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Mit Herz gegen rechte Parolen

Demonstrationen in Velten Mit Herz gegen rechte Parolen

Rund 120 Asylbefürworter versammelten sich gestern vor der Evangelischen Kirche, um gegen einen Abendspaziergang von 220 Asylgegnern durch die Innenstadt zu demonstrieren. Rund 100 Beamte sicherten beide Veranstaltungen ab. Es blieb friedlich.

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Der evangelische Pfarrer Christoph Poldrack (vorn) und Christian Wunderlich von der katholischen Kirche sprachen ein Friedensgebet.

Quelle: FOto: MP

Velten. Vor der Kirche brannten Kerzen, die Menschen hielten Windlichter in den Händen. Rund 120 Veltener hatten sich gestern vor der Evangelischen Kirche versammelt, um gegen den Abendspaziergang von Asylgegnern zu protestieren, die zeitgleich durch die Innenstadt liefen. „Herz statt Hetze“ – dieses Motto stand auf einem Laken vor der Kirche. „Wir stehen für eine weltoffene Stadt ohne Rassismus“, sagte Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD). Die Abendspaziergänger würden sich harmlos geben, ihre Reden würden aber ihr wahres Gesicht zeigen. „Es ist die geistige Brandstiftung, die der tatsächlichen vorausgeht“, so Hübner.

Ein paar hundert Meter weiter, am Brunnen auf dem Marktplatz, lief eine solche Rede. Der Lautsprecher war bis zum Anschlag aufgedreht, der Sound des Redners militärisch-zackig. Er geißelte vermeintlich kriminelle Asylbewerber, die „Masseneinwanderung“ sei politisch gewollt. Die Flüchtlinge würden Deutschland nicht den Rücken kehren, sondern ihre Familien nachholen. Rund 220 Asylgegner hörten ihm zu, darunter Anhänger und Mitglieder der NPD wie der Veltener Stadtverordnete Robert Wolinski. Die Demonstranten streckten Transparente in die Nacht mit Parolen wie „Bluten darf das deutsche Volk“ oder „Überfremdung ist auch eine Form von Völkermord“ – ein Spruch, der in der Neonazi-Szene gebräuchlich ist. Gewalttätige Ausschreitungen waren einkalkuliert, rund 100 Polizisten sicherten die Demos. Dabei gibt es in Velten bislang kein Asylbewerberheim, nur knapp 30 Menschen – vor allem Tschetschenen – sind in Wohnungen untergebracht. Allerdings könnte demnächst ein Heim in der Ofenstadt entstehen, der Kreis sucht händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten. Etwa 360 Menschen könnten theoretisch nach und nach in Velten untergebracht werden.

Verwunderung herrschte bei den Asylbefürwortern darüber, dass sich niemand von der stärksten Fraktion Pro Velten sehen ließ. „Ich hätte gedacht, dass sie sich heute Abend sehen lassen und Gesicht zeigen“, so die Stadtverordnete Kristine Wunderlich (SPD/FWO). Marcel Siegert, Fraktionsvorsitzender von Pro Velten, hatte an keiner der beiden Demonstrationen teilgenommen: „Beide Aussagen sind mir zu pauschal.“ Jedes Mitglied der Fraktion habe aber selbst entscheiden können.

Von Marco Paetzel

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