Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberkrämer Baustelle A 10: Besuch bei einer Brummi-Schicht
Lokales Oberhavel Oberkrämer Baustelle A 10: Besuch bei einer Brummi-Schicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 09.07.2018
Nachdem per Funk das Go gegeben wurde, kippt Lkw-Fahrer Marco Manke den Sand an die Stelle, die ihm zugewiesen wurde. Quelle: Jeannette Hix
Bärenklau

Marco Manke (42) aus Velten baut auf Sand, damit er seinen monatlichen „Schotter“ verdient: Denn der 42-Jährige fährt einen 430-PS-starken Sattelkipper, rappelvoll mit Sand gefüllt, 40 Tonnen schwer. Marco Manke ist einer von den Lkw-Fahrern, die mit am Ausbau der A10 beteiligt sind. Bis 2022 soll die je zweispurige Schnellstraße auf drei Fahrbahnen pro Seite aufgestockt sein. Die tonnenschweren Sandtouren werden benötigt, weil die Autobahn teilweise sechs Meter höher liegt, als das nebenliegende Umland, wo die Autobahnspuren mal verlaufen sollen. „Seit Wochen fahren wir darum aus umliegenden Kiesgruben den Sand neben die A10“, sagt Marco Manke.

Pause für Lkw-Fahrer Marco Manke. Jeden Tag bringt er 324 Tonnen Sand an die Baustelle der A10. Quelle: Jeannette Hix

Um 4.30 Uhr klingelt bei dem Veltener der Wecker. Gegen 6 will er auf der Arbeit sein, beim Drei-Mann-Fuhrunternehmen Klink, das einen vierten Mann sucht. Kaum auf der Arbeit, gehts schon mit „Ladung fassen“ los. Und während der Bagger die Sand- oder Kiesmassen auf die Ladefläche von Marcus schwarzen Truck fallen lässt, rumpelt es leicht vorne in der Kabine mit Kühlschrank und Schlafkabine. Dann heißt es auch schon ab zur Autobahn. Kurz nach der Bücke über den Bahnschienen Höhe Bahnhof Bärenklau soll Marco die Ladung abkippen. Doch stattdessen macht der Vater von einem Jungen (12) und zwei Mädchen (9 und 19) erstmal Pause und wartet. „Ich brauche erst per Funk das Go von Radlader-Fahrer Peter“, erklärt Marco die kurze Pause. „Peter hat den Überblick, wo der Sand hin muss.“ Dann ist auch schon ein Knacken im Lautsprecher zu hören. „Ok, kann losgehen“, meint Peter und schon drückt Marco aufs Knöpfchen und zieht einen Hebel. In wenigen Sekunden ist die Rampe hochgefahren und die Erdmassen rutschen auf die abgesperrte Autobahn. Eine Etage tiefer - auf dem Ex-Grünland, steht der Bagger und holt sich schaufelweise Sand mit seinem langen Arm. „So wächst die Fläche neben der Autobahn Tag für Tag nach oben“, meint Marco.

Zwölf Mal am Tag fährt er Massen von Sand zur Autobahn

Zwölf Mal ist er so samt Ladung unterwegs. Und wie für alle Lkw-Fahrer gilt auch für Manke die gesetzlich vorgeschriebene Fahrzeit. Nach 4,5 Stunden Lenkzeit bzw. 6 Stunden Schichtzeit ist Zwangspause verordnet. „Da mach’ ich dann immer 45 Minuten Mittag“, meint er - entweder bei Colles Imbiss in Oranienburg/Süd oder bei Paddys Streetfood im Gewerbegebiet Germendorf „Ah, heute ist ja Donnerstag. Da ist bei Paddy Schnitzeltag“, meint Marco erfreut.

Sobald der Sand abgekippt ist, schiebt ihn der Radlader an den Straßenrand. Dort wird der Sand vom Bagger aufgeschaufelt und im Sandbett unten verteilt. Stück für Stück wird so der Seitenstreifen höher, wo später mal die 3. Spur entlangführen soll. Quelle: Jeannette Hix

Seit sechs Jahren fährt er schon für die Firma, seit 16 Jahren Lkw, obwohl er eigentlich gelernter Tischler ist. „Holz ist zwar ein schöner Werkstoff, aber immer drinnen in der Halle arbeiten - das war nichts für mich. Ich muss raus und brauche die Abwechslung. Heute fahre ich diese Strecke, morgen eine andere“, sagt Marco, der auch viele Jahre im europäischen Ausland über die Autobahnen düste. „Ich war in Schweden, in Spanien, in der Schweiz und in Österreich. Das hat mir auch Spaß gemacht. Aber dann habe ich meine Familie immer weniger gesehen. Oft musste ich Sonntagabend losfahren und war erst Sonnabend früh zurück. Ehe meine Kinder Onkel zu mir sagen, zog ich die Reißleine.“

Viele Autofahrer drängeln – unterschätzen dabei die Lkw-Schubkraft

Was Marco Manke heute immer noch an seinem Job nervt, sind die Autofahrer. „Sie lassen ihren Frust an uns ab. Sie drängeln sich in unseren Sicherheitsabstand, bremsen uns aus und hupen uns an“, sagt er. „Dabei sind wir die Zubringer. Ohne Lkw würden alle verhungern, nackt rumlaufen und kein Auto haben.“ Einmal hat ihn eine Autofahrerin so geschnitten, dass es zum Unfall kam. „Sie fuhr so dicht vor mir ein, dass ich keine Chance mehr hatte, langsamer zu werden“, meint Marco Manke. „Viele Autofahrer unterschätzen die Schubkraft eines so großen Fahrzeuges.“

Darum macht es den Brummi-Fahrer auch so sauer, wenn Autofahrer sich vor ihm in die Lücke drängeln. „Die meisten Lkw haben einen Bremsassistenten, der dann sofort anspringt. Der Ruck, der durch das Auto geht, geht nicht nur über den Rücken. Der Folge-Verkehr hat dann in diesem Fall große Schwierigkeiten rechtzeitig abzubremsen.“

Hier muss noch viel Sand angefahren werden, um das tiefer liegende Gelände für die 3. Autobahnspur anzuheben. Quelle: Jeannette Hix

Bei Baubesprechungen ruhen die Arbeiten

Gelegentlich ist er auch mit Fragen konfrontiert, warum eine Baustelle an manchen Tagen unbesetzt ist. „Viele denken, dass der Bau nicht gut organisiert ist. Aber oft sind für Stillstand Baubesprechungen der Grund, wo auch Fahrer wie von den Baggern dabei sind. Und ohne Bagger-Fahrer geht auf der Baustelle nichts. Viele Mitarbeiter kommen auch aus anderen Bundesländern. Aufgrund der langen Heimfahrt ist darum oft ab 15 Uhr Schluss, damit diese Mitarbeiter etwas vom Wochenende haben. Nachts und sonntags gilt ja für uns das allgemeine Fahrverbot.“

Am Wochenende schraubt er an Autos und genießt seinen Garten

Marco Manke lassen die Autos auch am Wochenende nicht los. „Dann schraube ich an meinem alten Mercedes. Ich mag alte Autos. Ich hab’ mir vor Jahren aus drei alten Schrott-Golf-3 einen neuen gebaut. Der fährt heute noch einen Bekannten durch die Gegend.“

Wenn der Brummi-Fahrer mal nicht „mit Autos rummacht“, werkelt er in seinem kleinen Garten in Schmachtenhagen. Dort liebt er die Ruhe. Und weil er weiß, wie viel Staub und Krach so ein Brummi wie seiner macht, hat er sich auf die Fahne geschrieben, in Wohngebieten betont langsam und besonders vorsichtig zu fahren.

Von Jeannette Hix

Er sitzt im Gemeindeparlament in Oberkrämer und im Kreistag – bislang für die SPD. Aber der Frust über die Bundespolitik sitzt bei Carsten Schneider tief. Der Vehlefanzer, der auch Fraktionschef der SPD war, gibt sein Parteibuch zurück.

06.07.2018

Nicht nur die Schlangenlinien, die ein Autofahrer fuhr, waren auffällig. Auch die Sonnenbrille, die er mitten in der Nacht trug, machte einen Polizeibeamten stutzig.

05.07.2018

Die Bauarbeiten an der A 10 und an der A 24 laufen bereits – seit Mittwochnachmittag aber auch ganz offiziell. Am Rasthof Oberkrämer in Vehlefanz erfolgte der erste Spatenstich für den Autobahnausbau. Minister Scheuer (CSU) lobte das Projekt.

04.07.2018