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Oberhavel Neues Leben in Tornower Gutskirche
Lokales Oberhavel Neues Leben in Tornower Gutskirche
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02:16 25.06.2015
Zur Einweihung der Kulturstätte spielte am Sonnabend der evangelische Bläserkreis in Tornow. Quelle: Foto: Lüderitz
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Tornow

Seit elf Jahren ist Christian Albroscheit Pfarrer in Tornow – hat dort aber nie gepredigt, weil die baufällige Kirche schon seit den 1970er-Jahren nicht mehr als solche genutzt wurde und zuletzt auch baupolizeilich gesperrt war. Bis das Gotteshaus 2013 an einen Berliner verkauft wurde, der in den Erhalt investierte. Zwei Jahre später kam Christian Albroscheit nun doch noch zu seiner Premiere. Bei einer kircheninternen Veranstaltung hielt er vor wenigen Tagen die erste Predigt in seiner Heimatkirche. „Das war sehr bewegend für mich“, sagte er.

Die Kirche gehöre zwar nicht mehr der Kirche, sei aber auch nicht entweiht worden. „Es ist immer noch ein Sakralraum, in dem wir Gottesdienste und anderes feiern können“, so Albroscheit. Auch Trauungen sind nunmehr möglich: die erste soll am 4. Juli stattfinden.

Seit Sonnabend ist der Feldsteinbau mit dem Schinkelturm zudem ganz offiziell eine Kulturstätte. Das Eröffnungskonzert gestaltete der Bläserkreis des kirchlichen Posaunendienstes unter Leitung der Landesposauenwartin Barbara Barsch aus Zehdenick. Die Kirche war voll wie schon lange nicht mehr. Möglich macht das eine Vereinbarung zwischen dem neuen Eigentümer, der Kirchengemeinde und Initiator John Barr. Der amerikanische Orgeldoktor hat das stille Kleinod als „Konzerthaus“ auserwählt und das dortige Kircheninstrument einmal „durchgepustet“. Es sei etwas eingestaubt gewesen, sagte Barr. Aber jetzt klingt es wieder.

Zu den wenigen, die die Kirchenbänke schon früher so gefüllt gesehen haben wie am Sonnabend, gehört Arngret Zitzmann aus Gera. Ihr Vater Heinz Ruder war von 1965 bis 1971 Pfarrer in Tornow, damals noch der „Mecklenburger Zipfel“. Das Kirchengelände, erinnert sich die Seniorin bei ihrem Besuch, sei komplett zugewachsen gewesen, die Kirche im Inneren aber gepflegt. Ihr Vater habe nie von der Kanzel gepredigt. „Er sagte, da wäre er zu weit weg von den Leuten“, so die 59-Jährige. Sie habe als Kind den Blasebalg getreten, ihre Mutter die Orgel gespielt. „In der Kirche jetzt wieder Musik zu hören, ist das Schönste“, sagte sie.

Der Eigentümer der Kirche hat der Nutzung zu besonderen Anlässen zugestimmt, möchte aber seine Privatsphäre schützen und namentlich nicht in Erscheinung treten. „Die Kirche ist, von solchen Terminen abgesehen, geschlossen. Es ist unser Ferienhaus“, erklärte er auf MAZ-Nachfrage. Mancher Besucher könne das nicht glauben, weshalb es an der Pforte immer mal wieder zu Diskussionen komme. „Ich möchte das Grundstück nicht einzäunen. Aber einen Schaukasten werden wir jetzt installieren.“ Dass er mit der Kirche ein ungewöhnliches Haus erworben hat, sei ihm bewusst, so der Berliner. Viele Jahre habe er daraufhin gearbeitet und sei sehr glücklich mit seiner Wahl.

Von Cindy Lüderitz

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