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Nur jeder Dritte gegen Elementarschäden versichert

Oberhavel Nur jeder Dritte gegen Elementarschäden versichert

Alle Hände voll zu tun haben derzeit die Versicherungsagenturen in Oberhavel angesichts der vielen Schadensfälle nach Starkregen und Überschwemmungen. Viele Betroffene könnten aber auf den Kosten sitzen bleiben, weil ihnen ein Versicherungsbaustein fehlt.

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Zahlreiche Häuser wurden durch den Starkregen und die Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen.

Quelle: Julian Stähle

Oberhavel. Bei den Versicherungsagenturen in Oberhavel stehen derzeit die Telefone nicht still. Viele Einwohner, deren Häuser oder Wohnungen von Starkregen und Überschwemmung betroffen wurden, stellen die bange Frage, ob die Versicherung für den Schaden aufkommt. In vielen Fällen wird diese Frage in Oberhavel und besonders in Leegebruch derzeit abschlägig beschieden.

Starkregen und Überschwemmung seien nur versichert, wenn zum Standardschutz durch die Wohngebäudeversicherung eine Elementarschadenversicherung vorhanden ist, erklärt Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dann kommen die Assekuranzen für Reparaturen im und am Haus, Trockenlegung und Sanierung, eventuellen Abriss und Bau eines gleichwertigen Hauses auf.

Neben Starkregen und Überschwemmung hilft auch bei Hochwasser, Schneedruck, Erdrutschen, Erdsenkungen und Erdbeben die Elementarschadenversicherung. Die Standard-Gebäudeversicherung deckt unter anderem Schäden durch Feuer, Sturm, Blitzschlag und Leitungswasser ab.

Auch der betroffene Hausrat werde bei Starkregen-Schäden nur ersetzt, wenn die Hausratpolice einen Elementarversicherungsschutz hat, so Kathrin Jarosch.

Der GDV hat ermittelt, dass in ganz Brandenburg derzeit lediglich 31 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert sind. Tatsächlich sind die allermeisten Haushalte in Oberhavel in der untersten von vier deutschlandweiten Gefahrenklassen für Elementarschäden eingestuft. Das Risiko auch einmal von Naturgewalten betroffen zu sein, wird häufig als gering eingestuft.

Kathrin Jarosch hält diesen Ansatz für falsch. „Gerade die aktuellen Ereignisse machen das Ausmaß des Problems und die Gefahren deutlich“, erklärt sie. Eine Elementarschadenversicherung für Wohngebäude bekomme man für unter 100 Euro jährlich. Es gebe rund 130 Anbieter auf dem Markt, der Wettbewerb sei groß. „Man muss sich überlegen, wieviel man zum ­Beispiel für Vollkasko beim Auto bezahlt und wie ungleich größer der Schaden an einem Haus sein kann. Da wird oft an der falschen Stelle gespart“, betont die Sprecherin.

Sie rät außerdem dazu, sich bei Neubauprojekten das Bauland und die natürlichen Gegebenheiten genau anzuschauen. Leider werde in Deutschland in einigen Bundesländern noch immer in Hochwasser-Risikogebieten gebaut.

In Leegebruch und andernorts in Oberhavel ist die Enttäuschung groß, wenn klar wird, dass der jeweilige Versicherer nach dem Starkregen nicht einspringt. Die Beratung in Sachen Elementarschäden wird von Betroffenen bemängelt.

Wenn der Katastrophenfall ausgerufen worden wäre, hätte das versicherungstechnisch nichts geändert, so die Sprecherin. Auch für den Staat bestehe in diesem Fall keine Pflicht für die Schadensregulierung einzuspringen. Unterdessen haben der Landkreis Oberhavel und das Land Brandenburg einen Hilfsfonds mit 400 000 Euro für Betroffene der Überschwemmungen eingerichtet.

Von Heiko Hohenhaus

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