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Mein Nachbar, das Schwein

Schwarzkittel in Glienicke Mein Nachbar, das Schwein

Die Wildschweine lassen sich nicht aus dem Ort vertreiben. Diese Erkenntnis reifte während der vergangenen Jahre in Glienicke. Im Rathaus werde auf Fachwissen und eine systematische Informationspolitik gesetzt, sagt Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP). Für ihn eine „Erfolgsgeschichte“.

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Wildschweine fühlen sich in Glienicke seit Generationen sauwohl.

Quelle: Gemeindeverwaltung Glienicke / Ivonne Pelz

Glienicke. Wildschweine gehören in Glienicke/Nordbahn zum Ortsbild. Im Café unterhielten sich Leute darüber, ob schon welche vorbeigekommen sind, sagt Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP). Für den Verwaltungschef ist es eine „Erfolgsstory“, wie dem Problem in seiner Gemeinde begegnet wurde: „mit einer Mischung aus Aufklärung und Beruhigung“. Im Rathaus werde auf Fachwissen und eine systematische Informationspolitik gesetzt.

Von dem Gedanken, die Tiere töten oder vertreiben zu können, hat man sich dagegen verabschiedet. Dem ist in den vergangenen zehn Jahren ein Erkenntnisprozess vorausgegangen, sagt Ordnungsamtsmitarbeiterin Marion Schmolke. Letzte Zweifel waren bei einem Treffen mit Vertretern der Jagdbehörde im Herbst ausgeräumt worden. Selbst wenn es gelänge, der schlauen Tiere habhaft zu werden, würden andere aus den Wäldern nachrücken, habe das Fachurteil gelautet. Und Abschüsse würden im Siedlungsbereich nicht genehmigt. Werden die Tiere in Ruhe gelassen, ginge von ihnen auch keine Gefahr aus, so eine weitere Botschaft.

Eine Tendenz, die Marion Schmolke auch in den Internetkommentaren wiederfindet: Die öffentliche Stimmung hat sich entspannt. „Angst geht in Respekt und friedliche Koexistenz über.“ Noch vor zehn Jahren habe es massive Beschwerden nach Begegnungen mit Schwarzkitteln gegeben, erinnert sich die Ordnungsamtsmitarbeiterin. Das habe sich gelegt. Und das, obwohl die Tiere nicht mehr nur nachts aktiv sind, sondern sogar am hellerlichten Tag durch den Ort wandern. Erst kürzlich sei eine Bache samt Nachwuchs auf der B 96 gesichtet worden.

„Verkehrslärm und Menschen sind für die Glienicker Wildschweine normal“, sagt Marion Schmolke. Die Muttertiere seien schließlich schon unter den selben Bedingungen aufgewachsen. Und die langjährige Erfahrung zeige, dass die Wildschweine kein aggressives Verhalten zeigen – trotz mitunter gegenteiliger Erlebnisberichte. Sie sei solchen Meldungen konsequent nachgegangen, sagt Marion Schmolke. Immer hätten die Betroffenen die Gerüchte bislang ausräumen können. So sei ein älterer Herr zwar nach einer Begegnung tatsächlich im Krankenhaus gewesen. Aber nur, weil er sich erschrocken hatte und dabei unglücklich gestürzt war. Von Schweinen seien allenfalls Scheinangriffe bekannt. Die einzige Ausnahme bilden Hunde, welche die Warnsignale der Schwarzkittel missachten und sie weiter bedrohen. Mit einer Leine lasse sich aber auch da Abhilfe schaffen.

Sorgen macht der Ordnungsamtsmitarbeiterin vor allem, wenn Tiere bewusst oder versehentlich gefüttert werden. „Futterzahme Tiere können dreist oder sogar aggressiv werden“, heißt es auf einem Informationsblatt zum generellen Fütterungsverbot von Wildtieren. Grundstückseigentümer werden deshalb angehalten, Zäune und Komposthaufen „wildschweinsicher“ zu machen und mit ihren Nachbarn zu reden.

Die Gemeinde kämpft derzeit auf einem öffentlichen Grundstück gegen Fressfeinde – auf dem Friedhof. Weil Schweine dort Blumen und deren Zwiebeln plündern, wurden Pellets ausgestreut. Die sollen die Tiere mit extrem scharfem, bitteren oder saurem Geschmack vergrämen. Solche Maßnahmen sind aber weder von Dauer noch könnten sie flächendeckend eingesetzt werden, sagt Marion Schmolke: „Wir werden uns an die Wildschweine gewöhnen müssen.“

Von Helge Treichel

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