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Noch viele Fragen

Asyl in Borgsdorf: Sicherheitsvorkehrungen im Rathaus für Sitzung am Dienstag Noch viele Fragen

240 Flüchtlinge sollen ab Februar in Borgsdorf untergebracht werden, 40 ab diesem Monat in Birkenwerder. Das wirft Fragen auf bei Anwohnern. Hohen Neuendorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Die Linke) wandte sich deshalb am Freitagabend in einem offenen Brief an die Bürgerschaft der Stadt.

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In dem Waldgebiet neben der Margeritenschule in Borgsdorf soll ab Februar 2016 Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Robert Roeske

Borgsdorf . 240 Flüchtlinge sollen ab Februar in Borgsdorf untergebracht werden, 40 ab diesem Monat in Birkenwerder. Das wirft bei zahlreichen Anwohnern Fragen auf. „Wie den Asylbewerbern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im Wohngebiet Margeritenstraße erleichtert werden soll, ist mir ein Rätsel“, schreibt zum Beispiel Alexander Zoch.

Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke) wandte sich deshalb am Freitagabend in einem offenen Brief an die Bürgerschaft. Darin stellt er klar, dass der Landkreis unter anderem für die Unterbringung, den Sprachunterricht und die Leistungsbeantragung für Flüchtlinge und Asylbewerber zuständig ist. Die Stadt stehe aber in der Verantwortung, den Kreis dabei bestmöglich zu unterstützen. Deshalb seien zehn Standortvorschläge gemacht worden, inklusive Margeritenstraße – „weil wir auch glauben, dass der Standort geeignet ist“. In die konkrete Auswahl des Standortes sei die Stadt jedoch „nicht involviert“.

„Falsch“ sei laut Hartung der Eindruck, „dass Borgsdorf alle Flüchtlinge aufnehmen soll“. Der Richtwert für Kommunen betrage etwa drei Prozent der Einwohnerzahl. „Rechnerisch werden in den kommenden Jahren 750 Flüchtlinge im Stadtgebiet Hohen Neuendorf unterzubringen sein“, schreibt Hartung. An welchem Standort, „hat der Kreis noch nicht entschieden“.

„Informationen des Landkreises zur Unterbringung von Asylbewerbern“ stehen in der nächsten Sitzung des Hohen Neuendorfer Hauptausschusses am Dienstag, 14. Juli, auf der Tagesordnung. Dort würden Fragen aufgegriffen, die während der vergangenen Tage im Rathaus aufgelaufen sind, kündigte Hartung an. Bei der Sitzung, die um 18.30 Uhr im Rathaussaal beginnt, richtet sich die Stadt gemeinsam mit der Polizei auf einen hohen Besucherandrang ein. Jedoch fasst der Saal maximal 80 Gäste – und nicht jeder könne zu Wort kommen. Voraussichtlich wird es eine Übertragung der Sitzung nach außen geben.„Es wird keine Anwohnerversammlung mit einer offenen Debatte sein“, betont der Bürgermeister. Zu einer solchen Versammlung werde der Landkreis voraussichtlich für Mitte September einladen. Dann seien auch konkrete Aussagen zur Gestaltung des Standortes oder zu Fragen der Gesundheitsversorgung möglich. Hartung spricht die Einwohner direkt an: „Sie können sicher sein, dass wir alle Ihre Ängste sehr ernst nehmen und gemeinsam mit Ihnen Antworten und Lösungen finden wollen und werden.“ Er könne versichern: „Die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten werden sich des Themas annehmen und die Bevölkerung vor Ort nicht allein lassen. Es wird Geld für Integrationsprojekte bereit stehen. Die Erfahrungen an anderen Orten zeigen, dass das Zusammenleben einwandfrei funktioniert, wenn die Flüchtlinge und Asylanten erst einmal da sind. Die Statistik belegt, dass sich die Kriminalität im Umfeld der Standorte nicht erhöht, die Grundstückspreise nicht sinken und die Kinder erst dann auf die Klassen verteilt werden, wenn sie die Sprache soweit gelernt haben, dass sie dem Unterricht folgen können – und auch dann ist es meist nicht mehr als ein Kind pro Klasse. Integration gelingt dort, wo die Bürgerschaft zumindest offen auf die Ankömmlinge reagiert. Sie können für das Gelingen also ebenso viel beitragen wie der Bürgermeister und seine Mitarbeiter.“

„Für ein weltoffenes Hohen Neuendorf, in dem Flüchtlinge willkommen sind!“ Das fordert ein Aufruf aus Hohen Neuendorf, den engagierte Einwohner am 9. Juli gestartet haben. „Um diese Menschen willkommen zu heißen und sie in ihrem alltäglichen Leben zu unterstützen, haben wir in der Bürgerinitiative Stadtentwicklung ,bis 2025’ die Initiative ,Willkommen in Hohen Neuendorf“ gestartet“, sagt Regine Jedwabski, die nach Jahrzehnten Unterrichtstätigkeit für Deutsch als Fremdsprache jetzt Flüchtlinge in Hennigsdorf unterrichtet. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören die Autorin Martina Rellin, die Grafikerin Elinor Weise sowie Dirk Hartung und Richard Bergmann, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Oberhavel.

Dass die Initiative von Bürgern kommt, die sich sonst um Stadtentwicklung und Naturschutz kümmern, sei kein Zufall. „Gerade Hohen Neuendorf ist ein gutes Beispiel für Menschlichkeit und die Achtung der Menschenwürde“, sagt Karsten Poppe. Als Beispiel nennt er ehemaligen Grenzturm in Bergfelde. Aus einem Monument politischer Gewalt sei in 25 Jahren ein Ort für ein friedliches bürgerschaftliches Engagement, geworden, so Poppe. Die Initiatoren des Naturschutzturmes, Helga Garduhn und Marian Przybilla, gehören ebenfalls zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs.

„Und natürlich hat das Flüchtlingsthema auch mit Stadtentwicklung zu tun“, sagt Karsten Poppe: „Wir gemeinsam müssen mit den Flüchtlingen eine Lebensperspektive in der Stadt erarbeiten und die dafür nötige Infrastruktur schaffen.“ Von der Verwaltung fordern die Aktivisten eine frühzeitig und transparent Veröffentlichung alle Planungen und Überlegungen, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Kreisverwaltung die bestmöglichen Lösungen zu finden.

„Auch wenn es Kritik an der Größe der Einrichtung gibt: Wir wollen die nach Hohen Neuendorf verteilten Flüchtlinge aufnehmen, wie es viele andere Orte schon vor uns getan haben“, schreiben Susanne Mosch und Bernhard Fricke in einer Mitteilung. Sie schreiben: „Weltweit gibt es 60 Millionen Flüchtlinge. Nur wenige schaffen es nach Europa. 14 500 Flüchtlinge kommen in diesem Jahr nach Brandenburg. Einige auch nach Hohen Neuendorf. Niemand hat sein Land freiwillig verlassen und sich auf den langen, beschwerlichen und oft auch tödlichen Weg gemacht. Viele der Ankommenden sind an Leib und Seele verletzt. Sie bitten um ein sicheres und friedliches Leben. Sie wollen ankommen. Dabei wollen wir ihnen helfen, egal ob sie lange bleiben und sich integrieren können, oder ob sie nach kurzer Zeit unser Land wieder verlassen müssen.“

Von Helge Treichel

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