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Mühlenbecker Land Lösung für Gesundheitszentrum gefordert
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Lösung für Gesundheitszentrum gefordert
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09:04 29.08.2018
Voller Saal zur Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend in Zühlsdorf. Quelle: Helge Treichel
Zühlsdorf

Ein volles Haus hatte der Zühlsdorfer Ortsbeirat während seiner Sitzung am Dienstagabend. Hauptthema: Der Plan zum Bau von Wohnungen und Arztpraxen zwischen Bahnhofstraße und Sandweg (B-Plan Nr. 35). Der Ortsbeirat lehnte das Vorhaben mit 3:2 Stimmen ab. Zuvor hatte der Antragsteller, Vermesser Jürgen Berger, eine Liste mit 300 Unterschriften für das Projekt an die Verwaltung übergeben.

Viele Zühlsdorfer haben dem Eigentümer übel genommen, dass er das Gelände bereits im Vorfeld gerodet und eingezäunt hatte – obwohl es sich um ein Waldgebiet handelt, für das der öffentliche Zugang gewährleistet sein muss. Den zweiten Grund lieferte Volker Deutrich. Er stellte im Ausschuss das Vorhaben seiner Familie vor, an der Wanditzer Chaussee ein Ärztezentrum zu etablieren. Die seit 1990 bestehende Zahnarztpraxis seiner Frau soll dabei ebenso untergebracht werden wie die allgemeinmedizinische Praxis seiner Tochter und die gynäkologische Praxis seiner Schwester. Und auch eine Physiotherapie sei vorgesehen. Dass die betreffende Fläche als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen ist, seien dort Arztpraxen erlaubt, erläuterte Ortsvorstehering Ursel Liekweg (SPD). Über die Arbeitsgruppe könnte besprochen werden, eine Busanbindung mit Haltestelle zu schaffen, stellte Hartmut Haase ergänzend in Aussicht.

Volker Deutrich erläutert die Ziele seiner Familie. Quelle: Helge Treichel

Die Zahnarztpraxis laufe seit fast 30 Jahren erfolgreich und stabil, mit inzwischen vier Zahnärzten, 20 Schwestern und fünf Zahntechnikern. Zum Aufbauen der neuen Praxisverbundes sei ein größeres Grundstücksareal ins Auge gefasst worden. Der Bauantrag sei bereits fix und fertig, so Deutrich. Hoffnung sei es, bereits im nächsten Jahr zu bauen. Auf Anfrage eines Einwohners erläuterte Volker Deutrich, dass er der Zahnärztin Carmen Schmidt angeboten habe, sie in das Projekt zu integrieren. Sie könne die Pläne einsehen und noch etwaige Änderungen einbringen. Stellvertretend ergriff ihr Mann in der Sitzung das Wort: Man habe alles gründlich durchgesprochen und favorisiere das Vorhaben von Familie Berger.

Den Stand der Dinge stellte Planer Bertram Kastner vor (RIK Network). Der Vorschlag beinhalte, das knapp 4500 Quadratmeter große Wohngebiet als allgemeines Wohngebiet festzusetzen, wobei nur Wohnungen und Arztpraxen zugelassen werden sollen. Fünf Gebäude sind laut Vorplanung vorgesehen, drei zweigeschossige zum barrierefreien Wohnen, und je eins für die Praxen (Zahnarzt, Physiotherapie). Für die Praxen würden 29 Stellplätze, jede Wohnung je zwei Stellplätze geschaffen. In der Anlage sei sogar betreutes Wohnen denkbar, so Kastner. Besondere Schutzgebiete würden mit der Planung nicht berührt. Die Verkehrsanbindung sei bereits optimal.

Planer Bertram Kastner bei seinen Ausführungen. Quelle: Helge Treichel

In der Verwaltung wird das Aufstellen eines diesbezüglichen Bebauungsplans abgelehnt: Laut Flächennutzungsplan handele es sich um eine Waldfläche. Der Wunsch zum Entwickeln einer Wohnbaufläche auf einer bisher unbebauten und überwiegend mit Waldbäumen bestockten und an den offenen Naturraum angrenzenden Fläche rechtfertige kein B-Planverfahren, heißt es in einer Stellungnahme. Zudem werde das Gemeindeentwicklungspotenzial für zusätzliche Siedlungsflächen von 6,9 Hektar im Zuge des neuen Flächennutzungsplans bereits nahezu ausgeschöpft. Und das konkrete Vorhaben würde rund 7,2 Prozent des gesamten Gemeindeentwicklungspotenzials binden. Vielmehr werde die Fläche aktuell als potenzieller Einzelhandelsstandort ausgewiesen.

Selten war der Mehrzweckraum so voll wie an diesem Abend. Quelle: Helge Treichel

Mehrere Einwohner machten deutlich, dass sie eine für die Natur nachteilige Signalwirkung in dem Vorhaben sehen. Es könnten noch andere Waldbesitzer auf die Idee kommen, ihre Flächen so zu Geld zu machen und dabei auf das Gleichbehandlungsprinzip pochen. Das gab viel Beifall. Einwohner Jürgen Kastl bezeichnete den Vorschlag von Familie Deutrich vor diesem Hintergrund als echten Kompromissvorschlag, für den kein Wald für eine andere Nutzung umgewandelt werden muss. Ursel Liekweg verwies überdies auf das noch bestehende Verdichtungspotenzial von mehr als 50 Prozent im Ort: „Da kann auch ein Arzt bauen.“ Die Ortsvorsteherin sprach sich dagegen aus, mit der Rodung erst Tatsachen zu schaffen und dann einen Antrag zu stellen. Allerdings wurde auch betont, dass das Abholzen nicht unrechtmäßig war.

Der B-Plan wurde ebenso wenig empfohlen wie eine diesbezügliche Änderung des Flächennutzungsplans. Am 8. Oktober steht das Thema in der Gemeindevertretung zur endgültigen Beschlussfassung (18.30 Uhr, Bürgersaal Schildow).

Von Helge Treichel

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