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Ballon-Bruchlandung: Pilot beinahe stranguliert

30 Meter über den Boden geschleift Ballon-Bruchlandung: Pilot beinahe stranguliert

Ballonpilot Carsten Krüger (44) aus Borgsdorf hatte am 3. Juli bei Sommerfeld eine Bruchlandung. Neun Menschen sind dabei verletzt worden, auch Krüger. Am Montag hat er nach 10 Tagen das Krankenhaus verlassen. Der MAZ schildert er exklusiv die dramatischen Minuten des Unfalls.

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Carsten Krüger kurz vor seiner Entlassung aus der Unfallklinik in Berlin-Marzahn am Montag. Im Hintergrund: seine drei Kinder.

Quelle: privat

Schönfließ/Sommerfeld. „Alles war perfekt, eine wunderschöne Fahrt übers Schloss Oranienburg – aber dann hat das Restrisiko zugeschlagen“, sagt Carsten Krüger. Der 44-jährige Borgsdorfer hatte am Morgen des 3. Juli auf einer Wiese bei Sommerfeld eine Bruchlandung mit seinem Heißluftballon. Alle neun Menschen an Bord wurden verletzt, auch Krüger. Zehn Tage später durfte er das Krankenhaus verlassen, laut Polizei als letzter der Gruppe. Seine Brüche im Becken und Wirbelsäulenbereich werden ohne Operation verheilen, haben die Berliner Ärzte ihm prophezeit. Der MAZ schilderte er exklusiv die dramatischen Minuten des Unfalls.

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Alle neun Insassen aus dem Korb eines Heißluftballons wurden am Freitagmorgen verletzt, nachdem es im Kremmener Stadtteil Sommerfeld aus noch ungeklärter Ursache zu einer Bruchlandung kam. Beim Rettungseinsatz auf der abseits gelegenen Kuhweide kam unter anderem ein Hubschrauber zum Einsatz.

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Ballon ändert plötzlich sein Sinkverhalten

Es war ein perfekter Morgen zum Ballonfahren: Um 5.05 Uhr hebt Carsten Krüger mit acht Fahrgästen in Schönfließ ab, ein Bilderbuchstart. Das Ziel: Die Wiesen bei Sommerfeld. Nach insgesamt 1187 Fahrten und mehr als 1250 Stunden in der Luft kennt der Pilot das Gebiet wie seine Westentasche. Eine knappe Stunde später ist der Ort in Sicht, die Fahrt regulär zu Ende. Auf dem alten Flugplatz für Agrarflugzeuge setzt der Pilot erstmals zur Landung an. Doch der Ballon ändert seine Richtung. Der 44-Jährige startet durch und überfährt Sommerfeld in 50 bis 60 Metern Höhe. Die Fahrt bleibt bewusst flach: „Schließlich wollte ich gleich auf den Wiesen hinter dem Sportplatz wieder landen“, sagt Krüger. Waagerecht fährt er den Landeort an. „Ab da verlor der Ballon plötzlich sein normales Sinkverhalten“, sagt der 44-Jährige. „Das war, als würde unten jemand am Korb ziehen und oben auf die Hülle mit dem Hammer draufhauen.“ Der Ballon verliert rasant an Höhe, der Pilot schaltet alle drei Brenner ein, um gegenzusteuern. Weil er damit zu viel Auftrieb für eine Landung erzeugte, greift er die weiße Landeleine, um oben heiße Luft aus der Hülle ausströmen zu lassen. Als der Korb hart aufsetzt, wird der Pilot herausgeschleudert. Er umklammert das Seil auch noch, als der Korb seinen Kopf und Rücken trifft. 30 bis 40 Meter weit schleift Carsten Krüger über die Wiese. Vor einem Koppelzaun mit zwei Drähten muss er das Seil loslassen. „Sonst wäre ich stranguliert worden.“

Weil der Ballon plötzlich sein Sinkverhalten ändert, stürzt er zu Boden und kommt mehrmals hart auf

Weil der Ballon plötzlich sein Sinkverhalten ändert, stürzt er zu Boden und kommt mehrmals hart auf. 9 Menschen werden verletzt.

Quelle: André Braune

Lob vom Piloten: Gäste landen den Ballon

Durch den Gewichtsverlust beginnt der Ballon wieder langsam zu steigen. Krüger schreit vom Boden aus, dass die Fahrgäste am weißen Seil ziehen sollen. Zwischendurch gibt er das Kommando „heizen!“. Den acht Fahrgästen gelingt es nach weiteren rund 400 Metern, den Ballon so zu landen. „Das haben sie sehr gut gemacht“, sagt der Pilot, der trotz seiner Brüche hinterhergerannt war. „Wäre der Koppelzaun nicht gewesen, wäre der Ballon wahrscheinlich unten geblieben.“

Dass es überhaupt zu dem Unfall kam, schreibt er dem „Restrisiko“ zu – und einer Thermikblase. Als der Ballon beim Sinken in diese warmen Luftmassen geriet, sei schlagartig ein Teil des Auftriebs verloren gegangen. Denn warme Luft dehnt sich aus und hat somit eine geringere Dichte als kühlere Luft. Allerdings hätte es die Thermik um 6 Uhr noch gar nicht geben dürfen. Laut Wetterbericht war diese erst ab 11 Uhr und einer Temperatur von 27 Grad Celsius vorausgesagt, erinnert sich Carsten Krüger. Jedoch sei auch die in der Nacht sonst übliche kalte Luftschicht über dem Erdboden (Inversionsschicht) nach der tropischen Sommernacht „relativ schwach ausgeprägt“ und schon fast verschwunden gewesen. Für Krüger „eine ganz besondere und seltene Wettersituation“. Er nehme für sich mit, dass es trotz eines guten Ballonfahrwetterberichtes zu Ausnahmesituationen kommen kann.

Eine Frage wie ein böses Omen

Kurz vor dem Unfall sei er noch gefragt worden, ober schon mal einen schlimmen Unfall hatte. Krüger verneint und klopft mangels Holz dreimal gegen seinen Kopf. „Und dann passiert das“, sagt er, der in seinen 16 Jahren als Ballonfahrer „schon viel erlebt und mitgemacht“ hat. Er war auch schon bei schnellerem Wind unterwegs und sicher gelandet.

Schon vom Krankenhaus aus hatte Krüger seinen acht Fahrgästen eine Genesungskarte und einen Blumengutschein geschickt. Jetzt will er alle noch persönlich anrufen. Auch die Polizei wird sich bei ihnen melden, um sie als Zeugen zu vernehmen, kündigte Polizeisprecher Toralf Reinhardt am Montag an. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung werde ihr Gutachten voraussichtlich Anfang August vorlegen. Solange sei der Ballon sichergestellt und bis dahin werde er sich „zur Sache nicht äußern“, so Reinhardt.

Von Helge Treichel

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