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Eimer oder Blindgänger?

Oranienburg: Neue Technik zur Bombensuche vorgestellt Eimer oder Blindgänger?

Die Bombensuche ist für Land und Kommunen eine teure Angelegenheit. Die Stadt Oranienburg plant dafür rund 73 Millionen Euro für die nächsten Jahre ein. Die Innovation „Ultra TEM“ macht es ab sofort möglich, bei einem Verdachtspunkt das Kriegsrelikt klar zu identifizieren. Eine Öffnung ist somit nicht mehr nötig. Diese schlägt im Durchschnitt mit 300.000 Euro zu Buche. Messungen pro Verdachtspunkt kosten nur 15.000 Euro.

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Bombe wird am Donnerstag entschärft

Am Rechner laufen die Messdaten zusammen und geben dem metallischen Fund in der Tiefe eine Form. Dahinter der fiktive Fundort.

Quelle: Foto: Enrico Kugler

Oranienburg. „Ultra Tem“ heißt das neue technische Verfahren, das die Kosten bei der Bombensuche erheblich reduzieren wird und gestern in Oranienburg für Furore sorgte. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) stellte sie am Morgen zusammen mit André Müller vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes (KMBD) auf einer aktuellen Räumstelle dem „Innovationsforum“ in der Lehnitzstraße 73 vor.

15.000 statt 300.000 Euro

Hier will die Stadt ein Areal als Wirtschafts- und Wohnstandort entwickeln. Von den fünf Verdachtspunkten, die bei der Altlastensuche sondiert worden waren, konnten bereits zwei mit der neuen Technik „zu den Akten“ gelegt werden, ohne dass der Vermutungspunkt geöffnet werden musste. Kostet das Öffnen eines Verdachtspunktes im Durchschnitt 300.000 Euro inklusive Grundwasserabsenkung und dem Setzen von Spundwänden, so schlägt eine der neuen Messungen mit rund 15.000 Euro zu Buche. „Mittels der neuen Technik können wir nun genau identifizieren, ob dort unten ein Rohr, eine Badewanne oder eine Bombe liegt. Und das mit hundertprozentiger Sicherheit!", so André Müller. „Unsere Aufgabe ist es aber nicht nur, Blindgänger zu finden und zu bergen, sondern auch die Technik voranzubringen“, so der Sprengmeister. In den vergangenen sechs Jahren seien dabei 22 Verfahren getestet und geprüft worden. Eine Innovation kommt dabei bereits seit fünf Jahren zum Einsatz: Die „Wasserschneidtechnik“, bei der mit einem Druck von 700 Bar Wasser und Sand so durch eine Düse gepresst werden, dass damit bis zu 15 Zentimenter dicker Stahl durchtrennt werden kann. Damit könne der Zünder einer Bombe ebenso abgeschnitten werden wie ein zusätzlich arretiertes Bombenheck. „95 Prozent der Blindgänger können wir damit entschärfen. Sprengungen werden die Ausnahme“, so Müller.

In Oranienburg erprobt

Nun kommt „Ultra Tem“ dazu, das in Oranienburg erprobt worden und seit April durch den KMBD zugelassen ist. Technik, die australische und kanadische Firmen bereits einsetzen und die für Oranienburg weiterentwickelt und auf hiesige Verhältnisse zugeschnitten worden ist, so Peter Kockel, Chef der Entwicklerfirma Heinrich Hirdes. An drei Punkten um den Fundort in die Erde geleiteter Strom erzeuge dabei Magnetfelder um den metallischen Gegenstand. Insgesamt 45 Messungen pro Anomalie würden per Rechner ausgewertet, der die Form errechnet und anzeigt. „Wir haben Bomben aller Formate in Holland gekauft, um einen Typenkatalog entwickeln zu können.“

Serienprüfung fand in Oranienburg statt

Mit „Ultra Tem“ abgeklärt, ohne dass freigelegt werden musste: Picanstraße 1, Sachsenhausener Straße und zwei von fünf Verdachtspunkten auf dem „Innovationsforum“. Zehn Messungen fanden auch auf dem Oranienburger Bahngelände statt.

Das Verfahren ist seit April vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, KMBD, zugelassen, auch in Hamburg.

Für die Munitionssuche hat Oranienburg für die kommenden Jahre 73 Millionen Euro zurückgestellt. Jährlich gibt sie zwei Millionen Euro dafür aus.

Aktuelle Verdachtspunkte : Havelufer 3, Lerchenweg 1, Hildburghausener Straße 48 und 34.

„Wir sind im Wettlauf mit der Zeit.“ Gerade bei den Bomben mit chemischen Langzeitzündern wachse die Gefahr zu explodieren. Andere Bomben rosteten einfach durch. Eine Herausforderung für die gesamte Bundesrepublik. Auch wenn die Technik ermögliche, Gelder effektiver einzusetzen, „wäre es schön, wenn sich der Bund auch bei der Suche nach alliierter Munition beteiligt“, so Schröter.

„Die Technik ist ein großer Sprung nach vorn“, würdigte Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, der viel Zerstörung bei der Suche und auch Leid bei den Betroffenen überflüssig macht.

Von Heike Bergt

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