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Oberhavel: Klage gegen Unternehmen

Gehalt nicht gezahlt Oberhavel: Klage gegen Unternehmen

Fünf Mitarbeiter eines Oberhaveler Unternehmens sollen ihren Lohn für den Januar nicht erhalten haben. Einige von ihnen haben sich inzwischen Anwälte genommen, ein Mitarbeiter zieht Ende März sogar vor das Neuruppiner Arbeitsgericht. Die fünf Männer hatten zuvor gekündigt, weil die Arbeitsumstände schlecht waren.

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Marcel Bernsee schlief meistens im Truck (Schriftzug und Firmenlogo wurden unkenntlich gemacht).

Quelle: Foto: Privat

Velten. Der Blick auf den Kontoauszug war ein Schock. Mitte Februar hatte Marcel Bernsee noch immer kein Januargehalt von seinem ehemaligen Arbeitgeber auf dem Girokonto. Rund 1800 Euro brutto fehlten, inklusive Spesen. „Wir konnten Miete, Kredit und laufende Kosten nicht mehr zahlen“, erklärt seine Frau Vanessa. Mahnkosten wurden fällig, die Großmutter sprang schließlich ein und half der Familie mit dem Geld aus. Schuld an der Misere ist aus Sicht der Bernsees die mangelnde Zahlungsmoral beim ehemaligen Arbeitgeber des Mannes, einem Oberhaveler Unternehmen.

Ende Dezember hatte Marcel Bernsee dort gekündigt, war aber noch bis Ende Januar für das Unternehmen gefahren. Es ging nach Schweden, Italien, Österreich. Doch für den Januar wollte die Firma das Gehalt nicht mehr zahlen, sagt Vanessa Bernsee. Sie wollte den Geschäftsführer in seinem Büro zur Rede stellen. Doch der habe überhaupt nicht mit sich reden lassen. „Er sagte nur, dass wir ihn doch verklagen sollen“, erinnert die Mutter einer vierjährigen Tochter.

Das tun die Bernsees nun, die Verhandlung findet am 24. März um elf Uhr vor dem Neuruppiner Arbeitsgericht statt. Dort habe man der Familie Mut gemacht, dass der Prozess gut ausgehen werde. „Eine Dame sagte, es sei ja ein Gehalt, wofür mein Mann auch gearbeitet hat.“ Die Bernsees überlegen auch, die Mahnkosten vom Unternehmer zurückzufordern. Gegenüber der MAZ wollte sich eine Gerichtssprecherin zu den Chancen des Verfahrens dagegen nicht äußern. „Dazu darf ich nichts sagen.“

Auch mit vier anderen Mitarbeitern befinde sich das Unternehmen im Clinch, auch sie hätten nach der Kündigung ihr Januar-Gehalt nicht mehr bekommen, sagt Vanessa Bernsee. „Einer der Männer ist auch der Hauptverdiener und hat eine Familie zuhause, da sieht es schlecht aus.“ Einige der Ex-Mitarbeiter hätten sich Anwälte genommen, ein anderer habe sich einen Teil des Lohns von der Agentur vorschießen lassen. „Die steht bei der Firma auf der Matte und will das Geld zurück.“

Gekündigt hätten ihr Mann und die anderen Mitarbeiter, weil die Arbeitsumstände katastrophal seien. Vereinbart seien 48 Stunden Arbeit pro Woche gewesen, tatsächlich sei Marcel Bernsee aber bis zu 80 Stunden auf Achse gewesen. Er sei sonnabendvormittags müde nach hause gekommen und musste sonntagabends schon wieder los. In der Woche schlief er im Truck. „Ein Familienleben war da nicht möglich“, so Vanessa Bernsee. Ihr Mann hat schon einen neuen Arbeitgeber gefunden, es bleibe jetzt viel mehr Zeit für die Familie, sagt die 28-Jährige.

Ans Telefon war der Firmenchef nicht zu bekommen, seine Mitarbeiter verwiesen stets darauf, dass er aber per E-Mail zu erreichen sei. Doch drei Mails der MAZ ließ er eine Woche lang unbeantwortet. „Er stellt sich tot, das haben wir in den letzten Wochen auch gemerkt“, sagt Vanessa Bernsee.

Von Marco Paetzel

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