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Mehr als ein Dach überm Kopf

Erstmals kommen Asylbewerber nach Gransee Mehr als ein Dach überm Kopf

Wegen des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen, Oberhavel nimmt in diesem Jahr 242 Personen neu auf, sollen nun erstmals Asylsuchende in Gransee untergebracht werden. Der Kreis will dazu eine eigene Immobilie am Karl-Marx-Platz nutzen. Der Flüchtlingsrat fordert bessere Lebensbedingungen für die Flüchtlinge, die im Heim in Stolpe-Süd oft zu fünft in einem Raum wohnen.

Oranienburg/gransee. Sie kommen aus Somalia, Syrien, Afghanistan und Tschetschenien. Sie sind geflohen vor Gewalt, Bedrohung und Krieg. In Deutschland hoffen sie auf ein besseres Leben. Doch zunächst erwartet sie ein oft viele Jahre dauerndes Asylverfahren und die Unterbringung in einer Sammelunterkunft.

Wegen des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen, Oberhavel nimmt in diesem Jahr 242 Personen neu auf, sollen nun erstmals Asylsuchende in Gransee untergebracht werden. Der Kreis will dazu eine eigene Immobilie am Karl-Marx-Platz nutzen. Das Haus ist umzäunt und videoüberwacht. Doch ein Dach überm Kopf allein reiche nicht aus, sagt Simone Tetzlaff vom Flüchtlingsrat, die die Asylbewerber in Hennigsdorf seit vielen Jahren berät. Wenn Flüchtlinge in Sammelunterkünften untergebracht würden, sollten dort wenigstens wohnungsähnliche Bedingungen geschaffen werden, in denen etwas Privatsphäre möglich ist, sagt Tetzlaff. Im bestehenden Heim in Stolpe-Süd, das gerade erweitert wird, leben die Asylbewerber oft zu fünft auf einem Zimmer.

Neben der Wohnsituation sei aber auch die Betreuung der Flüchtlinge wichtig. "Die Menschen brauchen eine Begleitung für das komplizierte Asylverfahren", sagt Tetzlaff. Auch Sprachvermittler seien für fast alle Neuankömmlinge wichtig. Es handle sich schließlich nicht um Leute, "die einfach umgezogen sind". Viele der Flüchtlinge hätten schlimme Erlebnisse hinter sich. Oftmals seien sie traumatisiert. "Viele von ihnen brauchen Ruhe", sagt Tetzlaff.

Bei der Einrichtung des Wohnheims könnte auf eine bessere Ausstattung geachtet werden - zum Beispiel mit einem Internetanschluss, über den das Heim in Stolpe-Süd nicht verfügt. Für Kontakte und Hilfe sei das aber sehr wichtig, so Tetzlaff. Viele Flüchtlinge würden sich gegenseitig unterstützen - einige sprechen deutsch und können bei Behördengängen helfen.

Die Entfernung zwischen Gransee und Hennigsdorf mache diese Hilfe schwieriger, sagt Tetzlaff. Um wenigstens die Mobilität der Asylbewerber zu verbessern, solle jetzt endlich auf das Gutscheinsystem verzichtet werden, fordert die Flüchtlingsberaterin. Denn mit den Gutscheinen können keine Fahrkarten gekauft werden. Mobilität sei aber gerade in Gransee wichtig für die Flüchtlinge.

Unterdessen hat der neugegründete Arbeitskreis Frauen Oberhavel Nord Hilfe angekündigt. Familien und Frauen sollten Unterstützung erhalten, sagte die Seniorenvorsitzende Helga Krahl. Der Granseer Wolfram Sadowski, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, hatte im Kreistag erklärt, dass freiwillige Hilfe für die Flüchtlinge nötig sei: "Dem ehrenamtlichen Engagement sind keine Grenzen gesetzt."

Von Klaus D. Grote

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