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Neues Leben im alten Speicher

Stadtsanierung Neues Leben im alten Speicher

Er zählt zu den Wahrzeichen von Oranienburg: der alte Getreidespeicher am Louise-Henriette-Steg. Seit Mitte der 1970er-Jahre rieselt allerdings kein Korn mehr in die großen Kammern. Seit 40 Jahren ist das denkmalgeschützte Bauwerk dem Verfall preisgegeben. Nun wagt sich ein Investor an die Sanierung des Speichers und den Neubau von Wohnungen.

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Investoren, Architekten, Bürgermeister und Baustadtrat waren beim offiziellen Start für die Speichersanierung dabei.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. Seit Tagen bleiben die Spaziergänger an der Lehnitzstraße vor der Brachfläche am alten Getreidespeicher stehen. Ein Bauschild verkündet, dass auf dem Areal zwischen Louise-Henrietten-Steg, der Lehnitzstraße und dem Havelarm gebaut wird. Und am Mittwochnachmittag war noch viel mehr zu sehen: der erste Radlader rollte über das Gelände, begleitet von einem Tross aus Investoren, Architekten und Bürgermeister.

40 Jahre lang dümpelte der denkmalgeschützte Speicher vor sich hin. Investoren ließen immer die Hände davon, weil das Umfeld wenig attraktiv war, die Lehnitzstraße vollkommen trist aussah und der Denkmalschutz sicherlich viele Bedingungen für einen Umbau stellen würde. Doch nun hat sich die eigens dafür gegründete Louise-Henriette-Steg GmbH dem Bauwerk aus dem Jahre 1917 angenommen. 26 Eigentumswohnungen sollen darin entstehen. Kapitalanleger werden sich mit Sicherheit dafür interessieren. Wer darin wohnen möchte, muss schon eine gehobene Miete hinlegen. Rundherum werden 300 Wohnungen in verschiedenen Neubauten entstehen. Zwischen 50 und 150 Quadratmetern werden sie groß sein. Das Interesse ist jetzt schon riesengroß. „Jeden Tag bekommen wir fünf bis zehn Anrufe“, erzählte Mathias Kühne, einer der Gesellschafter der GmbH. „Die Leute wollen schon ganz konkrete Wohnungen reservieren.“ Und die Interessenten kommen nicht nur aus Oranienburg. Auch Berliner wissen schon seit langem die Vorteile des Städtchens im Speckgürtel zu schätzen. Bei der Investitionssumme hält sich Kühne noch sehr bedeckt. Nach seinen Erfahrungen bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude dürfte die Summe für das gesamte Areal um die 50 Millionen Euro liegen.

An der Lehnitzstraße steht seit einigen Tagen das Baustellenschild

An der Lehnitzstraße steht seit einigen Tagen das Baustellenschild.

Quelle: Andrea Kathert

Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke konnte sich noch gut an den letzten DDR-Plattenbau vor dem Speicher erinnern. In den letzten Jahren hat die Lehnitzstraße eine Metamorphose erlebt.“ Sicherlich bräuchte man in Oranienburg viele bezahlbare Wohnungen. Doch es gäbe auch ei Publikum, das schickere Wohnungen suche. „Auch die fragen ständig bei uns nach“, sagte der Bürgermeister. „In einer Stadt muss Platz sein, für unterschiedliche Angebote.“ Deshalb sei es ein guter Schritt gewesen, das Areal in das städtebauliche Sanierungsgebiet mit aufzunehmen.

Bevor die eigentliche Sanierung des 54 Meter hohen Speichers beginnen kann, werden die alten Nebengebäude und die Betonplatten auf dem Hof entfernt. Dafür gibt es Mittel aus der Städtebauförderung. Architekt Horst Müller meint, dass etwa 7000 Quadratmeter Fläche versiegelt und 6000 Kubikmeter umbauter Raum zu entsorgen sind. Das wird eine große Aufgabe für die Firma RWG I Baustoffrecycling aus Berlin, die den Zuschlag für die Arbeiten erhielt. Zum Auftakt erschien Martin Luther mit seinem frisch gestrichenen Radlader in knalligem Rot. Lange wird die Maschine nicht so sauber bleiben, in der nächsten Woche geht es richtig los mit dem Abbruch. Ende August soll von den alten Nebengebäuden und dem Beton auf dem Hof nichts mehr zu sehen sein.

Architekt Horst Müller hat den Umbau des Speichers geplant

Architekt Horst Müller hat den Umbau des Speichers geplant.

Quelle: Andrea Kathert

Die Planungen für den Speicher hat Architekt Horst Müller übernommen. Ein Dreivierteljahr hat er sich den Kopf zerbrochen, wie aus den 15 alten Kornkammern moderne Wohnungen entstehen können. Am Mittwoch konnte er die druckfrischen Pläne ausrollen, die offenbar auch die Denkmalschutzbehörde überzeugten. Auf den acht Etagen des Speichers werden jeweils vier Wohnungen entstehen. Zwei große liegen auf der Havelseite. Die Mieter der zwei kleineren Wohnungen schauen auf die Innenstadt und in Richtung Schloss. Um die Räume so hell wie möglich zu gestalten, werden die Fenster bis auf den Fußboden reichen. Und jede Wohnung bekommt einen Balkon. Horst Müller hat sich schon einmal mit der Sanierung eines Speichers in Norddeutschland befasst. Doch der war lange nicht knapp 100 Jahre alt. Und das Projekt kam bisher auch nicht zum Tragen. In Oranienburg wird er bald die Früchte seiner Arbeit sehen. Vielleicht kann 2017, wenn der Speicher Hundert wird, schon ein bisschen gefeiert werden.

Von Andrea Kathert

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