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Mitten im Wald ausgemüllt

Zehn Kubikmeter Bauschutt zwischen Lehnitz und Summt abgekippt Mitten im Wald ausgemüllt

Fassungslos stand Martin Krummel am Montag vor dem Schuttberg: Wie viel kriminelle Energie ist nötig, um solch einen Frevel zu begehen?, fragt er sich. Rund 100 Meter im Wald neben der Straße zwischen Lehnitz und Summt haben Unbekannte eine Lkw-Ladung Betonbrocken abgekippt.

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Direkt am Straßenrand liegt ein Kubikmeter Deckenverkleidung aus Styropor.

Quelle: Enrico Kugler

Lehnitz. Um zu dem Abladeplatz zu kommen, haben die Täter dafür die Schranke am Forstweg geöffnet. "Sieht aus wie die Abbruchreste einer ganzen Garage", mutmaßt Martin Krummel. Insgesamt zehn Kubikmeter Steine, die nun die Forstmitarbeiter mühevoll wegräumen müssen. Ein Bagger muss dafür her und ein Lkw. "Das wird um die 3000 Euro kosten. Alles Steuergelder", rechnet Krummel vor. Und ärgert sich.

Krummel ist Leiter der Oberförsterei, die ganz Oberhavel und mehr als 90.000 Hektar Wald umfasst. Der Forstoberinspektor hat sein Büro in Lehnitz.

Eine illegale Müllkippe diesen Ausmaßes ist ihm noch nicht untergekommen. Er muss allerdings einräumen: Nach vergleichsweise "ruhigen" Jahren nimmt die illegale Müllentsorgung im Wald wieder dramatisch zu." Ganze Schuppen oder Keller würden ausgeräumt und bei Nacht und Nebel entsorgt. Bilder, Küchengeräte, Möbelstücke sind dabei. Aber auch immer wieder Bauschutt oder Laubberge. "Durchschnittlich zweimal im Monat rufen Leute an, weil sie etwas entdeckt haben." Fünf ähnliche, aber geringere Vorfälle musste Krummel schon in diesem Jahr beseitigen lassen. Für ihn unerklärlich: Die Abfuhr sei bestens geregelt: Über die Sperrmüllkarte beim Kreis. Chemikalien und Farbreste können zum Schadstoffmobil gebracht werden. "Und auch Abbruchmaterial ist auf den Recyclinghöfen nicht teuer abzugeben."

Schnell mit 100 Euro dabei

  • Wilde Müllablagerungen im Wald muss die Forst einsammeln, der Landkreis entsorgt sie auf Kosten der Steuerzahler.
  • Vier bis fünf Waldarbeiter sind für die Müllentsorgung in den Wäldern von Oberhavel zuständig. Sie schaffen die Arbeit kaum.
  • 2012 sind im Forstbereich von Martin Krummel 66 Ordnungswidrigkeiten geahndet worden, in diesem Jahr bis heute bereits 77.
  • Beim Gros der Fälle handelt es sich um das unrechtmäßige Fahren im Wald. Auf Platz zwei rangieren Waldverschmutzungen.
  • Wer zum Pilzesammeln bis in den Wald gefahren ist, wird mit 25 Euro zur Kasse gebeten. Wer mit dem Auto bei Waldbrandwarnstufe IV bis zum See fährt, ist mit 100 Euro dabei. Wer mit dem Quad durch den Wald düst, wird mit mindestens 200 Euro bestraft und wer Gartenabfälle in den Wald kippt, mit 35 Euro.

Einmal habe er jemanden ertappt, der einen Sack Schilf in den Wald geschleudert habe, erinnert sich Krummel. Der konnte einpacken. Auch rief ihn schon mal ein Waldanrainer zu Hilfe, weil die Wildschweine in seinen Garten kämen. Dem musste Martin Krummel beibringen: auch selbst schuld, wenn gleich hinter der Pforte zum Wald bergeweise Gartenabfälle abgeladen werden. "So ist der Tisch für die Wildschweine gedeckt. Dann kommen die sich natürlich auch die Tulpenzwiebeln holen."

Der Schaden, den die illegalen Mülltouristen verursachten, sei immens. Nicht nur, dass erhebliche Kosten für den Steuerzahler entstehen, "die Bäume wachsen an dieser Stelle nicht mehr und der Bewuchs leidet. Nicht zuletzt ist es kein schöner Anblick."

Von Heike Bergt

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