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Oberhavel Nach 33 Jahren die Mutter gefunden
Lokales Oberhavel Nach 33 Jahren die Mutter gefunden
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00:48 12.03.2018
Nancy Probst heiratete ihren Mann Daniel 2017. Vor allem wegen der Kinder suchte sie nach ihrer Mutter. Quelle: Foto: privat
Hennigsdorf

Ihre Hände zittern, als Nancy Probst den Hörer abnimmt. Am anderen Ende der Leitung wartet ihre Mutter Eva-Maria. Die Frau, die sie 33 Jahre lang nicht gesehen hat. Das Gespräch dauert nur zwei Minuten, dann wird Eva-Maria die Aufregung zu viel. Die 56-Jährige lebt nach einem Schlaganfall in der Granseer Wohnstätte „Haus Kokon“ für Abhängigkeitskranke. Sie kann nicht mehr laufen und ist schwer zu verstehen. Über das Facebook-Forum „Ofenstadt Velten verbindet“ hat Nancy Probst nach Eva-Maria gefahndet und von einer Bekannten den entscheidenden Hinweis bekommen, eine Telefonnummer von der Mama inklusive. „Wir wollen den Kontakt auf jeden Fall halten“, sagt Nancy Probst. Richtig glücklich klingt die 38-Jährige nicht. Zu tief sind die Narben der Kindheit.

Schläge schon in jüngster Kindheit

Nancy Probst wird am 1. Oktober 1979 im Hennigsdorfer Krankenhaus geboren. Als sie ein Jahr alt ist, entdecken Erzieherinnen in der Kinderkrippe blaue Flecken an dem Mädchen. „Meine Mutter und mein Vater hatten ein Alkoholproblem, sie haben mich auch geschlagen.“ Eine Odyssee durch die Kinderheime beginnt. Dreimal kommt Nancy Probst ins Heim nach Neuruppin. Als sie fünf Jahre alt ist, lassen sich die Eltern scheiden, Probst zieht zu ihrem Vater, einem Stahlwerker. Wieder hat das Mädchen blaue Flecke, wieder muss sie ins Heim.

Als sie zehn Jahre alt ist, stirbt der Vater. Das Mädchen dreht durch, büchst immer wieder aus. Nancy Probst kommt schließlich in eine Wohngruppe nach Schleswig-Holstein – besser wird es aber nicht. „Es gab nur schwarze Tapeten, die Leute haben im Kreis gesessen. Das war eine Sekte!“ Die Wohngruppe wird aufgelöst, Nancy Probst zieht zu den Eltern einer Schulfreundin.

Mit Mann Daniel beginnt ein glückliches Leben

Vor neun Jahren lernt sie ihren Mann Daniel kennen und beginnt in Badbergen, einer 4500-Seelen-Gemeinde nahe Osnabrück, ein neues Leben. Heute hat sie ihr Glück gefunden. Die junge Frau ist verheiratet, die Kinder Jenny-Mia (3), Tilo (2) und Milan (1) sind ihr Ein und Alles. Vor allem für die Kinder hat sie sich auf die Suche gemacht. Nicht ohne Zweifel. „Warum muss ich suchen? Warum hat sie nie den Versuch gemacht?“ Einen einzigen Brief hat sie in den 33 Jahren von ihrer Mutter bekommen. Es war eine Gratulation zum 18. Geburtstag. Am Tag, als Nancy Probst 19 wurde. „Ich will aber, dass meine Kinder eine Oma haben. Und vielleicht hat sie sich ja geändert.“

Zunächst schreibt Nancy Probst die Macher der Fernsehserie „Vermisst“ an, bekommt aber keine Antwort. Die Veltener Facebookgruppe hilft ihr dann. Und was hat man sich zu sagen nach 33 Jahren? „Meine Mutter wollte wissen, wie es mir geht, ob ich verheiratet bin. Und vor allem, ob sie Oma geworden ist“, sagt Nancy Probst. Die Frauen wollen nun regelmäßig telefonieren. Nancy Probst würde ihre Mutter demnächst auch gerne mal besuchen. Selbst wenn sie 450 Kilometer fahren müsste. Sie ist bereit zum Neuanfang. „Ich würde ihr das alles vergeben, denn ich bin selbst Mutter“, sagt Nancy Probst. Ob sie ihre Mutter aber jemals wieder lieben kann, das weiß sie noch nicht.

Von Marco Paetzel

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