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Manfred Schlenker erhält Bundesverdienstorden

Potsdam/Hohen Neuendorf Manfred Schlenker erhält Bundesverdienstorden

Der Hohen Neuendorfer Komponist, Dirigent und Domkantor Manfred Schlenker (91) ist am Dienstag in der Potsdamer Staatskanzlei mit dem Bundesverdienstorden geehrt worden – im Beisein von Bürgermeister Steffen Apelt und Vertretern seiner Familie.

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Bürgermeister Steffen Apelt (l.) gratuliert Manfred und Ursula Schlenker nach der offiziellen Verleihungszeremonie in der Staatskanzlei in Potsdam.

Quelle: Helge Treichel

Potsdam/Hohen Neuendorf. Er sei „ein wahres Urgestein und leidenschaftlicher Förderer der zeitgenössischen Kirchenmusik“: „Mit dankbarem Ernst und mit kleiner Verwunderung“ nahm Manfred Schlenker aus Hohen Neuendorf am Dienstag in der Potsdamer Staatskanzlei den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland entgegen. „Wir haben nur getan, was unsere Aufgabe war“, sagte der 91-Jährige, nachdem ihm Staatssekretär Thomas Kralinski im Namen des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande an die Brust geheftet hatte.

Kralinski würdigte Manfred Schlenker für sein kulturelles und soziales Wirken und hob dessen sozialpädagogisches Engagement für Jugendliche und Studierende hervor. Als Kantor, Komponist, Chorleiter und Dirigent habe sich Schlenker in all diesen Funktionen einen Namen gemacht und zu den bekanntesten und prägendsten Kirchenmusikern in der DDR gehört.

Staatssekretär Thomas Kralinski heftet Manfred Schlenker das Verdienstkreuz an die Brust

Staatssekretär Thomas Kralinski heftet Manfred Schlenker das Verdienstkreuz an die Brust.

Quelle: Helge Treichel

1956 wurde Schlenker Domkantor in Stendal und Kirchenmusikdirektor. Über die Grenzen seiner Gemeinde hinaus wirkte er als Propsteikirchenmusikwart der Altmark, als Leiter der Altmärkischen Kantorei und betreute als Landesobmann des Kirchenchorwerkes Sachsen-Anhalt rund 1000 Kirchenchöre. Zwischen 1974 und 1988 war er Kantor am Dom zu Greifswald, ab 1975 als Leiter der Kirchenmusikschule Greifswald (heute Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Ernst-Moritz-Arndt-Universität) und anschließend auch als Landeskirchenmusikdirektor der Greifswalder Bachwoche und des Domchores in Greifswald.

1987 zog der gebürtige Berliner nach Stolpe, das später zu einem Stadtteil von Hohen Neuendorf wurde. In seiner neuen und alten Heimat setzte er sein Engagement als Ruheständler fort und engagierte sich im gesellschaftlichen und kulturellen Leben. So rief er in Stolpe die Konzertreihe „Abendmusiken“ ins Leben. Bis heute spielt Schlenker in den Kirchen der Region Orgel.

„Manfred Schlenker schuf in insgesamt 60 Jahren als Komponist, Dirigent und Kantor unzählige Musikwerke, deren Bestand er auch im fortgeschrittenen Alter ständig erweitert“, sagte der Staatssekretär. Er sei im Stammbuch des Evangelischen Gesangbuches als Komponist von fünf Melodien vertreten, darüber hinaus in vielen landeskirchlichen Anhängen und Beiheften. Thomas Kralinski: „Manfred Schlenker hat das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Brandenburg enorm bereichert. Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet.“

Die Verleihungsurkunde unterzeichnete noch Alt-Bundespräsident Joachim Gauck

Die Verleihungsurkunde unterzeichnete noch Alt-Bundespräsident Joachim Gauck: Manfred und Ursula Schlenker.

Quelle: Helge Treichel

Manfred Schlenker erinnerte an seine Wegbegleiter und bezog seine Ehrung zugleich auf „den großen Kreis der Kirchenmusiker, die nie in den Genuss einer solchen freundlichen Auszeichnung kommen“. Und er erinnerte an die „kreative Urenergie“, mit der nicht nur Sonnen und Planeten geschaffen wurden: „Wir nennen diese unerschöpfliche Kraft von Alters her Gott.“

Eine Kostprobe seines Schaffens gab Manfred Schlenker, indem er einen kleinen Chor mit nach Potsdam brachte. Mit ihm gemeinsam intonierten die Frauen und Männer das Lied „Der Ort, wo meine Wiege stand“. Das sei führ ihn genauso neu wie die Verleihung eines Bundesverdienstordens, gestand Thomas Kralinski.

Ein kleiner, familiärer Chor bringt die Staatskanzlei zum Klingen

Ein kleiner, familiärer Chor bringt die Staatskanzlei zum Klingen.

Quelle: Helge Treichel

Für die angereisten Familienmitglieder, Schlenker hat fünf Geschwister und fünf eigene Kinder, ergriff seine „kleine“ Schwester Ingeluise Laute-Dobbrow das Wort. Die 85-Jährige trug ein Gedicht vor, das der große Bruder im Alter von elf Jahren geschrieben hatte und sein frühes Können auch in diese Richtung dokumentiert. Seine Talente seien schwarz auf weiß festgehalten. Ihre etwas klangvollere Stimme dagegen sei „verrauscht“.

Manfred Schlenker wurde am 15. März 1926 in Berlin geboren. Frühzeitig begann er, Melodien zu komponieren, oft für Gedichte, die der Mutter gefielen. Gegen Kriegsende noch wurde er zum Militär einberufen und geriet in sowjetische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung studierte er an der Kirchenmusikschule Halle (Saale) und übernahm 1952 die Leitung der Studentenkurrende. 1954 heiratete er die Mitstudentin Ursula Becker aus Erfurt. Ihr verlieh die Schwägerin Ingeluise Laute-Dobbrow im Rahmen der Feierstunde übrigens einen „Familienorden“.

Die „kleine Schwester“ (r) verleiht der Schwägerin Ursula Schlenker einen „Familienorden“

Die „kleine Schwester“ (r.) verleiht der Schwägerin Ursula Schlenker einen „Familienorden“.

Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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