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Noch immer Gesprächsbedarf zur Eierfabrik

Schmachtenhagen Noch immer Gesprächsbedarf zur Eierfabrik

Der Eierfabrik-Investor Josef Vortallen versteht nicht, warum er für sein Projekt in Zehelndorf so viel Gegenwind bekommt. Bei dem harten Wettbewerb in der Landwirtschaft hält er sein Konzept für äußerst zukunftsträchtig. Die Sondersitzung des Bauausschusses änderte nichts an den Bedenken der Einwohner und der Skepsis der Bürgerinitiative.

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Josef Vortallen warb für sein Projekt, beschwerte sich über die BI, bleibt aber gesprächsbereit.

Quelle: Enrico Kugler

Schmachtenhagen. Es hatte viele Einwohner von Zehlendorf, Wensickendorf und Schmachtenhagen noch zu später Stunde am Dienstag auf den Bauermarkt getrieben. In einem Sonderbauausschuss sollten nochmals Informationen zur geplanten Leegehennen-Anlage in Zehlendorf gegeben werden.

Viele waren gekommen, um die Pläne des Investors und die Meinung der Abgeordneten zu hören

Viele waren gekommen, um die Pläne des Investors und die Meinung der Abgeordneten zu hören.

Quelle: Enrico Kugler

Die Bühne gehörte zunächst Josef Vortallen, der sich ungern als Investor bezeichnen möchte, sondern ein Landwirt sei. Der Mann aus dem Emsland erläuterte nochmals seine Pläne zu zwei Leegehennen-Ställen à 21 000 Hühnern hinter der Bauernsiedlung in Zehlendorf. Die Zahlen waren für viele nichts Neues, Vortallen trat nicht zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit. Neu waren allerdings seine Untertöne. Für die Zuhörer kam rüber, nur alleine seine Aussagen sind richtig und wahrheitsgetreu, während die BI „Contra Eierfabrik“ Lügen und Unwahrheiten verbreiten würde. Vortallen ließ mehrmals durchblicken, er verstehe die Widerstände nicht, er hätte schon viele Anfragen aus der Umgebung bekommen und könnte genauso gut 50 Kilometer weiter seine Bio-Eier-Fabrik bauen. Bei seinem Konzept hob er immer wieder hervor, dass ihm das Tierwohl am Herzen liege und er versuchen wolle, die Konsumenten zu erreichen, zum Beispiel über einen Schauraum. Darin sieht Vortallen die Zukunft der Landwirtschaft.

Die Sicht des Investors

Nach Angaben von Josef Vortallen sollen zwei Ställe á 21 000 Hühner entstehen. Die Ställe selbst haben rote und grüne Klinker sowie Türen und Fenster wie ein Wohnhaus. Der Bau eines Stalles kostet etwa zwei Millionen Euro.

Jedes Huhn soll 4 m² Auslauffläche auf einer Wiese haben. Das Gras wird jedes Jahr nachgesät. Es wird Herden mit 3000 Tieren geben. Jede Herde hat ihre separate Auslauffläche.

Über die Bio-Stall-Anforderungen hinaus soll der Wintergarten doppelt so groß ausfallen. Dank einer Fütterungsanlage für Bio-Mais könnten die Hühner artgerecht scharren und ihr Futter suchen.

Mit Kühlung und Heizung werde dafür gesorgt, dass es den Tieren immer gut geht. Für tote Tiere gibt es einen Kälteraum, der wöchentlich geleert wird.

Der Kot wird in einem Innenstall getrocknet, um das Volumen zu reduzieren. Bei 3000 Hühnern fallen in 15 Monaten etwa 650 Tonnen Kot an.

Im Stall befindet sich die Packstelle für die Eier, wo die Eier vorher auch eine Nummer bekommen. Die Daten werden online gestellt.

Vortallen schilderte, dass er auf die Betroffenen zugegangen sei, hätte ihre Fragen beantwortet und mit Nachbarn gesprochen. Doch die Medien hätten nur gelogen, und die BI hätte mit Plakaten reagiert. Entgegen der Darstellung der BI „werden wir mit meinem Konzept den Tourismus fördern“, sagte er. Viele Menschen wollten wissen, wo ihr Ei herkommt.

Er würde mit seinem Projekt sogar noch mehr machen, als in einem normalem Bio-Stall. Ein größerer Wintergarten, eine Maisfütterungsanlage, damit die Hühner scharren können.

Bisher kämen 60 Prozent der Eier für Brandenburg aus Niedersachsen und Nordrhein Westfalen. Mit einer Direktvermarktung seiner Bio-Eier auf dem Bauernmarkt in Schmachtenhagen könnten lange Anfahrtswege gespart werden. „Statt 500 Kilometer zu fahren, macht es doch Sinn, die Eier hier zu produzieren.“

Hendrik Roest, der Geschäftsführer des Bauernmarktes, plane für seine Flächen die gleiche Anlage. „Das muss er auch“, sagte Vortallen. Der Kuhbestand sei drastisch heruntergegangen.
Ob eine Umweltverträglichkeitsstudie nötig sei, wisse er noch nicht. „Aber alle Gutachten sind gemacht worden.“ Die Messungen hätte ein Ingenieurbüro vorgenommen. „Wir liegen weit unter den Grenzwerten.“ Vortallen versicherte den Anwohnern: „Sie brauchen keine Angst zu haben, dass wir etwas Negatives machen.

Der Bauausschuss tagte auf der Tenne des Bauernmarktes

Der Bauausschuss tagte auf der Tenne des Bauernmarktes.

Quelle: Enrico Kugler

Als die Mitglieder des Bauausschusses sprachen, kritisierte Ralph Bujok den Investor: „Mir gefällt ihr Ton nicht. Ich verstehe nicht, dass sie die Bürger mit ihren Sorgen so behandeln, als sei alles unwahr.“ Das sei doch nicht gut, wenn er dann später mit diesen Menschen hier lebe müsse. „Ich bitte um Respekt für die BI.“ Vortallen räumte ein, er wäre nach wie vor bereit, sich mit der BI zusammenzusetzen. „An mir liegt es nicht.“

Dieser Mann schlug dem Investor alternative Lösungen vor

Dieser Mann schlug dem Investor alternative Lösungen vor.

Quelle: Enrico Kugler


Von Seiten der Bürger tauchte die Frage auf, wieso Vortallen im Außenbereich auf 27 Hektar bauen dürfe. „Sind Sie ein privilegierter Betrieb?“ 50 Prozent der Futterfläche müsse man vorweisen, antwortete Vortallen. „Ich habe ausreichend Flächen hier gepachtet, die werden in Kooperation bewirtschaftet.“ Auch Hendrik Roest wurde befragt, ob er von seiner Anlage Abstand nehmen werde? „Wir haben uns noch nicht entschieden“, war die Antwort von Roest.

Die BI wird unterstützt von Siegfried Mattner (r), dem ehemaligen Gründer und Chef des Bauernmarktes

Die BI wird unterstützt von Siegfried Mattner (r.), dem ehemaligen Gründer und Chef des Bauernmarktes

Quelle: Enrico Kugler

Am Ende der Sitzung kam schließlich die BI „Contra Eierfabrik“ zu Wort. „Unser Hauptbedenken ist, dass die Gemeinde kein Mitspracherecht hat“, sagte Heike Bartel. Die Sorge um den Naturschutz und die Gesundheit der Anwohner konnte Vortallen bei der BI nicht zerstreuen. In einer Präsentation, vorgetragen von Heike Bartel, Martin Meier, Horst Jäckel und Daniel Langhoff, machte die BI ihre Befürchtungen und Zweifel noch mal deutlich. Eine eingespielte Panorama-Sendung des NDR zeigte einen ähnlich gelagerten Fall.

Aus Sicht der BI

Die BI „Contra Eierfabrik“ hat beide geplanten Standorte in Zehlendorf und Wensickendorf mit je zwei Ställen für je 21 000Hühnern im Blick, also insgesamt 84 000 Tiere. Bei mehr als 60 000 Tieren müsste eine Umweltverträglichkeitsstudie erfolgen.

Die BI gibt unter anderem zu bedenken: Die Standorte liegen im EU-Vogelschutzgebiet und im Naturpark Barnim. Zugvögel übertragen Krankheiten. Für Ställe und Wege werden massiv Flächen versiegelt. Die BI befürchtet ganzjährig kahle Ausläufe, wodurch der Boden der Erosion ausgeliefert ist und zu höherer Feinstaubbelastung führt.

Über einen Stichgraben auf dem Anlagengelände in Zehlendorf könnten noch mehr Nitrate in die Bäke und weiter in den Grabow- und Lehnitzsee fließen und das Grundwasser belasten.

Die BI verweist auf viele bereits bestehende Altlasten aus DDR-Zeiten durch Tierzuchtanlagen. Es gebe keine Rückstellungen des Investors für den Fall einer Insolvenz.

Die BI erhofft sich von der Stadt ein Signal in Richtung Landesumweltamt, aus dem die Ablehnung Oranienburgs für die Pläne deutlich wird.

Siegfried Mattner, ehemaliger Chef des Bauernmarktes, stärkte der BI den Rücken. „Ich finde es gut, das sich die BI gegründet hat.“ Mattner denkt, dass die Menschen, die seit Generationen hier leben, zu diesem Thema nicht gehört worden sind. „Ich bin für die Landwirtschaft“, sagte Mattner, „für eine funktionierende Landwirtschaft.“

Von Andrea Kathert

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