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Nur noch 33.000 Kraniche im Luch

Von Spitzenzahlen der Vorjahre weit entfernt Nur noch 33.000 Kraniche im Luch

Auf vielen Feldern der Region sind sie derzeit zu sehen. Doch unbestritten die meisten Kraniche gibt es auf ihrem angestammten Schlafplatz im Rhinluch zwischen Linum, Linumhorst und Kremmen. Allerdings ist die Region von den Spitzenzahlen der vergangenen Jahre weit entfernt – aus vielen unterschiedlichen Gründen.

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Kraniche im Morgennebel bei Linumhorst.

Quelle: Foto: archiv

Linumhorst. Ein deutlicher Aufwärtstrend – mit einem jähen Abbruch: Stiegen die Kranichzahlen im Rhinluch zwischen Linum, Linumhorst und Kremmen in den vergangenen Jahren stetig, gibt es dort jetzt deutlich weniger. Bis zu 120 000 Kraniche zählten Naturschützer im Oktober 2014 an nur einem Tag in der Region, 2013 immerhin mehr als 93 000.

In der vergangenen Woche entdeckten sie dort aber nur knapp 77 000 Kraniche am Himmel. „Und es werden auch nicht mehr“, schätzt Norbert Schneeweiß von der Linumer Naturschutzstation Rhinluch. Ganz im Gegenteil: Laut der neuesten Zählung am Dienstagmorgen sind inzwischen sogar nur noch gut 33 000 Kraniche im Luch.

Besorgniserregend findet er die niedrigen Zahlen aber keineswegs. Schneeweiß geht nicht von einem anhaltenden Trend zu weniger gefiederten Schlafgästen im Luch aus. „Dafür gibt es keinerlei Indizien.“ Vielmehr habe es in diesem Jahr einfach viele Faktoren gegeben, die zum Ausbleiben der ganz großen Masse geführt haben.

So sorgten die plötzlich einsetzende Kälte und Ostwinde dafür, dass viele Vögel schnell vorbeizogen, anstatt wie sonst ausgedehnt im Luch zu rasten. Dass die Kraniche diesmal einen Bogen um den Schlafplatz gemacht haben, könnte aber auch am Wetter des gesamten Jahres liegen, mutmaßt Schneeweiß. Der außerordentlich niederschlagsarme Winter und der sehr trockene Sommer haben dazu geführt, dass die Region aus der Vogelperspektive ihren Reiz verloren hat. „Die Kraniche sehen jetzt nur eine extrem ausgetrocknete Landschaft, in der es im Gegensatz zu den anderen Jahren keine Blänken auf den Ackerflächen gibt – und fliegen dann einfach weiter“, sagt der Leiter der Naturschutzstation.

Regeln für Kranich-Beobachter

Der Kremmener Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch hat Richtlinien veröffentlicht, wie sich Touristen verhalten, wenn sie im Luch die Kraniche beobachten wollen.

Interessierte sollten möglichst an einer organisierten Führung teilnehmen. Es sollten die markierten Wege und Aussichtspunkte genutzt und die Wegesperrungen und aktuelle Hinweise beachtet werden. Für Hunde gilt absoluter Leinenzwang. Kraniche haben in der Regel eine Fluchtdistanz von etwa 300 Metern, Touristen sollten sich daher nicht auf freiem Gelände bewegen und stattdessen Büsche und Hecken entlang der Wege als Deckung nutzen.

Wer fotografieren möchte, sollte das Blitzlicht vorher außer Betrieb setzen. Mit Taschenlampen darf nicht nach oben geleuchtet werden.

Auch die Nahrungssituation war seiner Ansicht nach schon mal besser. So wurden viele Maisfelder in der Region in diesem Jahr erst spät gemäht und dann schnell eingedrillt. Im Zusammenspiel mit der nicht sonderlich guten Ernte blieb am Ende relativ wenig für die Kraniche übrig. Ein anderes Problem mit dem Mais, der für die Vögel im Luch eine wichtige Nahrungsquelle ist, sieht Eberhard Schneider vom Vogelschutz-Komitee, das sich gemeinsam mit der Naturstation und anderen Institutionen um die Kraniche kümmert. Die neuen Sorten, die als Energielieferanten für Biogasanlagen dienen und nun auf vielen Feldern der Region angebaut werden, haben laut Schneider wenige Körner – und liefern so weniger Futter für die Vögel. Allerdings finden die Kraniche aus Schneiders Sicht trotzdem genug Essbares im Luch.

Dass 2015 ein Flautejahr in den hiesigen Kranichaufzeichnungen bilden wird, stört Eberhard Schneider wenig. Das Buhlen der Kranichrastplätze um die beste Quote umso mehr. „Wir sollen nicht immer auf die Spitzenzahlen blicken“, sagt der Naturschützer. „Ob es 50 000 oder 100 000 Kraniche sind, ist egal – Hauptsache, es kommen welche hierher. Wir freuen uns, dass der Mensch sie nicht restlos vertrieben hat.“

Von Celina Aniol

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