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Oberhavel Mit dem Walzer gegen Propaganda
Lokales Oberhavel Mit dem Walzer gegen Propaganda
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22:32 18.10.2015
Barbara Schweihofer-Ellis (l) und Monika Tolk, beide im Seniorenbeirat der Stadt Velten aktiv, engagieren sich auch für Flüchtlinge.  Quelle: Ulrike Gawande
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Velten

Velten zeigt Gesicht und distanziert sich mit einem geänderten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung klar von NPD-Propaganda. Vor der Sitzung hatten sich Demonstranten der NPD und der Initiative „Willkommen in Velten“ vor dem Rathaus gegenübergestanden. "Wir stehen auf der richtigen Seite“, stellt Annabelle Rieß klar. Die Veltenerin, durch „Germanys next Topmodel“ bekannt geworden, erzählt dass sie ihre Heimatstadt immer als offen, mit einer positiven Grundstimmung, erlebt habe. „Es gibt hier so viele tolle engagierte Menschen, das Gymnasium trägt den Titel einer Schule gegen Rassismus und es gibt die Mixed Pickles Woche.“ Es ist dem Model, das in Berlin lebt, deshalb ein Bedürfnis Gesicht zu zeigen, politisch Stellung zu beziehen und an der Mahnwache „Flüchtlinge Willkommen“, von Willkommensinitiativen, Kirchen und demokratischen Parteien der Stadt organisiert, zu beteiligen. Mit warmer Pudelmütze war die junge Frau eine der ersten von später rund 200 Teilnehmern, die sich am Samstagabend auf dem Veltener Rathausplatz eingefunden hatten, um gegen die parallel stattfindende Mahnwache der NPD unter dem Motto „Das Boot ist voll“ zu demonstrieren.

Veltener Bürger, Kirchenvertreter und Politiker zeigten Gesicht für eine offene und tolerante Stadt, in der Flüchtlinge willkommen sind. Auch von der parallel stattfindenden NPD-Demonstration ließ man sich nicht provozieren, sondern spielte als die NPD-Hetzpropaganda zu laut wurde, Walzermusik und begann zu tanzen.

Anlass für die NPD-Demonstration, angemeldet von Veltens NPD-Abgeordnetem Robert Wolinski, zu der rund 50 Personen erscheinen waren, war die Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung am Abend, auf der über einen Antrag der Fraktion Pro Velten zur Einrichtung eines zeitweiligen Ausschusses für Integrations- und Flüchtlingsfragen entschieden werden sollte.

Die Stadt distanzierte sich klar von der NPD-Demonstration und der hetzerischen Propaganda wie „Überfremdung ist auch eine Form von Völkermord“. In allen Rathausfenstern prangte die deutliche Botschaft: Velten ist bunt. Bundes- und Landespolitiker, Stadtverordnete, jedoch keine Mitglieder der Fraktion Pro Velten, zeigten, dass in Velten Flüchtlinge willkommen sind, wie es auch Bürgermeisterin Ines Hübner immer wieder am Abend betonte. Pfarrerin Ute Gniewoß gab in ihrer Rede auch zu bedenken, dass doch nicht die Menschen hier, sondern die Flüchtlinge sich in einer Krise befinden würden.

Als die reißerischen Reden seitens der NPD – beide Demonstrationen standen sich auf dem Rathausplatz nur durch Polizei getrennt gegenüber – immer lauter und aggressiver wurden, legte man bei der Gegendemonstration Walzermusik auf, und viele begannen zu tanzen. Insgesamt blieb jedoch alles friedlich. Im Rathaus begann die Sondersitzung der SVV. Die Fraktionen von SPD/FWO und CDU hatten einen Änderungsantrag ausgearbeitet, in dem man sich klar zur demokratischen Grundordnung der BRD bekannte, sich von den Aktionen seitens Robert Wolinskis distanzierte und statt eines extra Ausschusses den Bereich „Integration von Flüchtlingen“ dem Sozialausschuss, der um zwei Mitglieder erweitert werden soll, zusprechen will. Der Änderungsantrag wurde gegen die Stimmen von NPD und Pro Velten, angenommen, die sich bei der abschließenden Entscheidung ihres eigenen geänderten Antrages der Stimme enthielten. Der NPD-Abgeordnete stimmte mit nein.

Von Ulrike Gawande

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