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Mit Stasi-Methoden gegen den Schiri-Chef

Borgsdorf Mit Stasi-Methoden gegen den Schiri-Chef

Verleumdung, Lügen, Erpressung, psychische Grausamkeiten: Als Michael Reichert vor zweieinhalb Jahren Schiedsrichter-Chef im Fußballkreis Oberhavel/Barnim wurde, begann eine üble Kampagne gegen ihn. Jetzt wehrt er sich – und bekommt viel Rückhalt. Steckt ein ehemaliger IM hinter den Angriffen?

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Michael Reichert im Schiedsrichtereinsatz. Ihm wird der Missbrauch seiner Funktion vorgeworfen.

Quelle: Robert Roeske

Borgsdorf. Fast genau zwei Jahre sei es her, sagt Michael Reichert. Da sei ihm seine Katze „Lotte“ tot an die Gartenpforte gehängt worden. Der 52-Jährige ist sich sicher: „Das war kein Katzen-Hasser, das war ein Reichert-Hasser.“

„Seitdem ich die Funktion des Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses Oberhavel/Barnim im April 2014 übernommen und in dieser Funktion auch unpopuläre Entscheidungen herbeigeführt habe, muss ich mich persönlicher Angriffe eines einzelnen Herrn erwehren“, schreibt Reichert jetzt in einem Offenen Brief. Die Attacken „reichen von übelster Verleumdung, Lügen, rufschädigenden Angriffen und Erpressungsversuchen bis hin zu psychischen Grausamkeiten“, heißt es weiter. Für den 52-Jährigen sind das „Stasi-Methoden“. Er glaubt zu wissen, wer hinter dem Psychoterror steckt, ein ehemaliger Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit. Deckname: „IM Pokal“. Den wahren Namen wolle und dürfe er aus rechtlichen Gründen nicht nennen. Der alte Mann gehe jedoch so perfide vor, „dass ihm die Handlungen kaum nachzuweisen sind“.

Bereits öfter habe er nach Einzelaktionen mit der Polizei zu tun gehabt. Die tote Katze gelte aber allenfalls als „Sachbeschädigung“, diverse Briefe als „üble Nachrede“. Das gelte auch für ein Schreiben, das die MAZ-Sportredaktion vor zwei Wochen erreichte und das angeblich Egbert Krause aus Eberwalde verfasst haben soll. Doch die Person soll unter der angegebenen Adresse nicht existieren. Als Michael Reichert schriftlich um ein Telefongespräch bat, kam sein Brief zurück – „Empfänger nicht auffindbar“.

Michael Reichert

Michael Reichert.

Quelle: Ulrike Gawande

Der Verfasser wirft dem Borgsdorfer vor, seine Schiri-Funktion zum persönlichen Vorteil zu nutzen. Wegen dieses „Missbrauchs“ fordert er den „sofortigen Rücktritt“. Begründung: Während andere Schiedsrichter nur ein oder zwei Spiele pfeifen dürften, hätte Reichert bereits 24 geleitet.

Das treffe zu, sagt der Angegriffene. Jedoch läge diese Zahl im Durchschnitt aller hiesigen 206 Schiedsrichter. Er gäbe welche mit weniger, aber auch welche mit deutlich mehr Einsätzen. Und acht davon habe er sogar kurzfristig übernommen, weil sich die regulär angesetzten Referees krank meldeten, sagt Reichert. Für ihn ist der Vorwurf der Vorteilsnahme geradezu „lächerlich“. Pro Spiel bekomme er zwischen 12 und 20 Euro.

Nach diesem neuerlichen Versuch eines „Rufmordes“, habe ihm ein BKA-Beamter geraten, in die Offensive zu gehen. Erst recht, da ihm indirekt angedroht worden war, ihn als CDU-Stadtverordneten von Hohen Neuendorf zu diskreditieren. Reichert wandte sich in dem offenen Brief an die Sportfreunde des Fußballkreises, die Stadtverordneten und die Vereinsmitglieder des FSV Forst Borgsdorf. Darin bittet er alle, die von Gerüchten über ihn erfahren: „Schenken Sie solchen Gerüchten keinen Glauben und sprechen mich direkt an.“

Aus sämtlichen Fraktionen habe er dafür viel Zuspruch erhalten, sagt Reichert erfreut. Das bestärke ihn in seiner festen Absicht, weder sein Schiri-Amt noch sein Mandat als Stadtverordneter aufzugeben. Genau das hatten ihm seine in Berlin lebenden Eltern geraten. Ebenso einen Umzug in die Hauptstadt. Reichert lehnt ab: „Dazu mag ich den Fußball und die Kommunalpolitik zu gerne.“

Michael Reichert und seine Funktionen

Seit 1978 ist Michael Reichert auf den Fußballplätzen als Schiedsrichter tätig. Darüber hinaus übernahm er seitdem diverse Funktionen.

Seit 2014 sitzt der 52-Jährige für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung. Außerdem arbeitet er im Sozialausschuss mit.

Kommunalpolitisch ist Reichert allerdings schon viel länger aktiv: vor seinem vorübergehenden Wegzug nach Nordrhein-Westfalen war er bereits für zwei Legislaturperioden Gemeindevertreter und Stadtverordneter, also für zehn Jahre.

Von Helge Treichel

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