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Mit Muslimen diskutiert

Forum in der Nicolaikirche Oranienburg Mit Muslimen diskutiert

In der Oranienburger Nicolaikirche erzählten Muslime aus Berlin und Oranienburg von ihrem Glauben und beantworteten Fragen. „Wie ist das denn mit dem Islam?“, so der Titel der Veranstaltung, zu der die evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai eingeladen hatte.

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Bei der lebhaften Diskussion zum Islam ging es in Oranienburg immer fair und sachlich zu.

Quelle: Köser

Oranienburg. Erst kam die Rebellion, dann die Religion. „Ich wollte es meinen Eltern einfach mal zeigen“, sagt Nesreen Hajjaj. Die hatten ihre Tochter vor dem Kopftuch gewarnt. Es könnte Ärger geben, Probleme, vor allem bei der Jobsuche. Vergebens. Seit zehn Jahren trägt die junge, temperamentvolle Muslima nun das Kopftuch. Einen Job hat die Berlinerin palästinensischer Herkunft ebenfalls, als pädagogische Mitarbeiterin bei der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg. Nach und nach beschäftigte sie sich dann auch mit dem Koran.

In der Oranienburger Sankt-Nicolai-Kirche erzählte die 23-Jährige mit weiteren Muslimen aus Berlin und Oranienburg von ihrem Glauben und beantwortete Fragen. „Wie ist das denn mit dem Islam“, so der Titel der Veranstaltung, zu der die evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai eingeladen hatte. Ein voller Erfolg. Rund 50 Teilnehmer, darunter auch einige Geflüchtete, saßen vergangenen Sonnabend in einer großen Runde zusammen.

Zuvor gab es eine kurze Einführung in den Islam, ins Christen- und Judentum. Zum Schluss stärkten sich die Anwesenden mit syrischen Spezialitäten. Etwa Kabsa, Reis mit Huhn, Yalangi, Weinblätter, gefüllt mit Reis und Gemüse, oder Moutabal, gegrillte Aubergine mit Joghurt. Vor allem Familien waren gekommen. Während die Erwachsenen redeten, tummelten sich die Kleinsten in Spiel-Zimmern, und ältere Kinder lernten spielerisch die verschiedenen Religionen kennen.

Es geht vor allem um den Islam in Deutschland, sagt Henning Schluß, Mitorganisator und Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks Oranienburg. Er möchte, dass Christen und nicht-religiöse Menschen mit Muslimen ins Gespräch kommen. So lasse sich manche Wissenslücke schließen. Gemeinsamkeiten zu erkennen, aber auch Unterschiede zu akzeptieren, war ein weiteres Anliegen. Ihn freut, dass es dabei immer sachlich zuging. Kritische Fragen und Einwände sorgten für eine lebhafte Diskussion, es fiel jedoch nie ein böses Wort.

Es ging es auch um den Islam und die Gewalt. Der Terror habe mit der Religion nichts zu tun, gibt ein Syrer zu bedenken. Er sei als Muslim selber vor den IS-Milizen geflohen. Bei dieser Gruppierung handele es sich um eine Minderheit, um Ideologen, die den Islam falsch verstanden haben, sagt er.

Das Kopftuch war ein großes Thema. Das Stück Stoff verteidigten die Musliminnen, die es trugen, nachdrücklich. Das Äußere, ohnehin vergänglich, trete so zurück, und das viel wichtigere Innere komme stattdessen zum Vorschein, gab eine von ihnen zu bedenken. Schließlich zeichne der Charakter den Menschen aus. Man könne sich als Mensch doch auch ohne Kopftuch begegnen, hielt ein Mann dagegen. Fatema, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, kennt die Fragen und Einwände nur zu gut, wie sie sagt. Sie will mit dem Kopftuch „den Glauben nach außen tragen“. So wie sich manche Christen eben ein Kreuz um den Hals hängen. Lass dir Zeit, überlege es Dir gründlich, hatten ihre Eltern geraten. Doch für die junge Palästinenserin stand der Entschluss fest. Das Kopftuch ermahne sie, ein guter Mensch zu sein und sich notfalls auch einmal zusammenzureißen. Nesreen Hajjaj sieht in der Bedeckung zudem ganz handfeste irdische Vorteile. Sie könne so entscheiden, was die Menschen von ihr sehen dürfen und was nicht, sagt sie. Nesreen Hajjaj: „Für mich ist das Kopftuch der Inbegriff der Freiheit.“

Von Fritz Hermann Köser

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