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Oberhavel-Schüler absolvieren Praktikum

Bildung trifft Wirtschaft Oberhavel-Schüler absolvieren Praktikum

Schülerpraktikanten aus der neunten Klassenstufe sind derzeit in Kindertagesstätten, Geschäften und Betrieben im Landkreis Oberhavel anzutreffen. Der MAZ-Praktikant hat einige seiner Klassenkameraden besucht und interessante Einblicke gewonnen.

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Dustin Mc Donagh beim Abpacken von Schmink-Sticks fürs TV.

Oberhavel. Sie sind derzeit in Kindertagesstätten, Geschäften und Betrieben anzutreffen: Schülerpraktikanten aus der neunten Klassenstufe. Einer davon bin ich, Marius Marx aus Bergfelde. Ich besuche die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder, bin 14 Jahre alt und für zweieinhalb Wochen bei der MAZ im Einsatz. Als Reporter war ich bereits bei einem Gasalarm, bei einer syrischen Familie, bei einer Kita-Aktion und bei einem Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt Hohen Neuendorf hautnah dabei. Außerdem habe ich einige Mitschüler an ihren Arbeitsplätzen besucht und weitere interessante Einblicke bekommen.

Zum Beispiel habe ich erfahren, was den Oranienburger Stadtteil Zehlendorf und Berlin-Schönholz mit den Filmen Tribute von Panem oder Titanic verbindet. Das Stichwort lautet Kryolan. Diese Firma beliefert die Film-, Theater- und Fernsehindustrie seit mehr als 70 Jahren und versteht sich selbst als eine der ersten Marken für professionelles Make-up weltweit. Shops und Filialen sind in er ganzen Welt verstreut. Einen gibt es in der Schönholzer Papierstraße 10. Auf den ersten Blick vermutet man dort nicht den Firmensitz und Produktionsstandort des Hollywoodlieferanten. Von Lipgloss über Mascara bis hin zu Kunstblut gibt es dort alles was das Frauenherz höher schlagen lässt.

MAZ-Reporter Marius Marx (r) interviewt seinen Mitschüler Dustin Mc Donagh

MAZ-Reporter Marius Marx (r.) interviewt seinen Mitschüler Dustin Mc Donagh.

Quelle: Helge Treichel

Von der Produktion mit hohen hygienischen Standards und geheimen Rezepturen darf sich Schülerpraktikant Dustin Mc Donagh ein Bild machen. Nach einem Ferienjob im Sommer ist er erneut dort tätig. An den ersten Tagen hat er Verpackungen sortiert und fertige Produkte in Kartons verpackt. „In dieser Woche wird er an der Gießmaschine arbeiten“, sagte der Vorarbeiter und zuständige Betreuer Guido Mohr. Er ist für die Koordination, Organisation, Dokumentation sowie für die Anschaffung der Materialien verantwortlich. Allerdings mache es keinen Sinn, ihn in alle Abteilungen ’reinschnuppern zu lassen: „Er soll ja auch etwas lernen und es soll auch etwas hängen bleiben“, sagt Guido Mohr, der jährlich drei bis vier Praktikanten betreut.

Dustin könnte sich vorstellen, nach seinem Schulabschluss weiter bei Kryolan zu arbeiten. Doch dann „eher im Labor“, wo die neuesten Kreationen entwickelt und getestet werden, da ist es eben interessanter und spannender, meint der 16-jährige Hohen Neuendorfer. Die Produktion sei ihm „etwas zu monoton“.

Theo Reddigau bei Fräsarbeiten an einem Hörgerät

Theo Reddigau bei Fräsarbeiten an einem Hörgerät.

Quelle: Marius Marx

Sein Großvater habe ihm den Tipp gegeben, antwortet Schülerpraktikant Theo Reddigau auf die Frage, wie er denn auf seinen Praktikumsplatz gekommen ist. Theo arbeitet in der Oranienburger Filiale von „Kind Hörgeräte“ an der Bernauer Straße. Besonders „die vielen winzigen Einzelteile“ hätten ihn beeindruckt, verrät er mir. Zudem sei ihm eine praktische Arbeit besonders wichtig gewesen. „Die Arbeitsatmosphäre ist locker und ruhig, nur manchmal gibt es ein bisschen Hektik, wenn man gerade im Büro sitzt und dann ein Kunde hereinkommt und man schnell nach vorne muss.“ Er schätze den Beruf, weil es vielfältige Arbeitsbereiche von Kundenservice und Beratung über Büroarbeit bis hin zur Reparatur gibt. Zum Beispiel müssen manchmal Teile am Hörgerät ausgefräst werden. Manchmal müssen die Geräte auch komplett ausgetauscht und neu programmiert werden. Das Regulieren dient dazu, dass zum Beispiel „ein älter Herr mit Hörgerät nicht gleich vor Schreck vom Fahrrad fällt wenn ein Krankenwagen mit eingeschalteter Sirene an ihm vorbeifährt“, erklärt mir Theo Reddigau und lacht. Auch er könnte sich vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten.

Manchmal münde ein Praktikum später sogar in ein Ausbildungsverhältnis, sagt Robert Schwill, einer der für die Praktika verantwortlichen Lehrer an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule. Aber das sei der Optimalfall. Im Vordergrund stehe das „Sammeln von Erfahrungen in der Arbeitswelt“. Und es solle gelernt werden, mit Zeitdruck umzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Schüler kämen „erwachsener, selbstständiger und gereifter von ihren Praktika zurück“, schildert der Lehrer seine Beobachtung. Nach seiner Meinung sollte es „viel mehr davon geben“, da junge Menschen dort lernen, sich im späteren Arbeitsleben besser zurecht zu finden und es ihnen die Möglichkeit gebe, ihre eigenen Berufsvorstellungen zu überprüfen.

Hanna Dommerich mistet in Germendorf den Stall aus

Hanna Dommerich mistet in Germendorf den Stall aus.

Quelle: Helge Treichel

Auch sie habe einfach mal sehen wollen, wie die praktische Arbeit so läuft, sagt Hanna Dommerich. Die 14-jährige Hohen Neuendorferin absolviert ihr Praktikum auf dem Reiterhof Sandig in Germendorf. Sie hat den Stall ausgemistet, den Hof gefegt und im Haus sauber gemacht, sagt sie. Außerdem sollte sie Pferdeäpfel auf der Koppel aufsammeln. Als ehemalige Reiterin weiß sie: Ein Pferd macht auch viel Arbeit. Aber ihr mache das Zupacken Spaß, sagt Hanna. Ihre berufliche Zukunft stelle sie sich allerdings anders vor – als Tiermedizinerin, so ihr großer Wunsch. Deshalb habe das Praktikum schon ein wenig bei der Berufsorientierung geholfen.

Dass sich die Schülerin auch um ein Pony kümmern soll, sagte Reiterhof-Mitinhaberin und Betreuerin Nadja Sandig. Der Auftrag bestehe in der Fell- und Hufpflege sowie der Fütterung. Schließlich wolle sie Einblicke in das Spektrum der Arbeiten auf dem Hof vermitteln. Drei bis vier Schülerpraktikanten pro Jahr seien auf dem Germendorfer Hof mit seinen derzeit 52 Tieren. Acht Mitarbeiter habe der Betrieb, der allerdings auch eine Kompostieranlage sowie eine eigene Landwirtschaft mit Feldbau umfasst.

Von Marius Marx

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