch der Partner im Schichtdienst arbeitet. „Man muss sich privat damit arrangieren“, sagt sie. „Bei mir ist die ganze Familie mit im Schichtdienst und weiß, wann sie mich besser schlafen lässt“, sagt hingegen Natalie Dawydow. Und wie kommt man am besten durch den Nachtdienst? „Viel Tee trinken, das hält wach“, empfiehlt Schwester Natalie. Sich vor dem Dienst hinzulegen, bringt in ihren Augen nichts: „Ich gehe lieber direkt nach der Schicht ins Bett.“

Mit drei Kolleginnen, die vor ihnen zur Spätschicht eingeteilt waren, besprechen die Schwestern, was sie in der Nacht beachten müssen. Die Frauen gehen die Patientenakten durch und notieren, wer einen neuen Verband benötigt, am nächsten Tag verlegt wird oder zur Dialyse geweckt werden muss. Danach widmen sie sich einer ihrer Hauptaufgaben: Bis zum Morgengrauen müssen die Schwestern die Tablettenschachteln für mehr als 30 Patienten bestückt haben. An die 700 Pillen drücken sie im Akkord in die Dosen. Zwischendurch unterbrechen sie ihre Arbeit immer wieder. Alle paar Minuten klingt ein Piepen durch die Station. Als ein Patient kurz nach Mitternacht ruft, streift sich Natalie Dawydow die lilafarbenen Handschuhe über und eilt ins Krankenzimmer. Nach wenigen Sekunden kommt sie zurück, holt eine Bettpfanne, in Krankenhaussprache „Schieber“ genannt. „Viele Patienten halten strenge Bettruhe und können nicht zur Toilette gehen“, sagt Natalie Dawy dow. „Schieber kommen nachts häufig zum Einsatz“, fügt sie hinzu, während sie ihre Hände bis zu den Ellenbogen hinauf desinfiziert. Ans ständige Desinfizieren, die eiternden Wunden und Bettpfannen hat sie sich längst gewöhnt. Trotz der Routine fühle sie sich manchmal hilflos, sagt die 57-Jährige. „Wer einmal eine Wiederbelebung miterlebt hat, vergisst das nicht. Manche Patienten hat man für immer im Kopf.“

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In der „Nachtschicht“-Serie stellt die MAZ seit vier Wochen Mitmenschen vor, die dann arbeiten, wenn andere schlafen.
Wir erzählen Geschichten von Frauen und Männern, deren Arbeit enorm wichtig ist – und oft wenig Wertschätzung erfährt.

Von Josefine Sack

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