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Oberhavel Wie lebt es sich ohne Internet?
Lokales Oberhavel Wie lebt es sich ohne Internet?
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00:25 22.03.2019
Bei Bauarbeiten an der A10-Anschlussstelle in Mühlenbeck wurden die betreffenden Glasfaserkabel irreparabel beschädigt. Quelle: Enrico Kugler
Mühlenbecker Land

Der Bürobetrieb im Ingenieurbüro Franke in Glienicke war am Montagmorgen gerade angelaufen, da erwischte auch Geschäftsführer Sven Kandziora und seine Mitarbeiter die „Katastrophe“: Bei Bauarbeiten nahe der A 10-Anschlussstelle Mühlenbeck waren Glasfaserkabel des Netzanbieters DNS:NET zerstört wurden. Kunden des Providers aus den Gemeinden Mühlenbecker Land und Glienicke hingen plötzlich in der Luft, wurden von Internet- und Telefonnetz getrennt.

Leitungspläne lagen vor - Grund für die Havarie wird nun untersucht

Auslöser waren elf Meter lange Sicherungswände für Baugruben, sogenannte Spundwände, die beim Einbringen in den Boden die in fünf Meter Tiefe verlegten Kabel offenbar durchtrennt hatten. Warum die an der Baustelle verlaufenden Kabel durch die Baufirma nicht berücksichtigt wurden, war auch am Dienstag noch unklar. Laut DNS:NET lagen Leitungspläne vor, aus denen der Verlauf der Glasfaserkabel hervorgeht. Steffen Schütz, Sprecher der Havellandautobahn GmbH, bestätigte dies: „Diese wurden bei der Planung auch berücksichtigt. Warum die Leitung trotzdem beschädigt worden ist, wird gerade untersucht.“

Früher schlafen gehen, andere Freizeitgestaltung

So wie das Ingenieurbüro Franke mussten sich zahlreiche weitere Unternehmen, Einrichtungen und Privatpersonen Alternativlösungen während des Netzausfalls einfallen lassen. So wie Jasmin Muskalski, die ihren Job als Controllerin drei Tage in der Woche aus dem Homeoffice ausübt. Die ersten Termine des Tages fielen für die Glienickerin aus. „Das ist natürlich peinlich, dem Arbeitgeber gegenüber Termine abzusagen, weil man kein Internet hat. Ich war kurz davor, ins Büro zu fahren. Das bedeutet eine Stunde Fahrzeit“, berichtet sie. Schließlich richtete sie sich über ihren Mobilfunk-Anbieter einen Hotspot ein, „das hat erstaunlicherweise gut funktioniert“. Erst beim Griff zur TV-Fernbedienung am Abend machte sich der Netzausfall für sie wieder bemerkbar. „Wir schauen gern Netflix, das funktionierte natürlich nicht. Für einen kurzen Moment fanden wir das blöd, am Ende hat es uns aber gar nicht gestört, da das eh meist nur im Hintergrund läuft.“ Früher als sonst sei sie ins Bett gegangen, weil sie nicht wie sonst vor dem Bildschirm hängen geblieben sei. „Die Woche ohne Fernsehen zu verbringen, stört mich nicht. Im Gegenteil: Ich kann und „muss“ meine Zeit sinnvoller gestalten“, findet die 28-Jährige. Sie hofft, dass der Netzausfall zum Wochenende behoben ist, um „zum Ausklingen der Arbeitswoche einen gemütlichen Netflix-Chill-Abend machen zu können".

Ingenieurbüro für Kunden und Partner nicht erreichbar

Wesentlich schwieriger gestaltet sich eine Lösung für das Ingenieurbüro Franke: „Wir sind gegenwärtig für unsere Kunden und Partner schlichtweg nicht erreichbar. Weder per E-Mails, noch telefonisch.“ Schließlich laufe die gesamte IT-Infrastruktur des Unternehmens über DNS:NET. Verschärft wird die Situation dadurch, „dass unsere Mobiltelefone in den Büros keinen Empfang haben. Für jedes Telefonat müssen wir vor die Tür gehen“. Für das deutschlandweit und auch international tätige Ingenieurbüro, das im Fassaden- und Projektmanagement tätig ist, eine „absolute Katastrophe. Man merkt dadurch, wie abhängig man von der Technik ist. Es fühlt sich für uns gerade an, wie in der Steinzeit", berichtet Sven Kandziora. Provisorisch habe er einen neuen Mobilfunkvertrag abgeschlossen, über den man nun einen Internetanschluss für die notwendigsten Erledigungen herstelle. Zugleich bedauert er, dass es für Fälle wie diesen keinen Notfallplan gebe, über den benachbarte Netzdienstleister zur Überbrückung Kapazitäten zur Verfügung stellen.

Reparaturen Dienstagnachmittag angelaufen – 19 Uhr überraschend Vollzug vermeldet

Bereits am Montag war absehbar, dass sich die Reparaturarbeiten über mehrere Tage erstrecken werden. Die zerstörten Kabel lassen sich aufgrund der verbauten Spundwand nicht mehr reparieren, es müssen neue Leitungen an einer anderen Stelle verlegt werden, teilte DNS:NET noch am Montagabend mit. Da dafür eine Querung der Bundesautobahn notwendig sei, was den ganzen Vorgang erschwere, seien Abstimmungen für eine Notfall-Tiefbaumaßnahme mit Ämtern, Planungsingenieuren und Tiefbauern notwendig. Dienstagnachmittag war es schließlich soweit: „Die neue Tiefbautrasse wurde mit allen Beteiligten abgestimmt, die Bauarbeiten beginnen in den kommenden Stunden und dauern bis Mittwoch an“, meldete Claudia Burkhardt, DNS:NET-Pressesprecherin am Nachmittag. Man sei zuversichtlich, die Internetanbindung schneller als zunächst prognostiziert wieder herstellen zu können. Ursprünglich stand ein Netzausfall bis Donnerstag oder gar Freitag im Raum. Dienstagabend schließlich wurde überraschend um 19 Uhr bereits Vollzug vermeldet: „Schildow und Glienicke sind wieder am Netz!“, hieß es. Alle Beteiligten hätten Hand in Hand gearbeitet und daher die Baumaßnahme in Rekordzeit umsetzen können, für die in normalen Situationen mehrere Monate Vorlauf nötig sei.

DNS:NET auf Erschließung ländlicher Regionen spezialisiert

1998 gegründet hat sich der mittelständische Netzanbieter DNS:NET insbesondere auf die Erschließung ländlicher Regionen und den sogenannten weißen Flecken mit einer Breitbandversorgung spezialisiert. Neben dem Internet- bietet er auch Telefonnetze über den eigenen VDSL-Ausbau an. In Brandenburg hat der Dienstleister seit seiner Gründung rund 300 Einzelprojekte umgesetzt und versorgt mehr als 250 000 Brandenburger mit schnellen Internet.

Von Nadine Bieneck

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