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Oberhavel Mangelware Physiotherapeut
Lokales Oberhavel Mangelware Physiotherapeut
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16:15 17.03.2017
Leitender Physiotherapeut Jonas Wolf und seine Chefin Beate Pleger vor ihrer Praxis in Kremmen. Quelle: Marco Winkler
Kremmen

„Wir haben leider keinen kurzfristigen Termin mehr frei, frühestens in sechs Wochen.“ Ein Satz, den Menschen, die nach einer OP vom Arzt zum Physiotherapeuten überwiesen werden, in Oberhavel oft hören. Was folgt: Unverständnis, teilweise Wut. „Die wird dann an der Anmeldung rausgelassen“, so Beate Pleger. 2003 hat sie sich als Physiotherapeutin selbstständig gemacht – mit einer Angestellten. Heute arbeiten 13 Mitarbeiter in Vollzeit, drei in Teilzeit sowie drei Minijobber an den Standorten in Kremmen und Schwante.

Bis zu 120 Patienten werden am Tag in beiden Praxen behandelt. Dank der Größe der Praxen können Akutpatienten zwischen geschoben werden, wenn andere absagen. Deshalb wurden die Öffnungszeiten von 7.30 bis 19 Uhr erweiteret, um genug Menschen mit physiotherapeutischer Hilfe versorgen zu können. Kapazitätsgrenze: erreicht.

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20- oder 30-Minuten-Taktung

„Das Grundproblem ist die nicht ausreichende Vergütung durch die Gesetzlichen Krankenkassen“, so Jonas Wolf, der die fachliche Leitung in Kremmen inne hat. Für eine 20-minütige Einzelbehandlung zahlen Krankenkassen im Schnitt 15,30 Euro. In Kremmen und Schwante nehmen sich die Fachkräfte aber 30 Minuten Zeit pro Patient.

Daraus ergibt sich eine Entlastung für den Therapeuten und eine Verbesserung der Therapiebedingungen für den Patienten. Andere Praxen packen in eine Stunde drei, verdienen dadurch mehr Geld. „Das geht aber von der Zeit für den Patienten ab, für Vorbereitung, persönliche Betreuung, Nachgespräche“, so der Physiotherapeut. „Man wird dann seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht.“

Akutpatienten werden immer wieder eingeschoben, weil sie sonst zu lange auf einen Termin warten müssten. Quelle: privat/Heike Trautmann

Heißt für den Alltag: Die Arbeitsbedingungen würden sich verschlechtern, kranke Menschen würden wie in einer Maschinerie routiniert abgearbeitet werden müssen. Dabei könne gerade die entspannte Atmosphäre einer Physiotherapiepraxis sowie der zwischenmenschliche Umgang einen Teil zum Behandlungserfolg beitragen, weiß Jonas Wolf. „Das geht auch zu Lasten der Mitarbeiter, wir wollen sie nicht kaputt spielen“, ergänzt Beate Pleger, die selbst vier Jahre im 20-Minuten-Takt gearbeitet hat. Ihr Fazit: „Man verbraucht sich.“

Um wirtschaftlich und ausgabendeckend arbeiten zu können, müsste ein Physiotherapeut 45 Euro in der Stunde erwirtschaften. „Wenn der Job attraktiver werden soll, müssten es allerdings sogar 60 Euro in der Stunde sein.“ Hier kommt das zweite Problem: Mitarbeitersuche.

Geringer Verdienst

„Wir haben alles versucht“, so Jonas Wolf. Facebook, Annoncen, Plakate. Keine Reaktion. Beate Pleger würde ihr Team gerne vergrößern. Aber weiteres, gutes Personal zu finden, ist schwierig. „Die Arbeit wäre da, aber die Physiotherapeuten nicht.“ Verdienst: zwischen 1200 und 1400 Euro netto im Monat. Die Mitarbeiter in Kremmen und Schwante kommen aus Neuruppin, Nauen, Hennigsdorf. Nehmen teilweise für die besseren Arbeitsbedingungen längere Fahrtwege in Kauf.

Rainer Großmann, Vorstandsmitglied im Länderverbund Nordost des Deutschen Verbandes für Physiotherapie, spricht von einem „Engpassberuf“ und von Fachkräftemangel – „mit steigender Tendenz.“ „Außerdem wandern viele Berufseinsteiger schnell in andere – meist besser bezahlte – Jobs ab. Dieser Trend spitzt sich seit einigen Jahren immer mehr zu.“

Immer mehr Menschen sind auf physiotherapeutische Hilfe angewiesen. Quelle: privat/Heike Trautmann

Das liege auch an den Rahmenbedingungen. Allein die Ausbildung koste bis zu 15 000 Euro. „Die Rahmenbedingungen für die Physiotherapie müssen grundsätzlich besser werden“, so Großmann. „Dazu zählt eine bessere Vergütung, eine kostenfreie Ausbildung, aber auch mehr Autonomie in unserer Berufsausübung.“

Von 2005 bis 2013 hat laut Bundesinstitut für Berufsbildung die Schülerzahl um 16 Prozent abgenommen. Waren es 2005 bundesweit mehr als 25000 Schüler, sind es aktuell noch 21500. In Brandenburg sei laut Rainer Großmann der Rückgang noch stärker, er liege bei immerhin 44 Prozent. „Das liegt einerseits am demografischen Wandel, denn es gibt nicht genügend Nachwuchs, andererseits aber auch daran, dass der Beruf finanziell unattraktiv ist.“

Fachkräfte, die den demografrischen Wandel auffangen, fehlen

Und das bei einem Beruf, der in Zukunft eine zunehmend große Rolle spielen werde, „denn durch die demografische Veränderung werden wir bis 2030 weitaus mehr Physiotherapeuten benötigen. Aber die fehlen jetzt schon.“

Beate Pleger und Jonas Wolf sorgen sich, wie lange sie ihre Arbeit noch in der heutigen Qualität halten können. „Ich habe das Gefühl, irgendwann kippt die komplette Versorgung auf dem Land“, so Beate Pleger, „wenn keine Auszubildenden nachkommen und sich die Vergütung durch die Gesetzlichen Krankenkassen nicht ändert.“ Probleme, die der Kranke am Empfang nicht sieht, wenn ihm mitgeteilt wird, dass leider frühestens in sechs Wochen ein Termin frei ist.

Von Marco Winkler

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