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Oberhavel Mit den Booten klappts jetzt in Liebenwalde
Lokales Oberhavel Mit den Booten klappts jetzt in Liebenwalde
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20:55 16.06.2016
Ein historischer Moment: in Liebenwalde fahren die ersten Motorboote in den Langen Trödel. Quelle: Andrea Kathert
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Liebenwalde

Um 12.51 gehen die Autofahrer auf die Bremse. Vor der Klappbrücke an der L 21 über den Langen Trödel steht am Donnerstag die Ampel auf Rot. Wenige Minuten später hebt sich der stählerne, blaue Koloss in die Höhe und macht die Fahrrinne für die Motorboote frei – zum allerersten Mal. Für die Liebenwalde ist der Trödel damit eröffnet. Die offizielle Feier, wo Landräte und andere Persönlichkeiten ihre Reden halten, beginnt erst zweieinhalb Stunden später in Zerpenschleuse.

Um 12.51 Uhr am Donnerstag müssen die Autofahrer warten, die Schranken vor der Klappbrücke an der L 21 schließen sich. Quelle: Andrea Kathert

Im Stadthafen von Liebenwalde trägt der frisch gebackene Hafenmeister zur Feier des Tages eine Kapitänsmütze, das ist noch ein ungewöhnlicher Anblick. „Eigentlich bin ich noch ein Hafenlehrling“, sagt Erich Kersten. Denn im Grunde ist es das erste Mal, dass im Hafenbecken wirklich Boote einfahren. Die haben sich zuvor in der Marina von Horst Helbig gesammelt, also vor der Klappbrücke zum Langen Trödel.

Die Bootsführer Wolfgang und Virginia. Quelle: Andrea Kathert

„Für uns ist es eine Ehre, heute hier mitzufahren.“ Wolfgang und Virginia sind die Bootsführer für Kuhne-Tours. 11,90 Meter lang ist die „Aquino“. Mit diesen Modellen können Bootsfahrer nun ohne Führerschein den Langen Trödel befahren. „Sonst war hier immer Schluss“, meint der Bootsführer im marineblauen Hemd und weißer Hose.

Horst Helbig hat die Toppen geflaggt. Quelle: Andrea Kathert

Das Kon­trastprogramm, jedenfalls anzugtechnisch gesehen, ist Marina-Chef Horst Helbig, wie immer mit T-Shirt und Basecap. Er steht auf einer Voyager 860. „Ich hab die Toppen geflaggt“, ruft Helbig gut gelaunt. Toppen heißt die Wimpelkette, die quer über das Schiff gespannt ist. „Ich freu mich, dass es endlich los geht“, meint Helbig. Auf dem Charterboot der Marina Mildenberg herrscht schon prima Stimmung. „Das haben wir sehnsüchtig erwartet“, sagt Inhaber Frank Brehm. Führerscheinfrei bis zum Werbellinsee zu schippern, sind gute Aussichten.

Das Boot von Tilo Neißner. Quelle: Andrea Kathert

Fast unbemerkt schiebt sich vom Vosskanal her ein 14 Meter langes, schmuckes Stahlboot aus Neuholland heran. Tilo Neißner sitzt am Ruder, sein Vater Heinz winkt den Leuten auf dem Steg zu. „Unser Boot haben wir vor 16 Jahren vorm Schrott gerettet“, erzählt Tilo Neißner. Es ist sein großes Hobby, das ehemalige Streckenkontrollboot wieder aufzubauen. Der 48-Jährige ist richtig stolz, heute dabei zu sein. „Hier als Erster zur Einweihung mitzufahren, das ist was ganz Besonderes“, strahlt er. Eigentlich sollte auch die Staatsyacht „Sehnsucht“ aus Oranienburg mit hier liegen. Aber die Crew vom kursfürstlichen Marineverein hatte Bedenken, ob die Sehnsucht unter der alten Eisenbahnbrücke von Liebenwalde durchpassen würde. „Das könnte eine Zentimetersache werden“, sagt Horst Helbig. Deshalb schleusen Manfred Ulack und seine Leute die „Sehnsucht“ kurz vor Zwölf lieber in Lehnitz in den Oder-Havel-Kanal und warten in Zerpenschleuse, praktisch am anderen Ende des Langen Trödel.

Vor der Klappbrücke herrscht langsam Aufregung. Aber keine Angst. Hafenmeister Hans Zander ist extra zur Amtshilfe aus Oranienburg gekommen. „So, ihr fahrt als Zweite“, dirigiert er vom Steg aus die Boote. Und dann geht’s los.

Sie sind die Ersten, die in den Trödel schießen: die Frauen des Rudervereins aus Birkenwerder. Quelle: Andrea Kathert

Die ersten, die in den Langen Trödel schießen, haben den längsten Anfahrtsweg. Es sind Frauen des Rudervereins Birkenwerder. „Wir sind um 8.30 Uhr gestartet und bis jetzt durchgefahren“, ringt Kerstin Ahrlich-Berkholz noch ein wenig nach Luft. „Ich wohne seit 20 Jahren in Zerpenschleuse und warte seit dem, dass der Trödel aufmacht“, steht ihr die Freude ins Gesicht geschrieben

Die ersten Boote liegen im Stadthafen von Liebenwalde. Quelle: Andrea Kathert

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Minuten später liegen sieben Sportboote, ein Ruderboot und zwei Kanus im Hafenbecken _ ein historischer Moment. Und den will natürlich auch Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann nicht verpassen und drückt ständig auf seinen Fotoapparat. Dass die Eröffnung des Langen Trödels auf den 16. Juni fällt, kommt nicht von ungefähr. „Am 16. Juni 1746 hat das erste, mit Salz beladene Schiff den Finowkanal befahren“, sagt Lehmann. Genau 270 Jahre später setzt sich nun ein ganzer Konvoi in Bewegung.

Ein Projekt für den Wassertourismus

Der zehn Kilometer Lange Trödel zwischen Liebenwalde und Zerpenschleuse wurde von August 2013 bis Herbst 2015 ausgebaut und jetzt eröffnet. Es entstanden eine Schleuse in Zerpenschleuse sowie drei neue Brücken.

Die Klappbrücke an der L 21 hebt sich bis Ende September vier Mal am Tag: 8.45 Uhr, 11.45 Uhr, 14.45 Uhr und 18.15 Uhr. Im Oktober passiert das nur noch um 11.45 Uhr und um 14.45 Uhr.

Der Stadthafen von Liebenwalde, der im März 2014 eröffnet wurde, kann nun von Motorbooten bis 15 Metern genutzt werden. Es gibt 32 Liegeplätze.

Die Betreibung der technischen Anlagen wurde für diese Saison, also bis Ende Oktober, an die SDL, Soziale Dienstleistungs GmbH, vergeben, eine Tochter des Vereins Christiani. In Zerpenschleuse arbeiten drei Schleusenwärter im Schichtdienst.

Die SDL betreibt auch den Stadthafen und das Hafen-Bistro, das künftig jeden Tag von 10 bis 20 Uhr geöffnet hat. Dort sind drei Servicekräfte, ein Hafenmeister und eine Arbeitskraft für die Grünanlagen beschäftigt.

Von Andrea Kathert

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