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Maßgeschneiderte Maschinen

In der Nordbahn-Werkstatt für behinderte Menschen kommt Spezialtechnik zum Einsatz Maßgeschneiderte Maschinen

Den ganzen Tag über schwärmten am Donnerstag die 20 Mitarbeiter der gemeinnützigen Nordbahn GmbH, die am Vortag mit der "Moby Dick" über Havel und Spree geschippert waren, von dieser Tour. Es war eine kleine Auszeichnung für jene Frauen und Männer mit Handicap, die mittlerweile seit 20 Jahren in der Werkstatt für behinderte Menschen in Schönfließ tätig sind.

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Olaf gehört zu den Mitarbeitern im Bereich Industrielle Montage.

Quelle: Nordbahn

Schönfliess. Und natürlich wurde in Erinnerungen gekramt, an jene Anfangsjahre in einer ehemaligen Kaserne, in der noch Spinde und eiserne Doppelstockbetten herumstanden. "Mit acht behinderten Mitarbeitern fing alles an", erzählt Christine Narewski, heute eine der Arbeitsgruppenleiterinnen im Bereich Industrielle Montage. Wenig später waren es um die 60 Frauen und Männer. Sie kamen aus Heimen oder betreuten Wohngemeinschaften in Lehnitz, Hennigsdorf und Briese. Die ersten Arbeiten wurden für den Büroartikelhersteller Herlitz und eine Firma für Spezialbohrer ausgeführt. Manch eigentümlicher Auftrag war darunter. "Einmal mussten für das ,Haus der 1000 Dinge'  in Berlin-Buch Schlüpfer aus einer Konkursmasse ausgepackt und auf Bügel gehängt werden", erinnert sich Arbeitsgruppenleiter Klaus Helbig.

Heute sind in der Nordbahn-Werkstatt rund 400 Mitarbeiter tätig. Sie produzieren Bänke in der Holzwerkstatt, pflegen Grünflächen, nähen und bügeln, sind im Lager, im Druckbereich oder in der Hauswirtschaftspflege tätig. Dazu gehört auch die Kantine. Nicht nur für die eigenen Mitarbeiter. "Zu uns kommen mittags viele Leute von umliegenden Firmen", sagt Sascha Flick.

Eine große Marktlücke entdeckte die Nordbahn vor einiger Zeit: die Reinigung von Pferdedecken. Seither gehören Reiterhöfe rund um Berlin zu den Kunden.

Größter Arbeitsbereich mit rund 200 Beschäftigten ist mittlerweile die Industrielle Montage. Die Auftraggeber sind bekannte Unternehmen der Automobil- und Elektroindustrie. "Die Auftragslage hat sich verändert", sagt Christine Narewski. "Die Arbeiten sind wesentlich anspruchsvoller geworden, und auch die Qualität muss absolut stimmen." Zwar sind es noch immer besonders personalintensive Tätigkeiten, mit denen sich die Behindertenwerkstatt am Markt behauptet. Doch nicht alles ist mehr Handarbeit. Schritt für Schritt zogen Produktionsautomaten und Maschinen in die Fertigungshallen ein. Produziert vom eigenen Sondermaschinenbau. Die dort tätigen Spezialisten sind erfahren im Bau von Geräten und Anlagen, die den besonderen Bedürfnissen der behinderten Mitarbeiter angepasst sind. "Das gibt es auf dem Markt so nicht zu kaufen", erklärt Arbeitsgruppenleiter Kersten Hau-stein.

Die Leitung der Arbeitsgruppen und die Betreuung liegt in den Händen von rund 100 Nordbahn-Angestellten. Die neben ihrem Beruf in der Regel über eine sonderpädagogische Zusatzausbildung verfügen. Das befähigt sie zur Arbeit mit den geistig beziehungsweise körperlich behinderten Mitarbeitern. In jüngster Zeit sind es zunehmend Menschen mit psychischen Problemen, die in der Nordbahn-Werkstatt eine Beschäftigung finden. In diesem Jahr kam ein neuer Bereich hinzu für Menschen mit einem erworbenen Hirnschaden, durch Unfall, Schlaganfall oder Aneurysmen.

Und schließlich gibt es die "jungen Wilden". Junge Menschen aus komplizierten sozialen Verhältnissen, die Schule und Lehre nicht bewältigten und im Arbeitsleben nicht Fuß fassen konnten. Auch ihnen will die Nordbahn eine Chance geben.

Von Ulrich Bergt

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