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Musikbox auf zwei Beinen

Hennigsdorf Musikbox auf zwei Beinen

Seit fast 45 Jahren tourt der Hennigsdorfer Peter Ott über die Bühnen der Region. Der 63-Jährige bespielt Veranstaltungen als DJ oder Moderator, zudem stellt er die Technik für Feste jeder Größe. „Ich brauche nur mit dem Finger zu schnippen, und schon habe ich alles für ein Fest zusammen.“

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Peter Ott ist im Hennigsdorfer Rathenau-Viertel geboren und aufgewachsen. Beruflich sei er dagegen „Zigeuner“.

Quelle: Foto: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Als Andy vom Veltener Bikerclub „Rolling Wheels“ anrief, konnte Peter Ott es kaum glauben. Der DJ hatte gedacht, er könnte mal wieder ein paar rockige Titel herauskramen. Fehlanzeige. „Die Kuttenträger wollten eine Schlagerparty mit Helene Fischer, vor allem für ihre Mädels.“ Bis zwei Uhr nachts ging die Fete, die Wiese gegenüber dem Veltener Rathaus war proppevoll. So etwas hatte Peter Ott noch nicht erlebt, dabei ist der gebürtige Hennigsdorfer seit fast 45 Jahren im Geschäft.

Der 63-Jährige bespielt Veranstaltungen als DJ oder Moderator, zudem stellt er die Technik für Feste jeder Größe. „Ich brauche nur mit dem Finger zu schnippen, und schon habe ich alles für ein Fest zusammen.“ Boxen, Kabel, Mischpulte, auch Kinderkarussells, Hüpfeburgen und andere Attraktionen lagert der Veranstalter in einem 200 Quadratmeter großen Lager auf ehemaligem Bombardier-Gelände. Rund 400 Einsätze hat Ott jedes Jahr - dabei helfen ihm zwei feste und eine handvoll freie Techniker, die bei Bedarf zum Einsatz kommen.

Seinen größten Auftritt hatte Ott vor fünf Jahren bei einer Demo auf dem Potsdamer Luisenplatz, rund 15 000 Menschen beschallte er damals. In Oberhavel ist er sowieso bekannt wie ein bunter Hund. Auf dem Veltener Hafenfest gehört er zur Stammbesetzung, bei der Veranstaltung zum Ersten Mai oder Kundgebungen bei Bombardier ist er jedes Jahr auch in Hennigsdorf im Einsatz. Außerdem kennt der Familienvater – Ott hat fünf Kinder und vier Enkel mittlerweile jede Kita im Landkreis. „Wir sind wie Zigeuner, wir fahren zu den unmöglichsten Zeiten zu Veranstaltungen und kommen oft erst spät nachts nach Hause.“ Umso sesshafter ist er privat. In seiner 143 Quadratmeter großen Wohnung im Rathenau-Viertel lebte „die Musikbox auf zwee Beenen“, wie Ott manche gerne nennen, schon als Säugling, auch Eltern und Großeltern haben hier schon gewohnt.

Der Elektromonteur und Datentechniker stammt aus der Singeklub-Bewegung der DDR. 1973, als die Weltfestspiele liefen, wollte der Staat mehr Angebote für die vielen Teenies und Twens. Man eiferte westlicher Unterhaltung nach, DJs mussten her. Ott ließ sich nicht lange bitten. „Da bist du der König, da quatscht dir keiner rein.“ Tagsüber war er als Gruppenleiter für Materialwirtschaft in den Lokomotivbau Elektrotechnische Werke (LEW) tätig, 19 Jahre lang, bis er im Mai 1989 die Nebentätigkeit zum Hauptberuf machte. In den 1980er-Jahren arbeitete Ott sieben Jahre lang im Berliner Palast der Republik als Moderator und DJ, auch für die große Gala im Foyerbereich. Er hat sie alle erlebt: James Last, Costa Cordalis, Ina Maria Federowski.

Otts Musiksammlung ist in den fast 45 Jahren gewaltig gewachsen, rund 90 000 Titel hat er heute auf der Pfanne. Nur einmal lag Ott so richtig daneben: Für Oma Elisabeths 70. in Brieselang dachte er altersgerecht an Heino und Co. Doch Stimmung kam nicht auf. Dann eilte die Jubilarin auf ihn - ganz in schwarzes Leder gehüllt. „Junge, hast du nicht Rammstein?“, fragte sie. Er hatte. Soviel Rammstein, erinnert sich Ott, hat er sonst noch nirgends gespielt. Ein anderes Mal gab sein Laptop mit allen Songs den Geist auf, weil Sprühregen in die Technik gekrochen war. Ott raste zum nächsten Fachhandel und holte ein paar aktuelle CDs. „The Show must go on. Die Kunst ist, solche Dinge zu überspielen und sich nichts anmerken zu lassen.“ Ganz der Profi ist er auch bei Moderationen, unter anderem für Autoausstellungen oder Modeschauen. Alles nicht seine Paradedisziplinen. Einmal musste Ott sogar ein Fußballspiel kommentieren. „Und das, obwohl ich nicht einmal die Regeln kenne.“ Gemerkt hat das wohl niemand.

Wie lange Peter Ott noch auf der Bühne steht, kann er nicht sagen. Er hält es mit Ulli Günther,dem Gründer der Beatband The Lords. „Er ist singend von der Bühne gestürzt“, so Ott, „und dann war er tot.“

Von Marco Paetzel

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