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Mühlenbecker Land Verkannter Baumeister vom Tegeler Fließ
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Verkannter Baumeister vom Tegeler Fließ
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21:31 25.02.2019
Der Biber in seinem Element. Quelle: Archivbild/dpa
Mühlenbeck

Gleich hinter Summt beginnt ein Vogelparadies. Mehrere Silberreiher jagen hier Fische, auch die Kraniche waten durch eine weitläufige Wasserfläche. Diesen Lebensraum hat der Biber geschaffen. Der Nager hat im Tegeler Fließ einen Damm gebaut – keine 200 Meter von der Autobahn A 10 entfernt. Er tut das, um sich vor Feinden zu schützen, die bei sinkendem Pegel in ihre Baue eindringen könnten, und um im Winter von ihren unter Wasser versteckten Holzvorräten zehren zu können. Hinzu kommt eine Portion Bequemlichkeit: Auf dem Wasserweg lassen sich Nahrung und Baumaterial leichter transportieren als auf dem beschwerlichen Landweg.

Und so kommt es, dass sich das Wasser bis zum Mühlenbecker See zurückstaute. Uferbereiche wurden ebenso überflutet wie einige Wiesenabschnitte.

Doch was Naturschützer erfreut, hat eine Kehrseite: „Dadurch stieg das Schichtenwasser im umliegenden Gelände um 40 bis 50 Zentimeter an, was nicht nur Anwohner in Sorge bringt“, erläutert Bauamtsleiter Hanns-Werner Labitzky. Er verweist zudem auf eine Petition, die der Mühlenbecker Bodo Voigt vor einem knappen Jahr vorgelegt hatte. 160 Personen hatten diese unterzeichnet. Überschrift: „Wann säuft Mühlenbeck komplett ab?“

Der Biberdamm nördlich der A10: Das Wasser fließt. Quelle: Helge Treichel

Vertreter aus Kommunalpolitik, Gemeindeverwaltung, Naturschutzbehörde, Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“, Interessengemeinschaft Summt und die Biberbeauftragte des Landes Brandenburg trafen sich deshalb am 5. Februar zu einem Ortstermin am Biberdamm. Da das Tier streng geschützt ist, ist ein Vorgehen jedoch nur in enger Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde möglich. Die Beteiligten verständigten sich darauf, alle relevanten Biberdämme zu entnehmen. „Im Nachgang hat die untere Naturschutzbehörde die mündliche Genehmigung darüber erteilt, dass zwei Biberdämme im Bereich Mühlenbecker Land/Summt entnommen werden können“, informierte Kreissprecherin Constanze Gatzke auf Nachfrage. Der schriftliche Bescheid dazu sei unterwegs.

Am vergangenen Sonntag war der Summter Damm auf einem etwa 50 Zentimeter breiten Streifen bereits geöffnet. Das entnommene Material lag am Ufer. Reichte der Wasserpegel zu Monatsbeginn noch bis an die schmale Brücke des nahen Wanderweges heran, so ist der Pegel aktuell um mehrere Zentimeter gefallen.

Eine der überfluteten Flächen am Tegeler Fließ. Quelle: Helge Treichel

„Meine Leute waren das nicht“, sagt Bernhard Meinke vom Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“. Am Montag ist zunächst der Biberdamm in Mönchmühle beräumt worden, danach folgt der Damm zwischen Hermann-Grüneberg-Straße und Bahnhofstraße. Erst danach sei bis voraussichtlich Donnerstag der Damm nördlich der Autobahn an der Reihe.

Die Dämme sollen mindestens vier Wochen lang offen gehalten werden, so Constanze Gatzke. Bis dahin soll beobachtet werden, wie sich die Maßnahme auf die Wasserverhältnisse auswirkt. „Gegebenenfalls ist die Maßnahme zu verlängern“, so die Sprecherin. Die örtlichen Naturschutzverbände würden an diesem Verfahren beteiligt. „Sollte der Biber in dieser Zeit erneut einen Damm bauen, ist ein sogenannter Überlauf einzubringen, der ähnlich wie ein Drainagerohr als Wasser-Durchlass funktioniert“, erläutert Constanze Gatzke.

Auch stärkere Stämme sind kein Problem für den Biber. Quelle: Helge Treichel

Die Tiere würden durch dieses Vorgehen nicht vertrieben, sind sich die Experten einig. Denn ihre eigentlichen Biberburgen blieben unangetastet. Während die Dämme an den Bachläufen gut sichtbar sind, leben die Biber mit ihren Familien in zumeist etwas entfernt gelegenen Wohnburgen. Diese seien in der Regel gut versteckt. Ohnehin sei die Anzahl der Biber in der hiesigen Region so groß, dass ein freies Revier in kürzester Zeit wieder neu besetzt wird. Deshalb sei eine Entnahme der Tiere aus ihrem Revier am Tegeler Fließ und Mühlenbecker See von vorn herein als mögliche Lösung verworfen worden, sagt Hanns-Werner Labitzky.

Biber werden zehn bis zwölf Jahre alt und durchschnittlich 18 Kilogramm schwer. Nachdem sie in Europa nahezu ausgerottet waren, hat sich ihr Bestand in den vergangenen Jahren wieder erhöht.

Biberburg im Mühlenbecker See. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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