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Nicht nur Kaffee kochen und kopieren

Praktika in Oberhavel Nicht nur Kaffee kochen und kopieren

Die neunte Jahrgangsstufe des Louise-Henriette-Gymnasiums absolvierte zweiwöchige Schülerpraktika. Zu ihnen gehört Anne Abraham, die in der MAZ-Lokalredaktion tätig war. Sie besuchte einige Mitschüler in Betrieben und berichtet über ihre eigenen Erfahrungen.

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Helena Kunert übt mit Sabine Poschmann das Servieren.

Quelle: Helge Treichel

Oranienburg. Stirnrunzeln, „Äääähm“ und „Weiß nicht“. Das sind meist die Antworten, wenn Neuntklässler gefragt werden, was sie „später“ mal machen möchten. Des Thema wird gern auf die lange Schulbank geschoben. Viel zu riesig sind deren Möglichkeiten und zu klein die bisherigen Erfahrungen und die Kenntnisse über eigene Stärken und Schwächen.

Da helfen Schülerpraktika, die alle neunten Klassen in Oranienburg und Umgebung absolvieren müssen. Im Fall des Louise-Henriette-Gymnasiums (LHG) dauert es zwei Wochen und wurde vom aktuellen Jahrgang überwiegend gut aufgenommen.

„Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt Helena Kunert (14), die im „Strandhotel“ in Germendorf mitgeholfen hat. Sie weiß zwar noch nicht genau, was sie nach dem Abitur machen will. Aber sie hat einiges gelernt. Zum Beispiel, dass jede noch so kleine Arbeit wichtig ist und meist mehr dahintersteckt, als man auf den ersten Blick sieht, sagt sie.

Kolleginnen auf Zeit (vl)

Kolleginnen auf Zeit (v.l.): Petra Oehler, Helena, Doreen Reiter und Sabine Poschmann.

Quelle: Helge Treichel

Zu ihren täglichen Aufgaben in den sieben Stunden Arbeitszeit zählte es hauptsächlich, beim Frühstücksbuffet zu helfen und „in der Etage“ also in den Gästezimmern, die Bäder zu reinigen und für Sauberkeit zu sorgen. Aber auch Essen servieren durfte Helena üben – mit wassergefüllten Suppentellern. Sicher könne sie jetzt zwei tragen, mit dem dritten müsse sie noch üben. „Einmal ist es auch schiefgegangen. Zum Glück war ja keine Suppe drin“, sagt die Schülerin und lacht. Es gab allerdings auch unangenehme Erlebnisse, zum Beispiel mit unfreundlichen Hotelgästen oder solchen, die im Zimmer rauchten. Das gehöre dazu, habe sie gelernt. Dafür seien Helenas Kolleginnen freundlich und die Aufgaben interessant gewesen – eben nicht nur „Kaffee kochen und kopieren“.

Es kommt auf Freundlichkeit und Pünktlichkeit an

Helenas Betreuerin und Rezeptionistin Sabine Poschmann denkt, dass ihre Praktikantin die Aufgaben gut bewältigt. Sie wolle vor allem vermitteln, dass es im Berufsleben oftmals auf Freundlichkeit, Pünktlichkeit und das gesamte Auftreten ankomme.

Verlässlichkeit ist auch in Kindergärten wichtig. Diese Einrichtungen gehören zu den beliebtesten Orten für Praktika in den meisten Jahrgängen des LHG. Denn „Kinder sind so süß“! Allerdings kommen viele Schüler und Schülerinnen mit einer anderen Sichtweise aus dem Praktikum zurück, plötzlich sind Kinder gar nicht mehr nur niedlich, sondern können auch richtige Biester sein.

Magnus Kroner und Jakob Metzler arbeiteten in der Kita „Zwergenhaus“ in Oranienburg

Magnus Kroner und Jakob Metzler arbeiteten in der Kita „Zwergenhaus“ in Oranienburg.

Quelle: Anne Abraham

Ganz anders denken Magnus Kroner (15) und Jakob Metzler (15). Beide absolvierten ihr Praktikum in der Kita Zwergenhaus in Oranienburg, wo sie zwei Wochen lang den Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren beim Anziehen von Jacken, Schuhen und Schlafanzügen helfen durften. Außerdem bastelten sie Frühlingsschmuck, lernten mit den Vorschulkindern und hielten „Schlafwache“. Beim Mittagsschlaf gäbe es immer jemanden, der so gar nicht müde sei. „Es kann schon anstrengend sein, wenn ein Kind da die ganze Zeit herumzappelt. Dann nimmst du es auf den Schoß und wartest bis es still ist, legst es wieder hin und fünf Sekunden später fängt es wieder an zu strampeln“, erzählt Magnus.

In der Kita wirklich mithelfen

Für ihn und Jakob mindert das aber nicht den Spaß an der Arbeit, sie hatten auch nichts anderes erwartet. „Ich kenne das ja schon von meiner Mutter, sie ist Erzieherin“, so Magnus. Es sei aber trotzdem etwas anderes, wenn man feste Arbeitszeiten habe und wirklich mithelfen müsse. Genau aus diesem Grund haben sie sich die beiden in der Kita beworben: Man kann mithelfen. Magnus Berufswunsch geht eigentlich in Richtung Informatiker, aber für Schülerpraktikanten gibt es in diesem Bereich selten Aufgaben, die sie übernehmen können. „Ich würde da sieben Stunden am Tag Ordner nach dem Alphabet sortieren“, sagt er. Zudem interessiere er sich auch für Pädagogik, sodass ihm der Umgang mit Kindern helfe, sich auszuprobieren. Jakob habe noch nicht so genaue Ziele, aber auch er könne sich vorstellen in den Bereich Pädagogik zu gehen.

Ein Risiko, aber auch Spaß

Kitaleiterin Kerstin Köhler ist zufrieden mit ihren Praktikanten. Es sei zwar immer wieder ein Risiko und zusätzliche Arbeit, aber Spaß mache es trotzdem.

Sehr ähnlich sind die Meinungen der Schüler selbst: Zunächst war man aufgeregt, zögerlich, aber im Nachhinein waren es sehr sinnvolle, interessante Wochen in Oberhavels Betrieben.

Ein Schülerpraktikum bei der MAZ

Das gilt übrigens auch für mich: Ich durfte mein Schülerpraktikum bei der MAZ in Oranienburg absolvieren und zwei Wochen lang mit Reporter Helge Treichel recherchieren, fotografieren und Reporterklischees demontieren. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass Journalisten nicht konstant einen sich nie leerenden Kaffeebecher bei sich tragen oder sensationshaschend wie Karla Kolumna mit dem Moped durch die Stadt sausen. Wenn schon, dann mit dem Fahrrad. Und zwar im James-Bond-Stil hinter dem Helikopter her. So kam ich mir jedenfalls vor, als wir am Montagmorgen durch die Fenster der Lokalredaktion den Rettungshubschrauber bemerkten und prompt losrannten, um ein paar gute Fotos davon schießen zu können, bevor er wieder los flog. Das war der erste Artikel, den ich von Anfang an entstehen sehen durfte.

Beim Interview in „Strandhotel“ in Germendorf

Beim Interview in „Strandhotel“ in Germendorf.

Quelle: Helge Treichel

Danach folgten zwei spannende Wochen, in denen ich viele Bereiche des Betriebs kennenlernte. Der Höhepunkt war eine Besichtigung der MAZ-Zentrale in Potsdam, wo ich mir die Druckerei ansehen durfte und Teile der Betriebsratssitzung mitbekam. Allerdings gehören auch Aufgaben wie Meldungen schreiben zum täglichen Journalistenleben, also die kurzen Nachrichten in den Randspalten der Zeitung über Veranstaltungen, Unfälle und so weiter. Da kommt dann das Klischee „Journalisten haben immer einen überfüllten Schreibtisch“ ins Spiel. Das stimmt meistens, die Schreibtische sind übersät mit Visitenkarten, Notizblöcken, Kugelschreibern, Flyern, Telefonnummern und natürlich Zeitungen, um nur einiges zu nennen. Daraus werden dann die Informationen für diese Meldungen und Artikel gefiltert, was manchmal etwas kompliziert sein kann, wenn die gebrauchte Telefonnummer sich unter einem Stapel anderer Papierstücke versteckt. Aber für solche Fälle gibt es ja Praktikanten. (Spaß.)

Anne in der  Nachrichtenzentrale der MAZ in Potsdam, am  Newsdesk

Anne in der Nachrichtenzentrale der MAZ in Potsdam, am Newsdesk.

Quelle: Helge Treichel

In meinen kurzen zwei Wochen habe ich vor allem gelernt, wie wichtig es ist, den Überblick zu behalten, Verantwortung zu übernehmen und vor allem neugierig zu bleiben. Auch ich denke, dass Praktika sehr nützliche und wertvolle Erfahrungen sind.

Von Anne Abraham

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