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Oberhavel Obdachlose finden keine Wohnung
Lokales Oberhavel Obdachlose finden keine Wohnung
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00:17 26.02.2017
Gabriale Trümner kümmert sich um die Nöte der Obdachlosen. Die Zweibettzimmer der Nutzer sind spartanisch eingerichtet, Schränke können verschlossen werden. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Momentan ist es ruhig in der Oranienburger Notunterkunft für Obdachlose. „Die jetzigen Bewohner sind sehr sozial“, so Gabriela Trümner vom Verein der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie ist Ansprechpartnerin in der städtischen Unterkunft. Doch ein großes Problem beschäftigt sie seit Langem: Wohnungen. „Das ist unser Dreh- und Angelpunkt.“ Dilemma: Es gibt einfach keine. „Die Aussicht, dass Obdachlose, die Hartz IV beziehen, in Oranienburg eine Wohnung bekommen, tendiert gegen Null.“ Wären Wohnungen frei, ist sie sicher, wäre die Unterkunft kaum noch belegt. „Einige Nutzer wollen sofort hier raus, lieber gestern als morgen, können aber einfach nicht.“

Grund: Sie haben oft einen negativen Schufa-Eintrag. Das ist die Crux: Die Schulden stehen ihrer zweiten Chance im Weg. „Es müsste auch Wohnraum für Menschen geben, die Schulden haben“, so Gabriela Trümner. Bei den Wohnungsgesellschaften hat sie deshalb kaum Erfolg. Zudem konkurrieren Obdachlose mit Geflüchteten, Polizeischülern und Menschen, die kleinen, aber günstigen Wohnraum suchen. Ein weites Feld, in dem für Obdachlose oft kein Platz ist. „Und private Vermieter wollen sich keine Hartz-IV-Bezieher ins Haus holen."

Spartanisch sind die Zimmer eingerichtet, die nur in äußerster Not helfen sollen. Quelle: Enrico Kugler

Auch deshalb sink Zahl der Nutzer in der Notunterkunft nicht. „Zu Spitzenzeiten hatten wir 29 Menschen hier“, so Jörg Wollanke, städtischer Sachbearbeiter mit Schwerpunkt Ordnungs- und Obdachlosenangelegenheiten. „Jetzt sind es in der Regel 15.“ 20 Betten hat die seit 2015 in der Greifswalder Straße ansässige Unterkunft, für je zehn Männer und zehn Frauen.

Viele bleiben über Jahre, müssen – wegen der prekären Wohnungssituation. Eine maximale Verweildauer ist rechtlich nicht definiert. So ist ein Mann erst nach 16 Jahren ausgezogen. Gabriela Trümner, die seit acht Jahren hier arbeitet, hat ihn begleitet. Der Mann hatte keine Kontakte, die einzigen Bezugspersonen waren in der Unterkunft, sein ganzes Leben war hier.

Hilfe zur Selbsthilfe – aber mit Hausordnung

Was hinzu kommt: Drogen- und Alkoholsucht, psychische Erkrankungen, Pflegefälle. „Wir setzen alles in Gang, dass sie Anträge stellen, Formulare ausfüllen, beim Amt und Jobcenter vorsprechen“, so Gabriela Trümner. Einen Sozialarbeiter gibt es dafür nicht, seelische Aufarbeitung findet nicht statt. „Wir schaffen ihnen aber eine Struktur, geben Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, den Ämtern und Pflegediensten beschreibt sie als gut.

Gabriela Trümner und Jörn Wollanke in einem Zimmer. Quelle: Enrico Kugler

Die Hausordnung in der Unterkunft setzt Grenzen. Im der Einrichtung darf kein Alkohol getrunken, dürfen keine Drogen konsumiert werden. „Wir haben eine Fürsorgepflicht den anderen Nutzern gegenüber“, so Jörn Wollanke. „Wäre die Hausordnung nicht und jeder könnte machen, was er will, wären wir ein zahnloser Tiger.“ Wer sich nicht an die Regeln hält, bekommt eine Ermahnung, danach eine Abmahnung und muss die Einrichtung bei erneuter Zuwiderhandlung verlassen – auch unter Polizeieinsatz. „Das ist bisher noch nicht passiert.“

Nötige Distanz wahren

Die Unterkunft ist in städtischer Hand. „Wir sind oft das letzte Rad in der Kette für die Menschen“, so Steffen Burkhardt, Sachegebietsleiter im Ordnungsamt. Die Stadt hat das Objekt von der Woba gemietet, muss Miete zahlen. Wer als Bewohner Leistungen wie Hartz IV oder Rente erhält, zahlt eine Nutzungsgebühr.

Doch wie gehen Jörg Wollanke und Gabriela Trümner mit all dem Leid um? „Man kann nicht alles an sich ranlassen“, so Wollanke. „Man braucht eine gewisse Distanz.“ Gabriele Trümner, 30 Jahre Erfahrung im sozialen Bereich, hatte anfangs Schwierigkeiten, die Schicksale abzuschütteln. „Ich habe viel mit nach Hause genommen.“ Der positive Effekt, dass sie Schritt für Schritt helfen konnte, hat wiederum ihr geholfen, damit umzugehen.

Doch Strukturen können zerstört werden: Ende 2016 wurde ein Projekt der Hennigsdorfer Beschäftigungsgesellschaft PuR für Obdachlose eingestellt. „Viele, die dort ein paar Stunden Abwechslung fanden, rutschten schnell wieder ab.“

Von Marco Winkler

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