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Mühlenbecker Land Gesundes Leben ohne Pestizide
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land Gesundes Leben ohne Pestizide
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23:37 11.10.2018
Mühlentalk im Bürgersaal in Schildow: Ulrike Bickel (vorn) vom Verein BUND stellte Möglichkeiten und Wege zur pestizidfreien Gemeinde vor. Quelle: Helge Treichel
Schildow

Ein in den vergangenen Wochen in der Gemeinde hart umstrittenes Thema griff der SPD-Ortsverein am Donnerstagabend in seiner Reihe des Mühlentalks auf: den Einsatz des Pflanzenvernichtungsmittels Glyphosat auf Äckern des Ortsteils Schönfließ. Der Titel der Veranstaltung: „Gesundes Leben ohne Pestizide –Alternativen zu Chemie und Co.“ Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD) und Ortsvereinsvorsitzender Norbert Bücker konnten gut 40 Gäste begrüßen.

Eingangs sprach Ulrike Bickel vom Naturschutzverein BUND über die Möglichkeiten einer pestizidfreien Gemeinde. Dabei wies sie nach, dass eine Flächenpflege ohne die chemische Keule möglich ist. Immerhin mindestens 250 Kommunen seien bundesweit inzwischen ganz oder teilweise pestizidfrei – manche würden das sogar ohne speziellen Beschluss praktizieren, so Ulrike Bickel. Außerdem stellte sie Lösungsansätze in der Landwirtschaft vor. Grundvoraussetzung sei eine Abkehr vom Leitbild des vermeintlich „sauberen Ackers“.

Zuhörer beim Mühlentalk im Bürgersaal in Schildow. Quelle: Helge Treichel

Moderator Detlef Kuchenbäcker fasste seinerseits einige Erfahrungen aus anderen Kommunen zusammen, beginnend beim Berliner Stadtbezirk Reinickendorf über die Stadt Prenzlau und das Berchtesgadener Land bis hin zu den Städten Hannover und Potsdam. Hannover begann bereits 1999, auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zu verzichten. 2004 sei die Anwendung auch für Kleingärten untersagt worden. Der Befall mit dem Buchsbaumzünsler werde durch Abspritzen oder Absaugen mechanisch bekämpft. Die brandenburgische Landeshauptstadt bemühe sich seit 25 Jahren darum, die als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichneten Parklandschaften ökologisch aufzuwerten.

Die bio-dynamische Landwirtschaft am Beispiel des Landgutes Pretschen stellte Betreiber Sascha Philipp vor. Auch seine Art der Landwirtschaft sei keine Natur, sondern Kultur, gab er zu. Aber es gebe alternative Möglichkeiten, seine Pflanzen vor Schädlingen zu schützen – mit den natürlichen Feinden der Schädlinge (Antagonisten). Seine eindringliche Empfehlung für den Weg zur pestizidfreien Gemeinde: „Gehen Sie nicht in eine Abwehrhaltung, machen Sie das mit einer Umarmung!“

Christian Pascale wärhend seines Statements. Quelle: Helge Treichel

Ganz aktuell gemessene Glyphosat-Messwerte trug der Schönfließer Gastronom Christian Pascale vor. Bei einem zehnjährigen Mädchen aus seinem Ortsteil sei im Körper der 6,7-fache Wert dessen ermittelt worden, was maximal für das Trinkwasser zulässig ist. Ein anderes Kind erreiche den zehnfachen Wert. „Wo sind die Prioritäten der politischen Klasse?“, fragte er mit Blick auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Außerdem bedauerte er, dass ihm nahegelegt wurde, die Gemeinde zu verlassen, wenn er mit den Verhältnissen unzufrieden sei.

Es sei eigentlich egal, ob Glyphosat nun Krebs errege oder nicht, sagte Norbert Bücker in der Podiumsdiskussion: „Es sind Gifte!“, stellte er heraus. Herbizide und Pestizide müssten grundsätzlich abgeschafft werden. Er rief die Anwesenden dazu auf, als Interessierte mit all ihren Nachbarn über das Gehörte zu sprechen. „Wir vor Ort können und wollen etwas bewegen“, lautet seine zentrale Botschaft. Ziel sei es aber auch, auf der Parteiebene für eine Abschaffung der Gifte zu werben.

Beeindruckt von den Vorträgen zeigte sich Bürgermeister Smaldino-Stattaus. So wie sich die Hörner von bio-dynamisch ernährten Rindern auf geheimnisvolle Weise wieder aufrichten, so sollten sich auch die vielfach nach unten zeigenden Mundwinkel aufrichten. Denn in den sozialen Netzwerken sei zu „viel Schlimmes“ zu finden. Er sei gespannt, wie die bislang schmalen Blühstreifen künftig breiter werden. „Auf jeden Fall wird etwas passieren“, kündigte der Bürgermeister an. Im Privaten werde schließlich auch vorsichtige, vorausschauende Vorsorge betrieben.

Der angesprochene Landwirt Helmut Schneermann forderte die Anwesenden auf, im eigenen Kühlschrank mal nach Bio-Produkten zu schauen. Das eigene Verhalten nämlich sei es, was einen ganz großen Einfluss habe. Parallel lud er dazu ein, sich auf dem Hof über die dort betriebene Landwirtschaft zu informieren.

Von Helge Treichel

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