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Oberhavel Vom Bahnhof zum Backshop
Lokales Oberhavel Vom Bahnhof zum Backshop
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13:23 25.06.2014
Bis 1967 fuhren zwischen Oranienburg und Nauen Züge, die auch in Germendorf Station machten. Heute fahren dort nur noch Draisinen bis Kremmen. Im idyllischen Bahnhof lebt eine Familie. Quelle: Enrico Kugler
Oberhavel

Wenn Norman Schubert aus dem Wohzimmerfenster schaut, blickt er auf 14 Eisenbahngleise. Läuft er aus der ersten Etage die Treppe hinunter, kommt er am Gepäckschalter und der großen Kofferwaage vorbei. Norman Schubert wohnt im Bahnhof Ketzin. Und er genießt die Ruhe. Ja, es ist ruhig in Ketzin, von Bahnhofstrubel ist nichts zu hören. Fahrkarten werden hier schon lange nicht mehr verkauft. Der letzte Personenzug schnaufte 1966 über die Gleise. Dann wurden die Menschen mit Omnibussen ans Ziel gebracht. Auf den Gleisen verkehrten noch bis 2001 Güterzüge. Der Bahnhof wurde zum Wohnhaus. 2007 hat Norman Schubert das alte Gebäude gekauft und lebt seither darin.

Eine Lebensaufgabe? „Das ist wohl jedes Haus, das man kauft“, sagt der 35-jährige Soldat. „Wenn man irgendwo fertig ist, fängt man an anderer Stelle wieder an.“ Gerade ist der 1892 erbaute Bahnhof wieder eingerüstet. Fassade und Dach müssen erneuert werden. Im Innern soll Platz für weitere Nutzungen entstehen. Schubert plant Büros und eine Ferienwohnung. Er spricht von „multifunktioneller Nutzung“. Das Gebäude am Ortseingang sei stark frequentiert, es gebe Interessenten, sagt er. Mehr als 500 Quadratmeter Nutzfläche bietet das Haus auf vier Etagen.

Neben der Ausnutzung der Räume ist dem Bahnhofsbesitzer auch das äußere Erscheinungsbild wichtig. „Früher waren Bahnhöfe immer das Aushängeschild einer Gemeinde. Dort kamen die Gäste an. Der Bahnhof war das erste, was sie von dem Ort gesehen haben“, sagt Schubert.

Dampflok-Sonderfahrt in Ketzin. Quelle: Balzer

Dunkelgrauer Putz und viele Umbauten machten aus dem Aushängeschild einen Ort zum Davonlaufen. Schubert will das Haus wieder zu dem machen, was es einmal war. Er lässt alte Sprossenfenster einbauen und eine Eingangstür, die dem Portal von 1929 nachempfunden ist. Den Bahnhofscharakter will er in jedem Fall erhalten. Auch im Innern bleiben Spuren sichtbar. Die Schreibtische künftiger Büros können direkt neben der alten Gepäckannahme stehen.

Eisenbahnromantik ist in Ketzin auch ohne Zugverkehr inklusive. Es gibt noch das alte Bahnbetriebswerk, einen Lokschuppen und die Gleiswaage. Die Arbeitsgemeinschaft Osthavelländische Kreisbahnen, die gerne auch mal alte Dampfloks startet, baut die ehemalige Bahnlackiererei zum Vereinsheim um. Norman Schubert ist inzwischen Mitglied bei den Eisenbahnenthusiasten. Das Aushängeschild, das er Ketzin wieder zurückgeben möchte, könnte die Dampflokromantik wieder befördern.

Verkauft, geplant und noch zu haben

Der Bahnhof Friesack steht auf der Verkaufsliste der Bahn. Nicht mehr benötigt werden aber auch die Stationsgebäude in Fürstenberg, Nassenheide, Zehdenick, Rathenow und Döberitz. Dort besteht laut Bahn vor einem Verkauf aber noch Klärungsbedarf. So werden in Nassenheide durch den Streckenausbau Bahnhofsflächen für den Betrieb benötigt.
Seit 1991 wurden viele Bahnhöfe in Oberhavel und im Havelland saniert. Weitere Umbauten sind in den kommenden Jahren geplant in Fürstenberg, Bergsdorf, Zehdenick-Neuhof, Velten und Sachsenhausen. In Falkensee und Finkenkrug werden die Bahnsteigbeläge erneuert. Der Bahnhof Elstal bekommt zwei neue Aufzüge.
Bereits verkauft wurden die Bahnhöfe Velten, Gransee und Dannenwalde. Hier kümmert sich seit 1997 der Verein „Umweltbahnhof“ um den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes sowie um eine nachhaltige Umwelt- und Verkehrspolitik.
Auch der S-Bahnhof Hohen Neuendorf wurde verkauft. Die Stadt plant als neue Eigentümerin sogar einen Ausbau: Auf 1000 Quadratmetern Nutzfläche ist ein Kulturbahnhof geplant – mit Platz für Vereine, Seniorentreff, Proberäume, Stadtinformation und Bibliothek. Der Bahnhof ist als Haltestelle der beiden S-Bahnlinien S1 und S8 stark frequentiert.

In Gransee wird nach Leuten wie Schubert händeringend gesucht. Seit die Stadt im vergangenen Jahr das leerstehende Bahnhofsgebäude der Deutschen Bahn abkaufte, sind Ideen für das Eingangstor zur Stadt gefragt. Denn im Gegensatz zu Ketzin fahren und halten in Gransee noch Züge, der Regionalexpress zwischen Ostsee und Berlin wird stark genutzt. Während die Stadt den Vorplatz herausgeputzt hat, sind die Fenster am Bahnhof verbrettert. Nur ein kleiner, unbeheizter Warteraum und Toiletten stehen den Reisenden zur Verfügung. Die Stadt sucht einen Betreiber mit einer zukunftsweisenden Nutzung, damit das Gebäude wieder zum „Schmuckstück“ wird.

Grau in Gransee: Für das Bahnhofsgebäude werden noch Ideen und etwas mehr Farbe gesucht. Quelle: Danilo Hafner

Ganz ähnlich war die Situation in Velten. Zwar ist die Station noch in Betrieb, auf die Nutzung des Empfangsgebäudes hat die Bahn aber schon seit Jahren verzichtet. Auch hier wurde der Vorplatz von der Stadt neu gestaltet. Danach wurde in Velten ein Nutzer mit frischen Ideen gefunden. Künftig verkauft der Schwantener Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz Brötchen im Bahnhof. Nach langen Verhandlungen hat er der Bahn das Gebäude abgekauft und dann mit Potsdamer Studenten Ideen entwickelt. Auch andere Dienstleister sollen einziehen und die Station wieder beleben.

In Kremmen hat Hans-Peter Meyendorf ähnlichen Mut bewiesen und in den alten Bahnhof investiert. Er eröffnete einen Kiosk, eine Fahrradvermietung und zuletzt eine kleine Pension mit vier Zimmern. Demnächst soll noch ein Geschenkeshop hinzukommen. Irgendwann wird auch die Backsteinfassade mit dem alten Bahnhofsschild saniert.

Doch oft sind die alten Stationsgebäude eine Herkulesaufgabe, die die Bahn nicht mehr stemmen will. Sie braucht die Wartesäle und Fahrkartenschalter nicht mehr. In Paulinenaue musste die Gemeinde den Bahnhof gleich mit übernehmen, um die beiden Vorplätze zu bekommen. Das Umfeld wurde schön gemacht. Doch das denkmalgeschützte Gebäude an der Hamburger Bahn ist der Gemeinde eine Nummer zu groß. Sie sucht – bislang vergeblich – nach einem Investor mit Ideen.

Drei Fragen an..

Jens Wieseke ist Sprecher des Berliner Fahrgastverbands Igeb. Quelle: Peter Haag

MAZ: Herr Wieseke, sind die alten Bahnhofsgebäude heutzutage verzichtbar?

Jens Wieseke: Bahnhöfe gehören zur Gemeinde wie Kirchen – und die werden trotz sinkender Besucherzahlen auch nicht geschlossen. Es muss für jeden Bahnhof eine gute Lösung geben. Das beste Beispiel ist für mich der Bahnhof in Chorin (Barnim). Es gibt dort einen Laden, eine Touristinformation und Bahnhofsfunktionen. Der Bahnhof lebt und ist Teil der Gemeinde.
Geht nicht mit Bahnhofsschließungen auch ein Serviceabbau einher?

Wieseke: Nicht zwingend. Wichtig ist, dass es Fahrkartenautomaten, Aufenthaltsmöglichkeiten und Fahrgastinformationen gibt. Funktionen der Gebäude wie Gepäckabfertigung werden heute ja nicht mehr gebraucht.
Welche Nutzungen wären denn noch denkbar?

Wieseke: Alles, was den Bahnhof am Leben erhält und die Nutzbarkeit für die Fahrgäste an der Station nicht einschränkt. Meinetwegen auch Wohnungen. An der Strecke Berlin-Hamburg wurden die Bahnhöfe im spätklassizistischen Stil errichtet. Viele davon – wie in Friesack – verfallen heute. Wir haben da auch eine kulturelle Verantwortung und dürfen dieses Kulturerbe nicht verfallen lassen.

Ähnlich sieht es in Friesack aus. Der im Stil des Neoklassizismus errichtete Bahnhof ähnelt der Ruine einer italienischen Villa. Fahrgäste brauchen ihn nicht, um auf die Bahnsteige zu gelangen. Der ICE rauscht mehrmals stündlich in hohem Tempo vorbei. Die Bahn findet seit geraumer Zeit keinen Käufer. Bislang fehlte es an Ideen, Mut und wohl auch am nötigen Geld.

Von Klaus D. Grote

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