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Neues Zuhause für Glückskinder

Internationale Wohngruppe Neues Zuhause für Glückskinder

Ob die 16-jährige Kesanet aus Eritrea, die allein auf die gefährliche Fahrt nach Europa geschickt wurde. Oder das deutsche Mädchen Florentine (12), die mit der Mutter nicht mehr klarkam – sie alle haben in einer Wohngruppe in Oranienburg ein neues Zuhause gefunden. Deshalb wurde die Wohngruppe auf „Glückskinder“ getauft.

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Die 16-jährige Kesanet und Wohngruppen-Teamleiterin Susanne Eisenberger.

Quelle: Fotos: Bergsdorf

Oranienburg. Sie sind Glückskinder. Weil ihre Wohngruppe so heißt und weil ihnen ihr neues Zuhause vielleicht hilft, ihr Glück zu finden. Ob die 16-jährige Kesanet aus Eritrea, die allein auf die weite und gefährliche Fahrt nach Europa geschickt wurde. Oder das deutsche Mädchen Florentine (12), die mit der Mutter nicht mehr klarkam. Sie sind gemeinsam mit vier anderen Mädchen und Jungen in die Wohngruppe der Berlin-Brandenburg gGmbH gezogen. Diese gemeinnützige Gesellschaft gehört zum Internationalen Bund (IB), einem der großen deutschen Dienstleister der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit.

In Oberhavel war dieser noch nicht vertreten und hat zu Beginn des Jahres in Oranienburg seine erste Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche eröffnet. In dem früher als Jugendklub genutzten Flachbau an der Augustin-Sandtner-Straße 19 in Oranienburg. Baulich musste der Internationale Bund nichts mehr verändern. Die Liegenschaft war zuvor als Alten-WG genutzt worden und stand dann anderthalb Jahre leer. „Für uns passten die Räume super, als hätten sie auf unsere Nutzung gewartet“, meint Jana Rickhoff, Betriebsleiterin des Freien Trägers IB für Berlin und Brandenburg. Die beiden Leiterinnen vor Ort, Susanne Eisenberger und Nicole Köppen stimmen ihr zu. Sie erklären, wie das Leben in der WG abläuft.

Auch Florentine (l) hat sich eingerichtet, seit Mitte März lebt das Mädchen schon in der WG

Auch Florentine (l.) hat sich eingerichtet, seit Mitte März lebt das Mädchen schon in der WG.

Quelle: Marion Bergsdorf

„Genauso wie in der Familie. Je nachdem, wann und wohin die Jugendlichen zur Schule müssen, stehen sie auf und frühstücken. Ein Mädchen fährt nach Zehdenick, ein Junge zum Oberstufenzentrum nach Hennigsdorf.“ Eine Erzieherin oder Pädagogin ist immer anwesend, insgesamt sieben Mitarbeiter sichern den Schichtdienst ab. Noch wird Mittag gekocht, doch wenn die Kinder lieber in der Schule essen wollen, können sie das tun. Die Älteren erledigen ihre Hausaufgaben meist unaufgefordert. Doch oft müssen die Betreuer helfen, insbesondere wenn Lernprobleme zu bewältigen sind. Am Jungen- und am Mädchenbad fallen Aufkleber an den Türen auf. Unter den Bildchen steht Zähne putzen oder schlafen gehen. „Damit die Flüchtlingskinder leichter deutsch lernen“, erklärt Eisenberger. Florentine hat sich in ihrem Zimmer zwischen Bett und Fenster eine Kuschelecke eingerichtet. Auf einem großen Kissen sind ihre Plüschtiere versammelt. Sie schwärmt fürs Reiten und hat sich auf dem Fußboden einen Spielzeug-Reiterhof aufgebaut. In der WG lebt sie seit Mitte März. Es gefalle ihr gut hier, nur manchmal gebe es Stress mit dem Jungen, der im Nachbarzimmer wohnt. An der WG-Tür klingelt ein Klassenkamerad und will mit Florentine etwas unternehmen. Diese sagt Frau Eisenberger Bescheid, wann sie zurück ist. Um 18 Uhr soll es eigentlich Abendbrot geben. Noch werde diskutiert, ob das die passende Zeit sei. Auch über das Essen werde viel gesprochen. Denn die Kinder aus Eritrea lieben ihr Fladenbrot und halten sich an Fastenzeiten, in denen sie kein Fleisch essen und keine Milch trinken. Damit das Leben in der Gemeinschaft funktioniert, sind Dienste eingeteilt, Tisch decken oder Zimmer und Bäder reinigen. Die Kinder erhalten damit einen strukturierten Tagesablauf.

Nehmen die Jugendlichen das Hilfsangebot der Wohngruppe an und auch die Eltern, zu denen enger Kontakt gehalten wird, wechseln die Kinder oft irgendwann in die Familie zurück, werden dort ambulant weiter betreut. „Das ist ja unser Ziel, wir wollen die Familien unterstützen. Ein Kind aus der Familie herauszunehmen, ist stets der allerletzte Schritt“, erklärt Jana Rickhoff. Prinzipiell können die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr in der WG bleiben, werden häufig als junge Volljährige weiter nachbetreut.

Der IB, ein 1949 gegründeter Träger, unterhält Wohngruppen, Kitas, Übergangsheime für Geflüchtete und Bildungseinrichtungen, hat Schulsozialarbeiter angestellt und sucht auch in Oberhavel Sozialpädagogen und Erzieher. Außerdem Praktikanten und Bewerber für ein freiwilliges soziales Jahr.

Von Marion Bergsdorf

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