Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Oberhavel: Kreisbrandmeister gibt sein Amt auf

Dienstwagenaffäre schlägt Wellen Oberhavel: Kreisbrandmeister gibt sein Amt auf

Frank Kliem hat zum Monatsende sein Amt als Kreisbrandmeister zur Verfügung gestellt – „aus persönlichen Gründen“, wie Kreissprecher Ronny Wappler am Freitag mitteilte. Allerdings scheint es auch ganz handfeste Gründe für diesen Schritt zu geben. Der Landkreis prüft offenbar das private Nutzungsverhalten für seinen Dienstwagen.

Voriger Artikel
Ein Song für Oranienburg
Nächster Artikel
Schildkröte in Bötzower Garten gefunden

Frank Kliem war 16 Jahre lang Kreisbrandmeister.

Quelle: Margot Schöning

Oberhavel. Frank Kliem hat zum Monatsende sein Amt als Kreisbrandmeister zur Verfügung gestellt – „aus persönlichen Gründen“, wie Kreissprecher Ronny Wappler am Freitag mitteilte. Seine Bitte um Entlassung aus dem Ehrenbeamtenverhältnis habe Landrat Ludger Weskamp (SPD) in der zurückliegenden Woche angenommen.

Weskamp dankte dem scheidenden Kreisbrandmeister für seinen 16-jährigen ehrenamtlichen Einsatz als Fachberater des Landrates bei der Aus- und Fortbildung der rund 3000 ehrenamtlichen Angehörigen in den 15 Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises. Der Landrat bedankte sich für Kliems „beherztes Eintreten für eine Gemeinschaft, die den Menschen Hilfe leistet – unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Ansehen der Person“. Sein „höchster Respekt und unser aller Dank“ gebühre dem scheidenden Feuerwehrchef für „sein Engagement für ein solidarisches Miteinander, für Zusammenhalt, Kameradschaft und Verlässlichkeit“.

Feuerwehrchefs zeigen sich überrascht

Völlig überraschend kam Kliems Schritt für die hiesigen Feuerwehrchefs. Sie waren bereits am Donnerstag von ihm persönlich per E-Mail informiert worden. Seitdem rätseln sie über einen Satz in dem Schreiben: „Umstände, die ich zu verantworten habe, haben mich zu der Bitte an den Landrat geführt und begründen meinen Entschluss.“ Spekulationen machen seitdem die Runde. Am plausibelsten erscheint eine mögliche private Nutzung des Dienstwagens, eines VW Tiguan mit Feuerwehrausstattung. Ohnehin schlägt das Thema seit des Rücktritts von Justizminister Helmuth Markov Wellen im Land.

Kliem, Jahrgang 1965, befindet sich derzeit gemeinsam mit dem Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes auf einer Dienstreise in den polnischen Partnerkreis Siedlce, wo am Wochenende der St.-Florians-Tag (4. Mai) begangen wird. Zu den „persönlichen Gründen“ möchte er sich nicht äußern, sagte Kliem auf Nachfrage. Zu den dienstlichen Belangen dürfe er sich laut Dienstvorschrift des Landkreises nicht äußern. Die Formulierung aus der E-Mail beziehe sich aber auf seine kompletten 16 Dienstjahre. „Einen konkreten Einzelfall gibt es nicht“, sagte der Kreisbrandmeister.

Keine Stellungnahme zur Dienstwagenfrage

Auf die Frage, ob Kliem seinen Dienstwagen ohne rechtliche Grundlage auch privat genutzt hat, könne er derzeit „keine Stellungnahme abgeben, da wir uns in einer laufenden Überprüfung befinden“, sagte Ronny Wappler. Regelmäßig würden getroffene Festlegungen auf ihre Einhaltung hin überprüft – auch für den Bereich des Kreisbrandmeisters und seiner Stellvertreter.

Suche nach Nachfolgerin oder Nachfolger hat begonnen

Unterdessen hat bereits die Suche nach einem geeigneten Nachfolger begonnen. Bis der Landrat einen neuen Kreisbrandmeister bestellt hat, würden die stellvertretenden Kreisbrandmeister, Frank Mewes und Thomas Thielke, die Amtsgeschäfte weiterführen, so Wappler. Landrat Ludger Weskamp zeigte sich zuversichtlich, dass eine Neubesetzung zeitnah erfolgen kann. An die zukünftige oberste Feuerwehrfrau oder den obersten Feuerwehrmann des Landkreises knüpft der Landrat hohe Erwartungen, insbesondere bei den anstehenden Herausforderungen im Bereich der Aus- und Fortbildung.

Kreisbrandmeister unterstützt den Landrat

„Der Landkreis trägt große Verantwortung, für seine Bürgerinnen und Bürger den überörtlichen Brandschutz zu gewährleisten“, sagte Weskamp. Große Waldbrände, schwere Verkehrsunfälle oder Havarien technischer Anlagen könnten jederzeit und ohne Vorwarnung eintreten. „Um dies weiterhin sicherzustellen, sind neben einer modernen Ausstattung hochmotivierte und gut ausgebildete Feuerwehrleute das A und O. Sie garantieren den Schutz der Menschen in Oberhavel zu jeder Zeit“, sagt der Landrat.

Der Landkreis Oberhavel ist neben dem Land Brandenburg und den kreisfreien Städten Träger des Katastrophenschutzes. Darüber hinaus ist er für den überörtlichen Brandschutz und die überörtliche Hilfeleistung zuständig. Unterstützt wird der Landrat dabei vom Kreisbrandmeister und seine beiden Stellvertreter.

Stimmen von Brandmeistern aus OHV

Stadtbrandmeister Uwe Deichmann, Liebenwalde: „Frank Kliem hat seine Arbeit sehr gut gemacht, deshalb finde ich den Schritt schade. Ich kenne ihn als korrekten, stets ehrlichen Mann. Als Feuerwehr hatten wir ein gutes Verhältnis zu ihm.“

Stadtbrandmeister Heiko Nägel, Velten: „Das kam plötzlich und unerwartet. Ich finde es sehr traurig. Er hat seine Arbeit jahrelang gut gemacht. Es wird schwer einen Neuen zu finden, denn die Aufgabe ist sehr verantwortungsvoll und zeitaufwendig.“

Stadtbrandmeister Robert Röhl, Hohen Neuendorf: „Wir haben die Nachricht mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Ich hatte gehofft, noch lange mit ihm zusammenarbeiten zu können, da ich erst im Februar berufen wurde. Er hatte immer ein offenes Ohr, war kameradschaftlich und hat mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er hat sich ins Zeug gelegt und die Ausbildung sehr gut organisiert.“

1. stellvertretender Amtsbrandmeister Jörg Tiede, Gransee: „Wir haben immer wunderbar mit Herrn Kliem zusammengearbeitet. Er war stets ein guter und kompetenter Partner. Wir bedauern seinen Weggang.“

Von Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg