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Oberhavel Mann auf Achse
Lokales Oberhavel Mann auf Achse
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09:25 31.08.2017
Olaf Kölle vor seinem Haus in Tiergarten. Gestern war er unterwegs in München. Quelle: Fotos: Heike bergt/Privat
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Tiergarten

„Wir haben jetzt Mandeln mit Mohn, Sesam und Chia ummantelt. 28 Sorten und die Leute sind begeistert“, schwärmt Olaf Kölle. Der Mann liebt es süß und kreativ. Ab Freitag ist er übers Wochenende stets auf Achse, montags und dienstags schon eher zu Hause in Tiergarten anzutreffen. Das ist normal, wenn man ein „Reisegewerbe“ hat. Olaf Kölle ist mit Zuckerwatte, Eis, gebrannten Mandeln unterwegs, vor allem auf Mittelaltermärkten. Aber es geht auch kein Fest in Oranienburg ohne seine Süßigkeiten und das historische Karussell.

Eigentlich ist der 48-Jährige gelernter Eisenbahner, war als Zugbegleiter im ICE auf der Strecke. Doch er sattelte um, als ihn ein Freund als Eisverkäufer in seinem Wagen anheuerte. „Nach einem Jahr dachte ich, mach das doch selbst!“ 1994 hat sich der Oranienburger als selbstständiger Kaufmann unabhängig gemacht. Damals verkaufte er seinen Pkw, um sich einen weißen Transporter leisten zu können und die Eismaschine. Der Mut hat sich ausgezahlt. Auch, weil er auf einem Wochenmarkt in Lychen 1994 seine Frau Katrin kennengelernt hat, die dort Teppichreiniger an die Kunden bringen sollte. „Irgendwann hat sie sich bei mir ein Eis gekauft“, erinnert er sich. „Vier Wochen später ist sie bei mir eingezogen. Ich wusste, das sie die Richtige ist.“ Seit 2002 sind sie verheiratet, Tochter Jessica ist 15.

Das erste Jahr war dank des Hochsommers ein sehr gutes. Sicher auch, „weil mein Softeis sahnig und cremig ist“, so Kölle. Ein Fachmann aus Basdorf hat ihm die Kniffe der Herstellung verraten. Dann kamen gebrannte Mandel dazu: „Ich hatte einen Zuckerkocher und ein Bauchgefühl und los ging es. Das erste Blech habe ich 1998 zur Eröffnung des Kauflandes in Oranienburg verkauft.“ Auch Kräuterbonbons und Spreewälder Gurken hat er schon feilgeboten. Dann kamen Zuckerwatte, Popcorn und kandierte Äpfel dazu. Wie das alles geht, „das habe ich mir selbst beigebracht.“ Inzwischen hat er im Gefühl, dass die Zuckermasse 160 Grad haben muss, damit sie an den Äpfeln hält und die Fusion am besten schmeckt. Und seit 1995 dreht sich das historische Karussell – nicht nur auf dem Oranienburger Weihnachtsmarkt. „Das habe ich von meinem letzten Geld, rund 25 000 DM, gekauft. Ich war jung, unerfahren, nicht ängstlich. Ich hab’s gemacht und war pleite“, sagt er. Das ist 22 Jahre her.

Inzwischen ist er in ganz Ostdeutschland unterwegs. Auch Ehefrau Katrin, beide steuern mit identischem Angebot aber verschiedene Märkte an. „Bei 30 Grad geht Eis, bei 20 die Nüsse. Ich bin zufrieden. Millionär will ich nicht werden.“ Das Schöne am Job sei, Menschen immer wieder zu treffen, „reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist“, so der stellvertretende Chef der CGO, der Oranienburger Händlergemeinschaft. „Ich freue mich, wenn ich losfahren kann und genauso, wenn ich wiederkomme nach Tiergarten“, das Olaf Kölle „das vergessene Örtchen“ nennt. Er möchte, dass auch hier wieder was los ist. In den letzten Jahren sind Menschen gestorben, andere zugezogen – „kaum einer kennt sich noch“. Daran hat Kölle jetzt zusammen mit Antje Klahr, Michael Schumann, Daniel Urack, Martina Kaus und vielen anderen etwas geändert.

Zu Pfingsten bei „Speedy“ keimte die Idee für das erste Tiergartenfest. „Anfangs waren 30 Leute begeistert“, zum Fest am 9. August kamen schließlich 180. Jeder brachte etwas mit, die Stadt stellte das Grundstück in der Tiergartenstraße. „Es war eine Bombenstimmung, auch an einem Mittwochabend.“ Junge Leute waren da und Menschen aus dem Annagarten. „Es wird nicht bei der Premiere bleiben. Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus“, sagt Olaf Kölle und lacht.

Von Heike Bergt

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