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Neues Gedenkzeichen erinnert an jüdische Häftlinge

Ravensbrück Neues Gedenkzeichen erinnert an jüdische Häftlinge

Berliner Künstlerin Marie-Luise Birkholz entwarf ein sieben Meter langes Pult aus Naturstein. Es soll mit Mitteln des Landes und des Bundes im Jahr 2018 umgesetzt werden.

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Die Gedenkstätte Ravensbrück.

Quelle: dpa

Ravensbrück. Ein Gedenkzeichen der Berliner Künstlerin Marie-Luise Birkholz soll künftig an die rund 20 000 jüdischen Häftlinge des KZ Ravensbrück erinnern. Das hat jetzt eine neunköpfige Jury unter Vorsitz der Berliner Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin Gabi Dolff-Bonekämper entschieden, die den Entwurf von Marie-Luise Birkholz bei einer Gegenstimme zur Realisierung empfahl. Das teilt Horst Seferenz, Pressesprecher Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten, in einer Pressemitteilung mit. Zu dem von der Gedenkstättenstiftung ausgelobten künstlerischen Gestaltungswettbewerb waren sechs Künstlerinnen und ein Künstler eingeladen worden. Nachdem der erst nach 1989 eingerichtete jüdische Gedenkraum im ehemaligen Zellenbau nach dessen Sanierung auf Wunsch des Zentralrats der Juden in Deutschland aufgehoben wird, soll mit einem neuen Gedenkzeichen an die jüdischen Opfer des KZ Ravensbrück erinnert werden.

Preisgekrönter Entwurf schafft eigenen Raum

In Form eines aus Naturstein gefertigten sieben Meter langen Pultes schafft der preisgekrönte Entwurf einen eigenen Raum für ein würdiges Erinnern und Gedenken an die jüdischen Häftlinge im KZ Ravensbrück. „Die Jury hat an dem Entwurf von Marie-Luise Birkholz überzeugt, dass die Skulptur als Steh-, Lese-, Rede- oder Gesangspult auf das Judentum als Religion des ‚Buches’ referiert und zugleich eine funktionale Rolle erfüllt. Einzelpersonen oder Gruppen können hier in aufrechter Haltung mit Liedern und Worten gedenken und Steine, Notenblätter, Nachrichten und weitere Gedenkobjekte ablegen“, sagte die Juryvorsitzende Gabi Dolff-Bonekämper. „Damit verleihen sie der zu NS-Zeiten ungehörten jüdischen Opfergruppe eine Stimme, die sich gegen die bodenlose Sprachlosigkeit angesichts der Shoah richtet“, so Dolff-Bonekämper.

In seiner Form und horizontalen Ausrichtung verbindet die lang gestreckte Skulptur verschiedene historische Ebenen des Geländes mit dem Schwedtsee und der Stadt Fürstenberg. Im neuen Gedenkareal dicht am ehemaligen Siemensweg positioniert, bezieht sie sich dabei auch auf die jüdischen Zwangsarbeiterinnen, die hier täglich auf ihrem Arbeitsweg entlang kamen und einen freien Blick auf die Stadt und den See erhaschen konnten.

Ein Platz zwischen den anderen Gedenkzeichen

Für die israelische Ravensbrück-Überlebende Batsheva Dagan, Ehrenmitglied der Jury, war es wichtig, dass das Gedenkzeichen für die jüdischen Häftlinge nicht separat, sondern inmitten der übrigen Gedenkzeichen seinen Platz findet. „Wir waren damals zusammen mit den Frauen anderer Haftkategorien in Ravensbrück“, sagte sie. „Ich empfand es als eine große und schwere Aufgabe, als einzige für die Haftgruppe der jüdischen Häftlinge sprechen zu sollen. “

Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Das Gedenkzeichen arbeitet nicht primär mit Symbolen der jüdischen Religion, sondern gibt Raum für Zitate und Texte, die die spezifische Erfahrungen jüdischer Häftlinge im KZ Ravensbrück reflektieren. Wir freuen uns sehr darüber, dass jetzt in der Gedenkstätte ein Ort geschaffen wird, an dem der jüdischen Opfer gedacht werden kann.“ Für die Realisierung, die für 2018 geplant ist, sollen Mittel beim Land Brandenburg und bei der Bundeskulturbeauftragten beantragt werden.

Bislang sind die Namen von rund 15 000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern bekannt, die als Häftlinge im KZ Ravensbrück registriert wurden. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass rund 20 000 der insgesamt 153 000 Häftlinge des KZ Ravensbrück und seiner Außenlager jüdischer Herkunft waren. 2679 Jüdinnen und Juden sind im KZ Ravensbrück zu Tode gekommen oder wurden 1942 Opfer der Euthanasie-Mordaktion „14f13“.

Von MAZ

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