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Oberhavel Mann mit zwei rechten Händen
Lokales Oberhavel Mann mit zwei rechten Händen
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07:35 22.08.2017
Hanno Gabriel, der zwei erwachsene Kinder hat, auf „seinem Campus“, zu dem in Schmachtenhagen Grundschule, Hort, Sportplatz und Kita gehören. Quelle: Fotos: Robert Roeske
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Schmachtenhagen

Ein Moment der Ruhe vor dem Sturm, der muss sein. Jeden Morgen um 6.30 Uhr versucht Hanno Gabriel, noch eine Tasse Kaffee zu genießen. Dabei plant er, was es an diesem Tag alles zu tun gibt und sitzt dabei in seiner Werkstatt unterm großen Schornstein des alten Heizhaus an der Schmachtenhagener Grundschule. Um ihn herum alles, was ein „Hausi“ so braucht: Rasenmäher, Schneefräse, Schläuche, Schaufeln, Harken, Schraubstock. Daneben ein kleines Laufrad, das einen neuen Reifen bekommen hat, ein reparierter Stuhl ...

Hanno Gabriel ist Hausmeister auf dem „Campus“ Schmachtenhagen. Dazu gehören die Grundschule, Hort, Sportplatz Schulhof und die Kita auf der anderen Straßenseite. Dort wohnt auch der 64-Jährige selbst, hat sozusagen Blickkontakt zu seiner Arbeitsstelle. Das hat Vor- und Nachteile. „Können Sie mal schnell kommen?“ – wie oft hat er das gehört? Er kann.

Hanno Gabriel ist Schmachtenhagener. Gelernt hat er den Beruf des Kochs und als solcher in Berlin und Oranienburg gearbeitet. Er war bei Orpu beschäftigt und bis 1992 beim Holzeinschlag bei der Forst. Anschließend in einer Reinigungsfirma. Er hat die zwei rechten Hände, die man als Handwerker und vor allem als Hausmeister braucht. Und als sein Vorgänger Walter Pockrand in der Schule im Jahr 2000 in Rente ging und er gerade einen Job suchte, „passte das gut zusammen“, erinnert er sich. Er bewarb sich kurzerhand beim damaligen Amt Oranienburg-Land. Inzwischen sind 17 Jahre als Hausmeister draus geworden“, sagt Hanno Gabriel, zieht an seiner „Pausen-Zigarre“ und ist fast selbst ein bisschen erschrocken über die lange Zeit.

Morgens um 6 Uhr schließe er als erstes die Schule auf. „Dann mache ich meine Kontrollgänge, gucke, ob Flaschen rumliegen, wenn jemand am Wochenende aufs Gelände geklettert ist.“ Er sehe nach, ob das Notlicht einwandfrei funktioniert. Abhängig von der Jahreszeit muss er Rasen mähen, Hecken schneiden, Schnee schieben, fegen, Container für die Müllentsorgung raus stellen, Lichterketten zu Weihnachten aufhängen, Stühle rücken für die Einschulungsfeier – und so manch verstopfte Toilette wieder klar machen. Es ist nicht immer ein Zuckerschlecken. „Meine Aufgabe ist es, dass Schul- und Kitabebetrieb laufen“. Wichtig sei dabei „ein gutes Verhältnis zu Lehrern und Erziehern. Dass man sich kennt und schätzt.“ Das sei das A und O einer guten Zusammenarbeit. Dieser Tage läuft gerade die Grundreinigung des Schulhauses: tagelang alle Möbel raus und anschließend wieder rein.

Hanno Gabriel ist Einzelkämpfer, hat stundenweise eine ABM-Kraft zur Seite. Und den Kollegen Heiko Mahler, der die Einrichtungen in Wensickendorf betreut, zur Seite. Der vertritt ihn im Urlaub und umgekehrt. „Wenn’s irgendwo dicke kommt rufen wir uns an und helfen uns“. Insgesamt gibt es 16 Hausmeister für Oranienburgs Kitas und Schulen.

Der 23. Dezember ist der letzte Arbeitstag für Hanno Gabriel. Nach 45 Arbeitsjahren geht er in Rente. „Das Bandmaß ist schon angeschnitten“, sagt er und lacht. Er geht wohl auch mit einem weinenden Auge, „nach 17 Jahren ist das doch hier alles auch ein Stück meine“. Mit ihm verschwindet auch seine Werkstatt: Ab Oktober wird der Schornstein abgetragen. Dann die Werkstatt abgerissen. Hanno Gabriel bekommt einen Container. Im Frühjahr soll der Grundstein für die neue Kita von Schmachtenhagen an diesem Platz gelegt werden.

Aber er freue sich auch auf den nahen Ruhestand: Der Job des Hausmeisters habe sich verändert. Das sei wie beim Auto: Früher konnte man die Zündkerze wechseln oder eine Glühbirne, heute nicht mehr. Heizung oder Haustechnik – „meist kann ich nur zum Handy greifen und eine Fachfirma ranholen. Früher habe ich eine Leiste für Bilder selbst gehobelt, heute hole ich mir einen Auftrag bei der Stadt und gehen in den Baumarkt“.

Zu Hause ist Hanno Gabriel auch fürs Handwerkliche zuständig. Seine Frau gehe zeitgleich in den Ruhestand. Darauf freut er sich. Und als Angler freut er sich auch darauf, „einmal mehr am Wasser sitzen zu können und das nicht nur am Wochenende“. Auf der Terrasse will er seinen Kaffee samt Zigarre genießen – und das dann nicht mehr um 6.30 Uhr. Dann eilt Hanno Gabriel davon: Der Fußbodenleger in der Kita hat eine Frage. Außerdem ist am Spielehaus ein Scharnier kaputt. „Da guckt eine gefährliche Schraube raus.“ Und schon ist Hanno Gabriel verschwunden.

Von Heike Bergt

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