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Oberhavel Maschen aus dem Untergrund
Lokales Oberhavel Maschen aus dem Untergrund
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21:58 11.03.2014
Auch wenn es in der Szene nicht üblich ist: Vielleicht könnte sich der Stricker zu erkennen geben. Quelle: Kugle
Friedrichsthal

Am Grabowsee tragen einige Bäume bunt. Stämme, Astgabeln und Äste recken sich von chicem Strick umhüllt in den Himmel. Mit Gesicht. Hier haben Anhänger des „Guerilla Knitting“ ihrem Namen alle Ehre gemacht und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Natur bunte Ringelshirts verpasst. Wer dafür die Nadeln klappern ließ, ist unklar. Ortsvorsteher Jens Pamperin hat die bestrickend schönen Gewächse auch entdeckt, hat aber die „Hintermänner“ ebenso noch nicht ausgemacht. Jeglicher Hinweis an den kleidsamen Stücken auf den Hersteller fehlt. Das ist auch so üblich, so Anke Domscheit-Berg, Piratenpartei-Aktivistin und selbst Guerilla-Strickerin. Auch sie frönt der Streetart in der Natur.

Vor Jahren bereits eroberten sich Aktivisten in den Städten beim „Guerilla Gardening“ Baumscheiben von Straßenbäumen. Pflanzten darauf bunte Blumen und Gemüse und erweitern so die grüne Lunge und den Speiseplan. Seit 2005 gibt es immer mehr bestrickte Gegenstände. Vieles machen die Stricker mit buntem Garn zu Kunstwerken: Klinken, Steinblöcke, Poller, Busse, Panzer, Geländer. Die Bewegung stammt aus Texas. Gestrickt wird allein oder in kleinen Gruppen. Über Nacht werden die Kunstwerke angebracht. Die Künstler geben sich nicht zu erkennen, bleiben im Untergrund.

Die Bewegung habe längst Anhänger bis nach Neuseeland und natürlich auch in Europa. Anke Domscheit-Berg hat selbst schon Kunstwerke in Helsinki, Belgrad und Wien hinterlassen. Geeignet fürs Stricken sei jedes Garn. Allerdings sollten die Bäume vom Gestrick auch wieder erlöst werden, damit sich darunter kein Schimmel ansiedelt.

Wer am Grabowsee gestrickt hat? Die Politikerin Anke Domscheit-Berg wüsste es selbst gern.

Von Heike Bergt

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