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Mit der „MS Veranderen“ einen Lebenstraum erfüllt

Schweizer Landratten per Schiff in Oranienburg Mit der „MS Veranderen“ einen Lebenstraum erfüllt

Theres und Martin Eberhard wollten noch einmal durchstarten in ihrem Leben. Sie verkauften ihre Haus, lernten ein Schiff zu steuern und sind seit dreieinhalb Jahren über den Sommer unterwegs. Jetzt haben sie das erste Mal in Oranienburg festgemacht und werde bis Ende August bleiben. Es gibt einiges zu reparieren.

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Zünftig geflaggt: Theres und Martin Eberhard auf ihrem stattlichen Schiff im Oranienburger Schlosshafen.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Martin Eberhard musste erst mal unter die Dusche. Die kühlen Morgenstunden hat er für Reparaturarbeiten an Deck genutzt: Schleifen, lackieren, schleifen, lackieren, „drei- bis viermal muss es sein“, erklärt er. Per Hand wohlgemerkt. Das gesamte Schiffsführerhaus. Aber was tut man nicht alles, damit das eigene Schiff ein Schmuckstück bleibt.

Vor einer Woche haben Theres und Martin Eberhard im Schlosshafen festgemacht. Erst im zweiten Anlauf haben sie die Kurve gekriegt, schließlich misst die „MS Veranderen“ (sich verändern) knapp 25 Meter. Freunde waren 2014 nach Berlin geschippert und hatten Mut gemacht, dass es mit den Vorschriften Made in Germany doch gar nicht so schlimm sei. Und so machten sich die beiden Seefahrer aus der Eidgenossenschaft mit Jungfraujoch und Matterhorn auch auf den Seeweg. Das erste Mal sind sie in Ostdeutschland, haben bei der Fahrt von Spandau letzten Donnerstag gleich die Sperrung der Wasserstraße wegen einer Bombenentschärfung in Stolpe-Süd erlebt. Diese Bombenaltlast macht die Schweizer betroffen. Im Schlosspark sind sie inzwischen gewesen, die Gedenkstätte ist ihr Ziel. „Ein Schloss mit einer verrückten Geschichte, von der Chemiefabrik bis zum Polizeistandort und heute so schön“, so Eberhard.

Unter die Seefahrer ist das Schweizer Ehepaar erst vor dreieinhalb Jahren gegangen. Damals kamen zwei Dinge zusammen: Das Schiff, das in den Niederlanden zum Verkauf stand, und die Tatsache, „dass wir noch einmal etwas Neues beginnen wollten“, so Theres Eberhard. Martin ist Maler und Illustrator, seine Frau hat mit im Büro und Atelier gearbeitet. Kennengelernt hatten sich die beiden bei einem Israel-Aufenthalt, sind in ihren 20er-Lebensjahren viel gereist. „Dann vergewöhnlicht sich das Leben.“ So auf dem Sofa weitermachen? Nein, das wollten sie nicht. „Sondern ein gemeinsames Projekt auf Augenhöhe. Was tun, was wir noch nie getan haben.“ Auch wenn an Deck eben nur einer Kapitän sein könne.

Dabei hatten sie von Schiffen zuvor „keine blasse Ahnung“. Machten ihren Führerschein in den Niederlanden und gingen bei einer 14-tägigen Fahrt beim Profi in eine harte Schule. Nicht selten würde er gefragt: Wo ist denn ihre Crew? Da ist sie, sagte Martin dann und zeigt auf seine Frau. Im Winter leben sie in ihrer Wohnung, den Sommer auf und unter Deck. Das Schiff ist ein schwimmendes Wohnhaus. Solide gebaut aus Stahl und Holz: Mit Küche, Gästezimmer, Wohnzimmer mit Kamin und Bücherregal. „Sechs Wochen können wir dank 9000-Liter-Wassertank und Ölheizung autark sein.“

Die Premierenfahrt 2012 endet im Desaster: Riss in der Ölpumpe, verstopftes Klo. „Der Einstieg war hart, aber eine gute Schule. Jede Fahrt berge neue Herausforderungen. Das Wetter gebe oft den Terminplan vor. In Friesland haben sie gelernt mit dem Wind umzugehen. „Das Einparken war anfangs der Horror“, sagt Martin. „Inzwischen haben wir Selbstvertrauen. Wir fahren langsam, müssen uns nicht beweisen.“

Über Ems und Mittellandkanal ging es gen Brandenburg. Hier könnten sie endlich mal fahren, nicht fünf Schleusen und noch mehr zu öffnende Brücken am Tag wie in den Niederlanden. Natürlich müsse man sich mit solch einem langen Kahn vorher anmelden für einen Liegeplatz. Ob Potsdam, Brandenburg, Spandau — überall hat es geklappt. Bis Ende August bleiben die Eberhards mit dem Schiff am Schloss vertäut. Es gebe immer was zu flicken, zu schleifen, auch gebe es den ersten Rost und ein Technikproblem, das zu beheben sei. Dazwischen Berlin erkunden, vielleicht die Müritz.

Die Hilfsbereitschaft innerhalb der Gemeinschaft „gefällt mir am Schifferleben“, findet Martin Eberhard. „Und ich schlafe besser als zu Hause“, findet Theres.

Von Heike Bergt

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