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Oberhavel Mildes Urteil für Betrüger
Lokales Oberhavel Mildes Urteil für Betrüger
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19:00 05.11.2015
Quelle: dpa
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Oranienburg

Der mit drei Verhandlungstagen angesetzte Betrugsprozess gegen Alexander F. begann am Donnerstag vor dem Oranienburger Schöffengericht und ging überraschend schon nach zwei Stunden mit einem Urteil zu Ende. Der Angeklagte wurde rechtskräftig wegen gewerbsmäßigen Betruges in 72 Fällen zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die trotz der hohen Schadenssumme von über 146 000 Euro sehr milde Strafe erklärt sich aus der reumütigen Haltung des Verurteilten, der durch sein umfassendes Geständnis dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme mit vielen Zeugenvernehmungen und viel Zeitaufwand ersparte.

„Eigentlich käme nur eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung infrage, aber der ganz ganz seltene Fall einer Selbstanzeige muss sich erheblich strafmildernd auswirken“, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil.

Der Angeklagte hatte sich im Jahr 2012 den Ermittlungsbehörden selbst gestellt und zugegeben, dass er als Vermögensberater 72mal Geld von seinen Kunden für sich abgezweigt hatte.

Der 44-Jährige war von 1997 bis 2012 bei der Deutschen Vermögensberatungsgesellschaft Frankfurt/a.M. angestellt und kümmerte sich um Geldanleger im Umland von Berlin und seinem Heimatkreis Oberhavel. In dieser Eigenschaft vermittelte er für seine Kunden Verträge mit der Deutschen Bank, Bausparverträge mit der Badenia und Versicherungsabschlüsse mit der Aachen Münchener Versicherung. Die weitere Betreuung dieser Geschäfte lag dann in den Händen von Alexander F., der sich dazu von den später Geschädigten Blankovollmachten hatte geben lassen.

Seine Ehe brach auseinander, er habe viele Schulden gehabt und „ ich wollte mir anfänglich so nur unerlaubt Geld leihen“, ließ sich der Angeklagte ein. Mit den Rückzahlungen wurde das dann nichts - im Gegenteil, die „ Schulden“ wuchsen immer mehr an. Über vier Jahre von August 2008 an, wuchs die Summe bei der Deutschen Bank auf 106 000 Euro, bei der Badenia auf 13 000 Euro und bei der Aachen Münchener auf 27 200 Euro an, insgesamt also 146 200 Euro! Rund 50 Sparer waren die Opfer, die allerdings von den genannten Instituten entschädigt wurden. Die finanzielle Last tragen sie nun – haben erstaunlicherweise aber bisher keine Regressforderungen an den Angeklagten gestellt. Alexander R. sah schließlich keinen Ausweg mehr und zeigte sich im August 2012 selbst an.

Der jetzt wieder in seinem alten Beruf als Elektriker arbeitende Mann ist bisher nicht vorbestraft und betreut seine behinderte fünfjährige Tochter, für die er das Sorgerecht hat. Auch das seien weitere Gründe, so die Richter und Staatsanwältin, es bei einer Bewährungsstrafe zu belasten.

Von Helmut Schneider

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