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Oberhavel Nicht um jeden Preis ein Stadtbad
Lokales Oberhavel Nicht um jeden Preis ein Stadtbad
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00:36 25.03.2018
Thomas Günther ist seit Anfang Februar im Amt. Quelle: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Thomas Günther hat Anfang Februar Andreas Schulz als Bürgermeister abgelöst – nach fast 28 Jahren. Die erste böse Überraschung gab es, als die Kommunalaufsicht den Haushalt mit der erneuten Kreditaufnahme von rund 18 Millionen für den Stadtbad-Bau vorerst nicht genehmigt, bis die Stadt genügend Nachweise für ihre Wirtschaftskraft erbringt. Über diese Herausforderung, die Wohnungsknappheit und seine ersten Wochen spricht der 50-Jährige.

Herr Günther, als Sie bei der Veranstaltung zum Gründerinnenzentrum kürzlich nach vorne gerufen wurden, nannte sie die Gemeinwesenbeauftragte Kerstin Gröbe versehentlich Andreas Schulz. Haben sich die Hennigsdorfer nach fast 28 Jahren Schulz noch nicht an den Neuen gewöhnt?

Thomas Günther: (Lacht) Nein, so etwas passiert sicher nicht regelmäßig. Bisher ist das ein sehr angenehmes, positives und zugewandtes Klima in der Stadt. Die Leute sind neugierig darauf, wie der neue Bürgermeister denn so ist. Und ich bin natürlich auch neugierig auf die Bürger und auf die Stadt. Das passt alles wunderbar zusammen.

Sie kommen ja aus der Landespolitik und sind Neuling in der Verwaltung. Wie war die erste Zeit als Rathauschef?

In den ersten zwei Wochen bin ich kaum zur Ruhe gekommen. Ich bin mit den Fachbereichsleitern durchs Haus gegangen und habe mich bei den Mitarbeitern vorgestellt. Alle 450 Kollegen waren auf zwei Betriebsversammlungen eingeladen. Und dann gab es inhaltliche Gespräche mit den Fachbereichsleitern darüber, an welchen Projekten die Verwaltung gerade arbeitet. Ich habe auch einige Abkürzungen kennergelernt. „BHS“ etwa steht in der Verwaltung für „Bushaltestelle“. Das hatte ich vorher noch nie gehört. Bis zur Sommerpause will ich nun auch in allen Schulen, Kitas, der Bibliothek und dem Stadtklubhaus vorbeischauen.

Beim Stadtbad-Bau hat die Kommunalaufsicht ja interveniert. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir haben das Schreiben der Kommunalaufsicht bekommen und werden prüfen, was es heißt, die Hinweise, Anregungen und Forderungen abzuarbeiten. Muss man eventuell nochmal Geld investieren? Wie personalintensiv ist das? Und wie lange dauert das? Diese Fragen wollen wir beantworten. Es ist mir wichtig, dass wir das im Laufe des April klären können. Aber man muss auch eines deutlich sagen: Selbst wenn uns es gelingt, alles zu beantworten, könnte es sein, dass die Kommunalaufsicht die erneute Kreditaufnahme nicht gewährt.

Sie haben ja als Stadtverordneter für die Kreditaufnahme gestimmt. Sehen Sie jetzt als Bürgermeister die Stadt genug gerüstet, den Kredit stemmen zu können?

Im Wahlkampf habe ich mich klar für das Stadtbad ausgesprochen, vorrangig für Kinder und Vereine. Aber ich kenne auch niemanden, der sagt, dass wir das Bad um jeden Preis wollen. Deshalb nehme ich sowohl die Hinweise der Kommunalaufsicht als auch die mahnenden Stimmen wahr, die ich höre, wenn ich durch Hennigsdorf laufe. Einige Hennigsdorfer haben mir die simple Frage gestellt „Können wir uns das leisten?“. Und die ehrliche Antwort ist: „Im Moment ja, aber wir wissen nicht, wie die finanzielle Situation in der Zukunft aussieht.“ Mir ist in dieser Frage auf jeden Fall wichtig, dass es einen politischen Konsens gibt.

Unklar ist, ob auf die Kosten des Bades nicht noch eine Umsatzsteuer geschlagen wird.

Das Finanzamt gibt einem nie eine hundertprozentige Sicherheit. Man kann nur Gutachten machen und die Wahrscheinlichkeit prüfen lassen. Aber das bisherige Bad ist vorsteuerabzugsfähig. Daher erscheint es mir wahrscheinlich, dass das so bleibt. Wenn das nicht so ist, sind wir in der Tat bei fast 50 Millionen Euro Baukosten. Das wäre ein Abbruchpunkt für das Projekt.

Ein großes Thema ist die Wohnungsknappheit in der Stadt. Was wollen Sie da mittelfristig tun?

So lange Berlin so sexy ist und boomt, wird es immer schwer sein, bei uns eine Wohnung zu finden. Wir können mit Projekten wie dem Schweitzerviertel oder den Fontanehöfen der WGH nur zur Entspannung beitragen. Ich sage auch, dass wir ein gute Mischung in allen Preisklassen brauchen, von der Wohnung mit Wohnberechtigungsschein bis zur Eigentumswohnung alles brauchen, weil alle eine Wohnung finden sollen. Allerdings sind die Auflagen für geförderten Wohnungsbau sehr hoch, deshalb ist der zeitliche Vorlauf unheimlich lang und man kann nicht mal eben schnell Wohnungen auf einer freien Fläche bauen.

Die Bombardier-Mitarbeiter bangen seit Monaten um ihren Job, auch das Stahlwerk könnte die US-Strafzölle zu spüren bekommen. Wie sehen Sie die Situation der großen Betriebe in der Stadt?

Sie sind weiter Pfeiler des Industriestandortes, bieten notwendige Arbeitsplätze und sind für die Menschen auch emotional wichtig. Ich bin aber froh, dass sie nicht mehr die alleinig dominierende Stellung haben, damit wir unabhängiger von solchen Krisen werden. Im Biotech-Bereich gibt es jetzt sogar mehr Arbeitsplätze als im Stahlwerk. Unsere Grundstücke im Gewerbegebiet-Nord sind gefragt, viele Unternehmen wollen sich dort ansiedeln. Dazu kommt, dass über die Hälfte der noch vorhandenen Flächen schon vorreserviert ist.

Die Wildschweine scheinen in der Stadt immer mehr vorzurücken. Wie sehen Sie das?

Mir ist zumindest keines begegnet, seit ich vor mehr als 15 Jahren noch in Hennigsdorf-Nord gewohnt habe. Man kann nur appellieren, keinen Müll oder Essensreste liegen zu lassen, damit die Schweine nichts zu fressen finden. Im Wald gibt es ja Abschusspläne, aber in der Stadt darf nicht geschossen werden. Die Verantwortung kann auch der qualifizierteste Jäger nicht übernehmen. Das wäre völlig unverantwortlich.

Herr Günther, wenn Sie mal Rat brauchen, haben Sie denn die Telefonnummer von Andreas Schulz?

Ja, wir hatten zwei-, dreimal Kontakt. Wir reden über bestimmte Projekte und was er darüber meint. Das ist aber eine lockere Konversation. Als Rat- und Ideengeber schätze ich ihn sehr. Ich bin auch immer wieder angetan, wie entspannt er jetzt ist und seinen Ruhestand genießt.

Von Marco Paetzel

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