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Mario Barth lästert über Glienicke

Bürgermeister verärgert Mario Barth lästert über Glienicke

Gleich zwei Themen aus der Region Oberhavel, die dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheinen, hat Comedian Mario Barth in seiner jüngsten RTL-Sendung aufgegriffen. Ein Thema: Ein Aussichtsturm in Glienicke sei reine Geldverschwendung. Der Bürgermeister fand den Beitrag aber alles andere als witzig.

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Mario Barth zieht nicht nur die Frauen-Männer-Kommunikation durch den Kakao.

Quelle: imago stock&people

Oranienburg/Glienicke. Der Comedian Mario Barth befasste sich in seiner jüngsten RTL-Sendung gleich zweimal mit Themen aus dem Oberhavelkreis. Unter dem Titel „Mario Barth deckt auf“ ging es um Oranienburgs Bombensuchproblematik und um einen geplanten Aussichtsturm an den Eichwerder Moorwiesen in Glienicke/Nordbahn. Gleich vorweg: Für einen Ort war es ein zweifelhaftes Vergnügen.

Seit gut zwei Jahren begibt sich der Comedian mit Berliner Schnauze auf die Suche nach absurden Fällen von Steuerverschwendung und bekommt Tipps aus der Zuschauerschaft. Offenbar auch aus Glienicke. Dort solle ein Aussichtsturm errichtet werden, hieß es in der Sendung – noch dazu auf moorigem Untergrund, was ein Gutachten für die Standfestigkeit des Bauwerkes erforderlich mache. 200.000 Euro für dieses Projekt seien reine Geldverschwendung, so das Fazit von Barth und seinen Mitstreitern.

Bürgermeister ärgert sich über Bund der Steuerzahler

Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP) fand den kurzen Beitrag in der Comedyshow gar nicht witzig. Geärgert hat er sich insbesondere über das Eindreschen des Steuerzahlerbundes auf die kleine Gemeinde, ohne das Förderprogramm für Aussichtspunkte an Naturschutzgebieten (Natura 2000) zu hinterfragen. Die kritisierte Baugrunduntersuchung werde 1700 Euro kosten. Auf deren Basis werde dann voraussichtlich nach der Sommerpause entschieden, ob der geplante 18-Meter-Turm errichtet wird oder eine kleinere Alternative. 180.000 Euro Gesamtkosten sind dafür im Haushalt eingestellt, inklusive eines Förderanteils von 75 Prozent. Die Entscheidung treffe dabei die Einwohnerschaft selbst – in ihrer Gemeindevertretung. Grundsätzlich halte er den Aussichtspunkt für „sinnvoll“, bekannte Oberlack.

Etwas ausführlicher widmete sich die Sendung Oranienburg, wo laut einem vom Kampfmittelbeseitigungsdienst beauftragten Gutachten noch rund 300 Großbomben im Boden liegen. Insgesamt 10.000 Bomben waren über der Stadt während des Zweiten Weltkrieges auf Ziele der Rüstungsindustrie und der Infrastruktur abgeworfen worden. Der Reporter, der sich betont vorsichtig in Oranienburg bewegte, berichtete von der Suche mit Rasterbohrungen – und dem eigentlichen Skandal: Dass sich der Bund nämlich bislang nur für „reichseigene“ Kampfmittel verantwortlich sah und die Stadt mit den Kosten für Suche und Neutralisierung allein gelassen hatte.

Laesicke: „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Es habe sich aber etwas bewegt: Im vergangenen November kam die Meldung, dass der Bund künftig die Hälfte der entstehenden Kosten tragen werde und 60 Millionen Euro dafür bis 2019 zur Verfügung stellt. Diese Entscheidung fiel zwar bereits, bevor die Sendung mit der ursprünglichen Kritik überhaupt ausgestrahlt war, aber Barth ließ sich dennoch ein wenig feiern.

Für Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) ist die finanzielle Zusage aber nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Auf dieses Jahr entfielen gerade einmal fünf Millionen Euro – bundesweit. Allein Oranienburg plane aber für 2016 drei Millionen und 2017 sogar vier Millionen Euro für die Kampfmittelbeseitigung ein. Beim Bund sei somit zwar ein Umdenken erkennbar, aber es dauere eben, bis der große Tanker umsteuert. Bis endlich eine zufriedenstellende Lösung vorliegt, sei er „für jeden dankbar, der unser Anliegen öffentlich darstellt“, sagte Hans-Joachim Laesicke.

Von Helge Treichel

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