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Mit Eiweißen gegen den Krebs

Hennigsdorf (Oberhavel) Mit Eiweißen gegen den Krebs

Das Unternehmen „Peptides & Elephants“ aus Hennigsdorf (Oberhavel) baut körpereigene Eiweiße, sogenannte Peptide, nach. Sie können dabei helfen, das Immunsystem der Patienten im Kampf gegen Krebs zu trainieren. In den USA warten 22 Krebskranke auf die Fracht aus Hennigsdorf. Es ist ihre wohl letzte Chance.

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Chef Oliver Kreuzer vor dem Synthesizer. Das ist ein Glaskasten, in dem die Peptide aus Sequenzen von 20 Aminosäuren gebildet werden. Heraus kommen wenige Milligramm (kleines Foto).

Quelle: Fotos: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Der Synthesizer rattert, ein Roboterarm greift sich die nächste Metallkapsel mit einer Aminosäure. Der Glaskasten steht im Bauch des Blauen Wunders, er stellt Peptide im Akkord her. Die Eiweiß-Moleküle, die auch im Körper vorkommen, baut der Apparat nach dem Vorbild aus der Natur. Sie sind die letzte Hoffnung für 22 Menschen, die in Washington an einer Studie des Nationalen Krebsforschungsinstitutes der USA (NCI) teilnehmen. Menschen, bei denen der Krebs gestreut, den Kampf eigentlich schon gewonnen hat.

Die Peptide aus Hennigsdorf könnten ihr Leben noch retten, erste Studien zeigen Erfolge. Der Mechanismus: Mit einer Gewebeprobe des Tumors wird festgestellt, welche Merkmale – in der Fachsprache „Marker“ genannt – die wuchernden Krebszellen haben. „Diese Marker bauen wir mit Peptiden nach. So kann das Immunsystem trainiert werden, den Krebs zu erkennen und zu bekämpfen“, erklärt Oliver Kreuzer (52), Chef von „Peptides& Elephants“. Im Gegensatz zur Chemotherapie, die den ganzen Körper schwächt, werde bei diesem Verfahren nur die Krebszelle angegriffen. Bisherige Studien verliefen vielversprechend, vier von sechs Patienten konnten nach der Immuntherapie ohne Beschwerden leben. Die Therapie eignet sich vor allem für schnell streuende Krebsarten wie Haut- oder Lungenkrebs.

Seit Anfang des Monats stellt das Unternehmen Peptide für die klinische Studie der NCI her, um die Krebstherapie zu erproben. Der Auftrag aus den USA ist ein Glücksfall für das Unternehmen, das in diesem Jahr die Umsatzmarke von einer Million Euro anpeilt. Chemieingenieur Oliver Kreuzer gründete es 2001 nach seiner Promotion am deutschen Institut für Ernährungsforschung in Rehbrücke, bis Ende 2016 hatte es seinen Sitz in Golm. Im April ist das Unternehmen, das bislang vor allem Peptide für die Forschung und Entwicklung – vor allem die Herstellung von Impfstoffen – in die Welt schickt, ins Blaue Wunder gezogen. „Hier haben wir auf 500 Quadratmetern alles, was wir für unsere Arbeit brauchen.“ Gefördert wird der Umzug von der Investitionsbank des Landes (ILB), rund 300 000 Euro sollen demnächst in den Ausbau des Hennigsdorfer Standortes mit seinen bislang zehn Mitarbeitern investiert werden.

Die Chemiker haben die Räume frisch bezogen, an der Wand hängen Bilder und Büsten von Elefanten. Passend zum schrägen Firmennamen „Peptides & Elephants“. Chef Oliver Kreuzer ist fasziniert von den grauen Giganten. „Peptide sind kleine Eiweißmoleküle, und der Elefant ist das größte, was man daraus zusammensetzen kann.“ Der Vorteil: Den Namen seines Unternehmens vergisst niemand.

Gut möglich, dass P&E, so die Kurzform, bald bekannter sein wird. Gründer Oliver Kreuzer scheint überzeugt, dass die klinische Studie ein Erfolg wird. „Ich gehe davon aus, dass die Therapie in zwei bis drei Jahren angewendet werden kann, der Leidensdruck bei den Patienten ist hoch“, sagt der Mann aus Groß Glienicke.

Langfristig sei es das Ziel, Impfstoffe aus den Peptiden herzustellen, der Mix müsse aber für jeden Patienten so individuell sein wie die Krebszellen selbst. Bislang ist die Behandlung darauf beschränkt, die Peptide mit Immunzellen in einer Petrischale zusammenzubringen. „Wie in einem Trainingslager können die Immunzellen dann trainieren, den Krebs zu erkennen.“ Dann würden sie dem Patienten wieder zugeführt. Drei bis vier Wochen dauert das, ein sehr aufwendiges Verfahren. „Eine Impfung dagegen könnte in jeder Klinik gemacht werden, wäre schneller und einfacher“, so Kreuzer. Drei bis vier Millionen Euro braucht sein Unternehmen, um bis Ende 2018 das Impf-Verfahren zu entwickeln. 800 Quadratmeter stehen als Erweiterungsfläche zur Verfügung. „Ende November“, sagt der Chef, „machen wir uns auf die Suche nach Geldgebern.“

Von Marco Paetzel

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