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Naturdenkmale, die (noch) keine sind

Mühlenbecker Land Naturdenkmale, die (noch) keine sind

Die Mitglieder der Bürgerinitiative Baumschutz Kommunal haben Antragsliste mit zehn Bäumen zusammengestellt, um sie als Naturdenkmale ausweisen zu lassen. Weitere sollen folgen.

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Horst Meyer, Barbara Nöbel und Alwin Schuster (v. l.) wollen auch diese Stieleiche in der Schildower Fritz-Reuter-Straße schützen.

Quelle: Helge Treichel

Schildow. Schildow ist ein wahrer Hotspot von Naturdenkmalen. Von den im Umweltbericht des Landkreises Oberhavel aufgelisteten 350 Naturdenkmalen befinden sich 98 im Mühlenbecker Land (28 Prozent) und sogar 83 allein im Ortsteil Schildow (24 Prozent). Dabei handelt es sich bis auf eine Ausnahme um besonders stattliche Bäume. Zum Vergleich: Birkenwerder hat 20, Hennigsdorf 14 und Oranienburg neun Naturdenkmale.

Zwei markante Blutbuchen in der Viktoriastraße 33

Zwei markante Blutbuchen in der Viktoriastraße 33.

Quelle: Helge Treichel

Bei genauerem Hinsehen relativiert sich die Zahl allerdings ganz erheblich. Als die Mitglieder der Initiative „Baumschutz Kommunal“ vor einem Jahr eine Bestandsaufnahme machten, fehlten bereits 20 der Baumriesen. Sie nahmen Kontakt mit der unteren Naturschutzbehörde (uNB) des Landkreises auf, um auf diese Diskrepanz hinzuweisen. Aus der Antwort aus dem Fachbereich Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mussten sie dann aber zur Kenntnis nehmen, dass die Naturdenkmale gar keine solchen sind und offenbar nie welche waren. Denn die früher eigenständige Gemeinde Schildow hatte in ihrer Baumschutzsatzung aus dem Jahr 1992 lediglich 83 „unbedingt schützenswerte Bäume“ ausgewiesen, keine Naturdenkmale. Das fiel jetzt auf, nachdem die Baumschützer nachgefragt hatten.

Die Stieleiche in der Fritz-Reuter-Straße

Die Stieleiche in der Fritz-Reuter-Straße.

Quelle: Helge Treichel

Die Folge: „Die Verwaltung kann eine Satzung, die keine Naturdenkmale ausweist, nicht als Naturdenkmalsatzung vollziehen“, schreibt Fachdienstleiter Holger Mücke. Zudem sei bei den benannten Bäumen „die für eine Naturdenkmalausweisung vorausgesetzte hohe Schutzwürdigkeit“ als Einzelschöpfung der Natur wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit nicht gegeben, so Mücke. Schon die Anlage der Satzung kennzeichne die Bäume als „schützenswert, nicht aber außergewöhnlich schutzwürdige Bäume im Sinne von Naturdenkmalen“.

Die Anregung, die einzeln benannten Bäume eben nachträglich zu Naturdenkmalen erklären zu lassen, damit diese noch in 100 oder 200 Jahren Bestand haben, greift die Behörde nicht auf. Mücke verweist erneut auf die besondere Schutzwürdigkeit. Allein in der Erwartung, dass sich diese einstellt, greife die Naturdenkmalverordnung noch nicht. Aber: Durch die Baumschutzsatzung der Gemeinde genießen besagte Bäume den Status geschützter Landschaftsbestandteile gemäß Bundesnaturschutzgesetz (§ 29). Der Fachdienstleiter schreibt: „Dieser Status ist kein geringerer als der des Naturdenkmals und es gelten im Falle ordnungswidrigen Verhaltens bei beiden dieselben Bußgeldvorschriften.“

Die Blutbuche in der Katharinenstraße

Die Blutbuche in der Katharinenstraße.

Quelle: Helge Treichel

Dennoch hatten sich die Baumschützer das Ziel gesetzt, wenigstens die verbliebenen 63 besonders schützenswerten Bäume als Naturdenkmal ausweisen zu lassen. Dafür bekamen sie erneut eine Abfuhr. Das Ausweisen von Schutzobjekten sei kein Verwaltungsakt und könne deshalb nicht beantragt werden. Jedoch werde das Schreiben als Anregung zur Kenntnis genommen. Allein der Kreistag könne eine Verordnung der uNB des Landkreises beschließen, um Naturdenkmale rechtsverbindlich festzusetzen.

Alwin Schuster zeigt die offizielle Karte des Landkreises mit den Naturdenkmalen, die jetzt doch plötzlich keine sind

Alwin Schuster zeigt die offizielle Karte des Landkreises mit den Naturdenkmalen, die jetzt doch plötzlich keine sind.

Quelle: Helge Treichel

Jetzt wollen Vorsitzender Alwin Schuster und seine Mitstreiter erneut Anlauf nehmen – mit einer sorgfältig aufgestellten Auswahlliste von wenigstens zehn Schildower Bäumen. Zusammen mit Barbara Nöbel und Horst Meyer möchte er zudem eine Bestandsaufnahme machen für die Ortsteile Schönfließ, Mühlenbeck und Zühlsdorf. Bei dem bislang einen Naturdenkmal in Zühlsdorf handelt es sich übrigens um einen gewaltigen Findling.

Um die Liste der Naturdenkmale wieder zu erweitern, müssen sich die Baumschützer zunächst aber offenbar Verbündete im Kreistag suchen.

Die Initiative Baumschutz Kommunal

Zehn Bäume haben die Baumschützer von „Baumschutz Kommunal“ auserkoren, um sie in Schildow als Naturdenkmal ausweisen zu lassen. Acht davon befinden sich auf Privatgrundstücken.

Blutbuche (Katharinenstraße 41), Blutbuche (Lindeneck 517), zwei Blutbuchen (Viktoriastraße 33), Blutbuche (In den Klötzen 14), Stieleiche (Fritz-Reuter-Straße 20), Eiche (Paul-Richter-Straße 1), Eiche (Florastraße 62), Blutbuche (Florastraße 52), Linde (Ecke Florastraße/Charlottenstraße).

Die Bürgerinitiative Baumschutz Kommunal ist eine lokal agierende Initiative in den Ortsteilen Schildow, Mühlenbeck, Schönfließ und Zühlsdorf der Gemeinde Mühlenbecker Land.

Angefangen haben die derzeit 30 Mitglieder mit einer Petition, laut der die Gemeinde den Schutz der gemeindlichen Bäume in die eigenen Verantwortung übernimmt – losgelöst von der unteren Naturschutzbehörde. Das war im September 2006. Weitere folgten.

Von Helge Treichel

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