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Oberhavel „Maschine“ plaudert aus dem Nähkästchen
Lokales Oberhavel „Maschine“ plaudert aus dem Nähkästchen
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00:17 24.01.2016
Dieter Birr griff immer wieder zur Gitarre. Quelle: Helmut Schneider
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Oranienburg

Dieter „Maschine“ Birr, Frontmann der legendären Puhdys berichtet am Mittwochabend aus seinem Leben. Auf der Bühne der ausverkauften Orangerie saß der Sänger und Gitarrist der wohl beliebtesten Ostrockband ganz locker im Gespräch mit Kai Suttner, dem langjährigen Tourmanager der Kultband. Auf dem runden Tischchen zwischen ihnen die Biografie „Maschine“ , geschrieben von Wolfgang Martin, und das letzte Soloalbum von 2014. Um beides drehte sich die Unterhaltung.

„Lieder müssen nicht im Trend sein, du musst von ihnen überzeugt sein. Wenn sie dann den Leuten gefallen – umso besser“, beantwortete Maschine die Frage zur Entstehung seiner rund 300 komponierten Songs. Darunter Hits wie „Lebenszeit“, „Wenn ein Mensch lebt“. Nicht zu vergessen „Türen öffnen sich zur Stadt“, mit dem der Aufstieg der Puhdys 1972 begann. Der Text stammt aus der Feder von Wolfgang Tilgner aus Hohen Neuendorf, der anschließend viele weitere für die Band schrieb.

„Mein Vorbild als 16-Jähriger war Elvis“ und nachdem er die 10. Klasse aus „Anhänglichkeit“ noch einmal machen musste, hatte er schon seinen ersten Song, den „Susi Baby Twist“ komponiert, den der beim Rundfunk arbeitende Vater eines Schulfreundes sogar auf eine Platte einspielen ließ. Sozusagen seine erste Single, erzählte humorig Dieter Birr von den Anfängen.

1969 stieß er zu den Puhdys und seitdem ist ihm Oranienburg ein Begriff, da sie im Wohnzimmer und Garage ihres Bassisten und Managers Harry Jeske in der Oberhofer Straße probten. „Der war phänomenal – ein Geschäftsmann durch und durch. Durch die Musik zum Film ’Die Legende von Paul und Paula’ wurden wir auch im Westen bekannt und bekamen Auftritte“, erzählte Maschine weiter. „In Portugal spielten wir vor 120 000 Zuschauern! Die waren natürlich nicht wegen uns gekommen“, fügte der heute 72-Jährige bescheiden hinzu. „Aus der Sowjetunion haben wir uns zentnerschwere Bootsmotore mitgebracht, aus dem Westen Kassettengeräte mit hohem Wiederverkaufswert. In Hannover hatten wir als Stammkunden einen günstigen Laden. Zu unserer Verblüffung gab es aber keine Kassettenspieler mehr – Harry Jeske hatte dort zuvor schon 100 Stück gekauft“, plauderte Maschine aus dem Nähkästchen. Danach griff er zur Gitarre und sang vor der Pause zwei Lieder „Ich spür den Regen“ und „Die Boote der Jugend“ aus seinem letzten Album.

„1989, kurz vor der Wende, hatten wir uns aufgelöst. Ich spielte in Klubs, manchmal vor 25 Leuten, alle wollten jetzt Westtruppen sehen.“ Nach und nach hätten Fans geraten, doch endlich wieder zu spielen. 1992 dann der Neustart. Eine Zeitung schrieb: „Die Mumien sind auferstanden ….“, erinnert sich Birr und lacht. „Ja, und das noch fast 25 Jahre“.

Höhepunkt sei ein Waldbühnenkonzert 1999 mit Mario Adorf gewesen. Mit ihm hatten die Puhdys zuvor den Film „Gigolo“ gedreht. Und jetzt die Abschiedskonzerte im Januar 2016 in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena. „Die sind alle nur wegen uns gekommen, dafür bin ich unheimlich dankbar“, sagt Birr, der längst nicht ans Aufhören denkt. Im Herbst erscheint sein nächstes Soloalbum, mit vielen bekannten Rockmusikern und Texten von Heinz Rudolf Kunze. 2017 geht es mit „Maschine Live“ wieder auf Tour. Mit den Titeln „He, wir wollen die Eisbären sehen“ und dem besinnlichen Lied „Du bist Schuld, dass ich dich liebe“ – Dieter Birr ist 35 Jahre verheiratet – verabschiedete sich der Musiker mit seiner Gitarre von den begeisterten, zumeist grauhaarigen Fans in der Orangerie, um anschließend in einer Menge von Autogrammjägern unterzutauchen. „Maschine, schreib mal für Petra zum 70.“, war von einem zu hören.

Von Helmut Schneider

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