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Mühlenbecker Land „Wir setzen Glyphosat nicht leichtfertig ein“
Lokales Oberhavel Mühlenbecker Land „Wir setzen Glyphosat nicht leichtfertig ein“
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01:15 14.07.2018
Felix Schneermann, Landwirt aus Schönfließ. Quelle: Helge Treichel
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Schönfließ

Was im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat aktuell in der Gemeinde Mühlenbecker Land abläuft, hält Landwirt Felix Schneermann für „pure Stimmungsmache und billigste Hetze“. Diese sei durch keinerlei Daten untermauert und werde von Personen angefeuert, die sich nicht hinreichend über das Thema informiert hätten.

Nur so lasse sich erklären, dass die Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich die Verwaltung aufgefordert haben, „alles erdenklich Mögliche zu unternehmen, um unsere Gemeinde und unsere Mitbürger vor diesem Mittel (Glyphosat) zu verschonen“. Denn erstens fehle dafür die gesetzliche Grundlage, da das Herbizid zugelassen ist. Zweitens besitze die Gemeinde gar keine Flächen, wo sie Einfluss darauf nehmen könnte. Deshalb vermutet er neben Unwissenheit auch eine gewisse Portion Populismus und politischen Kalküls hinter diesem Beschluss der Gemeindevertretung. Nach wie vor stehe seine Einladung an alle Gemeindevertreter, seinen Hof zu besuchen und das Thema vor Ort zu diskutieren. Die MAZ hat dieses Angebot angenommen.

Demonstration am Montag vergangener Woche vor dem Bürgersaal in Schildow. Sie wiesen auf mögliche Risiken hin – für Menschen und für Insekten wie die Bienen. Quelle: Jeanette Hix

Seit 2007 betreibt die aus Niedersachsen stammende Familie des 24-Jährigen das Landgut Erlenhof Schönfließ. Seit sieben Generationen sind die Schneermanns in der Landwirtschaft tätig. Auch der Junior ist staatlich geprüfter Agrarfachwirt und seit Ende 2017 auf dem Hof in Schönfließ tätig. Auf einer Fläche von 550 Hektar wird Ackerbau betrieben. Weitere Flächen stehen den Pferden zu Verfügung, die auf dem Landgut für ihre Besitzer betreut werden.

Was ist Glyphosat eigentlich?

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist die biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitband- oder Totalherbizide und wurde seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre von Monsanto als Wirkstoff unter dem Namen Roundup zur Unkrautbekämpfung vermarktet.

Weltweit ist es seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Glyphosatprodukte werden mittlerweile von mehr als 40 Herstellern vertrieben.

Glyphosat wird in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Alle damit behandelten Pflanzen sterben ab. Ausnahmen bilden Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert worden sind, dass sie eine Herbizidresistenz besitzen.

Im Vergleich mit anderen Herbiziden weist Glyphosat meist eine geringere Mobilität, eine kürzere Lebensdauer und eine niedrigere Toxizität bei Tieren auf. Dies sind für landwirtschaftlich verwendete Herbizide in der Regel wünschenswerte Eigenschaften.

Ausgehend von Medienberichten und einigen kontrovers diskutierten Studien über mögliche Gesundheitsgefahren von Glyphosat hat sich seit Jahren eine intensive öffentliche und wissenschaftliche Debatte entwickelt. Eine europäische Bürgerinitiative forderte mit fast 1,1 Millionen gültigen Unterschriften das Verbot von Glyphosat. Anlass dafür war die Ende 2017 anstehende Wiederzulassung in der EU sowie die Bewertung als „wahrscheinlich krebserzeugend“ für den Menschen von der Internationalen Agentur für Krebsforschung. Dieser Bewertung widersprachen andere Behörden und Organisationen.

Zunächst räumt Felix Schneermann mit dem Vorurteil auf, Glyphosat werde flächendeckend und kontinuierlich eingesetzt. Vielmehr sei das Herbizid auf den Flächen des Betriebes in diesem Jahr noch gar nicht verwendet worden. Und im Vorjahr sei es nur deshalb eingesetzt worden, weil die Gerste wegen der anhaltenden Feuchtigkeit drei Monate später geerntet wurde als in diesem Jahr. Dadurch habe ungewünschtes Grün Zeit und gute Bedingungen gehabt, zwischen den Nutzpflanzen emporzuwachsen. Das wiederum habe die Ernte mit dem Mähdrescher gefährdet. Deshalb habe man sich gezwungen gesehen, Glyphosat einzusetzen – jedoch nur stellenweise.

Unkrautvernichter nur stellenweise eingesetzt

Am Ende seien es 16 Prozent der Flächen gewesen, auf denen das Mittel benutzt wurde. Auf die Gesamtfläche gerechnet, komme der Erlenhof auf 198 Gramm Glyphosat pro Hektar. Für die eingesetzten Mengen sei eine Dokumentation erforderlich. Für die gebe es ebenso strenge Auflagen wie für einzuhaltende Abstände, Karenzzeiten und den Gewässerschutz. „Zugelassen wären sogar 1200 Gramm pro Hektar“, sagt Felix Schneermann. Aber mehr helfe nicht mehr, sondern verursache nur mehr Kosten. „Deshalb setzen wir Glyphosat nicht leichtfertig ein. Wir nutzen es, wo es dringend nötig ist, um die Ernte nicht zu verlieren.“

Auslandserfahrungen haben ihm die Augen geöffnet

Ernteverluste seien nicht nur für die Landwirte ein Problem, sondern wirken sich bis in die Geschäfte aus – preislich und qualitativ. „Die Leute müssen sich mal vor Augen führen, wo ihre Lebensmittel herkommen“, appelliert Schneermann. Wer die heimische Landwirtschaft aufs Spiel setzt, riskiere Importe, bei denen Kontrollen und Nachweise nicht so streng gehandhabt werden wie innerhalb Deutschlands und der EU. Das habe ihm die zeitweilige Tätigkeit in Australien vor Augen geführt: „Dort werden ganz andere Mittel eingesetzt und die lachen über uns“, sagt Schneermann.

Felix Schneermann vor dem Fuhrpark des väterlichen Betriebes, den er übernehmen möchte. Quelle: Helge Treichel

Glyphosat werde seit mehr als 40 Jahren eingesetzt. In dieser Zeit müssten erste Langzeitwirkungen nachzuweisen sein. Es gebe jedoch keinen klinischen Nachweis einer Erkrankung, die mit Glyphosat in Verbindung stünde.

Wissenschaftler sind sich einig

Felix Schneemann verweist in diesem Zusammenhang auf ein Interview, das Andreas Hensel, Präsident des völlig unabhängigen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), dem Tagesspiegel gab. Hensel sagt zur Debatte um die weitere Zulassung des Unkrautvernichters: „Sämtliche Bewertungsbehörden in den Mitgliedsländern der EU und alle EU-Behörden sind einhellig der Meinung, dass es keine gesundheitlichen Bedenken dagegen gibt, Glyphosat weiter zuzulassen. In der Wissenschaft ist das Urteil glasklar: Glyphosat ist nicht krebserregend. Aber es geht schon lange nicht mehr um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um Landwirtschaftspolitik.“

Was ist mit Nikotin und Alkohol?

Wer eine Debatte über angebliche Gesundheitsgefahren von Glyphosat anheizt, der müsse sich die Frage gefallen lassen, warum er nicht gegen tatsächliche Risikofaktoren für Krebs ebensolche Aktivitäten entwickelt, meint Felix Schneermann. Unstrittig sei Nikotin in Zigaretten hochgradig krebserregend. Das Risiko für bestimmte Krebsarten steige auch durch den Alkoholkonsum sowie durch Stoffe, die beim Grillen in Lebensmitteln entstehen. Sollte die Gemeindevertretung Beschlüsse gegen all diese schädlichen Chemikalien fassen? Immerhin gäbe es wenigstens wissenschaftlich Nachweise dafür. „Der Vergleich soll nur zeigen, was vom Glyphosat-Beschluss tatsächlich zu halten ist“, so Schneermann.

Von Helge Treichel

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