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Mehr als Futterstelle und Schlafplatz

Tornow Mehr als Futterstelle und Schlafplatz

Ellen Schütze leitet das Tierheim in Tornow, welches sich um Tier aus dem Landkreis Oberhavel kümmert. Im großen MAZ-Interview berichtet sie über die aktuelle Situation im Heim und auch darüber, wie scheue Tiere wieder an menschliche Gesellschaft gewöhnt werden.

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Ellen Schütze, seit 2006 ehrenamtlich beim Tierschutzverein Oberhavel, mit dem verspielten Ruben.

Quelle: Martina Burghardt

Tornow. Der Tierschutzverein Oberhavel betreibt in Tornow bei Fürstenberg ein Tierheim. Vier Pfleger und eine Mitarbeiterin im Büro kümmern sich um mehr als um eine Futterstelle und einen Schlafplatz für herrenlose Tiere. Ellen Schütze gibt Auskunft über die aktuelle Situation.


MAZ: Der Tierschutzverein hat im vergangenen Jahr großzügige Spenden erhalten. Sind die Tierheimbewohner nun gut versorgt?

Ellen Schütze: Der europaweite Spendenmarathon war einmalig, das hat uns alle wirklich sehr beeindruckt. Auch dem Sponsor, der die Einstreu liefert, sind wir dankbar, das spart immens. So haben wir ein bisschen Luft. Allerdings werden wir weiter auf Spenden angewiesen sein, auch wenn es viele ehrenamtliche Helfer gibt, denn die Tiere brauchen ja nicht nur Futter. Es kommen Personal-, Tierarzt- und Betriebskosten hinzu, jeden Monat insgesamt etwa 10 000 Euro.


Werden diese Kosten ausschließlich über Spenden gedeckt?

Zum Teil. Dazu kommen Erbschaften, die Beiträge der 541 Mitglieder des Tierschutzvereins, und die Kommunen zahlen einen Anteil zur Fundtierbetreuung.


Wie viele Tiere versorgen Sie zurzeit und wie viele Helfer gibt es?

Im Moment haben wir 35 Hunde, 80 Katzen und 60 Hühner, die aus einer nicht artgerechten Haltung stammen. Vier Tierpfleger und eine Mitarbeiterin im Büro werden von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt. Sie gehen Gassi mit den Hunden, kuscheln mit den Katzen, helfen bei unseren Festen im Frühjahr, im Sommer und zu Weihnachten und erledigen handwerkliche Arbeiten.


Mussten Sie zu Jahresbeginn mehr Tiere aufnehmen, die als „ungeliebte“ Weihnachtsgeschenke weggegeben wurden?

Nein, das ist die Ausnahme und hier nicht die Problematik. Um trotzdem vorzubeugen, verhängen wir in der Vorweihnachtszeit bis Anfang Januar einen Vermittlungsstopp.


Welches ist dann das größte Problem?

Die nicht kastrierten Katzen. Jungtiere zu ertränken ist strafbar, trotzdem passiert das immer noch. Katzenbabys, die in der Wildnis zur Welt kommen und in den ersten Wochen keinen Kontakt zum Menschen haben, sind sehr scheu. Es gelingt aber mit viel Geduld, sie wieder an menschliche Gesellschaft zu gewöhnen. Ein anderes großes Problem ist die sogenannte private Nutztierhaltung. Jeder darf ein Schaf, Geflügel oder Kaninchen haben, das dann oft weit entfernt von artgerechter Haltung leben muss.


Überlegt man sich nicht vor der Anschaffung, was ein Tier braucht?

Leider ist diese Haltung keine Selbstverständlichkeit und gegenüber Nutztieren noch weniger ausgeprägt. Es herrscht die Denkweise vor, dass ein Tier eine Sache ist, die man auch ohne weiteres „entsorgen“ kann.


Meinen Sie damit auch Haustiere wie Hunde und Katzen?

Das würde ich keinesfalls verallgemeinern, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass alte, kranke Hunde ausgesetzt werden, damit man sich die Kosten für den Tierarzt und die Pflege spart. Und ein großes Grundstück oder eine Futterstelle und ein Schlafplatz allein reichen nicht aus, damit Hunde sich wohl fühlen. Sie brauchen ein Rudel, sonst sind sie verunsichert. Es dauert eineinhalb bis zwei Jahre, ehe man sich mit solchen Tieren eine Vertrauensbasis geschaffen hat.


Ist denn das Tierheim ein geeigneter Ort, um den Tieren wieder Vertrauen einzuflößen?

Es herrscht ja das Vorurteil, dass alle Tiere, die hier leben, verhaltensgestört sind. Natürlich bedeutet der Aufenthalt hier Stress für die Tiere. Aber sie sind sicher nicht mehr verstört als bei ihrer Aufnahme.


Wie läuft es mit der Vermittlung?

Im Winter ist es ruhiger, aber im Schnitt kommen ein bis zwei Interessenten die Woche. Wer ein Tier mitnimmt, erstattet die Kosten für deren Aufenthalt. Katzenbabys werden ganz schnell vermittelt. Ältere und kranke Tiere haben es schwerer, eine neue Familie zu finden.


Wie geht es den Igeln?

Die schlafen noch bis März, April. Wir haben 20 verletzte, kranke und ganz junge Tiere in der Igelstation aufgenommen.

Von Martina Burghardt

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