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Offene Türen im Bieneninstitut

Hohen Neuendorf Offene Türen im Bieneninstitut

Fleißige Insekten stehen am kommenden Sonntag im Mittelpunkt des „Tages der offenen Tür“ im Hohen Neuendorfer Bieneninstitut. Neben einem Programm für die ganze Familie geben die rund 50 Mitarbeiter Einblicke in ihre Arbeit. Die soll unter anderem dazu beitragen, das weltweite Bienensterben aufzuhalten, sagt Institutsdirektor Kaspar Bienefeld.

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Eine Bienenkönigin, auch Weisel genannt, schlüpft aus ihrer Zelle. Die jetzt überflüssige Puppenhaut dient der DNA-Analyse.

Quelle: Bieneninstitut

Hohen Neuendorf. Mit besonders großer Spannung wird derzeit die Postfrau im Bieneninstitut erwartet: Aus ganz Deutschland sowie der Schweiz und Österreich treffen fast täglich kleine Päckchen ein. Es handelt sich um DNA-Proben von Bienenköniginnen und Drohnen. 3500 Proben werden es innerhalb des nächsten Jahres noch werden.

Die Postfrau liefert die Päckchen ab, die ausnahmsweise der zufällig anwesende Direktor persönlich annimmt

Die Postfrau liefert die Päckchen ab, die ausnahmsweise der zufällig anwesende Direktor persönlich annimmt.

Quelle: Helge Treichel

Dieses Genmaterial steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes, das im April 2015 begann und mit dem das weltweite Bienensterben aufgehalten und die Bienenzucht nebenbei optimiert werden soll. Sein Name: „Gesebi“ – genomische Selektion bei der Honigbiene. Dafür arbeiten in Hohen Neuendorf eine Molekularbiologin, ein Mathematiker und eine Bioinformatikerin zusammen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 1,3 Millionen Euro.

Am kommenden Sonntag wollen die Forscher beim „Tag der offenen Tür“ Einblicke in ihre spannende Sisyphusarbeit gewähren. Denn das Erbmaterial der Honigbiene weist zwar viel weniger DNA-Informationen auf als das der Säugetiere, aber es sind dennoch 236 Millionen Basenpaare aufzuschlüsseln, erklärt Institutsdirektor Kaspar Bienefeld, der am Sonntag selbst Rede und Antwort steht. Angesichts dieser Informationsfülle hätten die Hohen Neuendorfer Forscher die jeweils identischen Genabschnitte herausgefiltert und sich auf lediglich 120 000 variierende DNA-Informationen festgelegt. Diese individuellen Marker ließen sich mit einem relativ preiswerten Verfahren ermitteln, das auch bei Rindern, Schweinen und Ackerpflanzen zum Einsatz kommt. „Aber wir wenden das erstmals bei Honigbienen an“, sagt Bienefeld.

Professor Bienefeld vor einem Kühlschrank voller Proben mit Bienen-DNA aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Professor Bienefeld vor einem Kühlschrank voller Proben mit Bienen-DNA aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Quelle: Helge Treichel

Das Problem sei bisher gewesen, eine qualitativ hochwertige DNA-Probe von Königinnen zu gewinnen, ohne sie gleich umzubringen. Dies sei nun gelungen, indem direkt nach dem Schlüpfen die dann überflüssige Schutzhaut der Puppe verwendet wird. Das habe auch den Vorteil, dass der Zuchtwert jedes Individuums quasi direkt zur Verfügung stehe und die natürliche Zuchtwahl somit beschleunigt und optimiert wird. „Wir lesen die Gene aber nur und manipulieren sie nicht“, betont der Bienenprofessor. Das werde nicht nur von der Öffentlichkeit abgelehnt, sondern könnte auch unabsehbare Folgen haben, falls ein Drohne oder Königin sich unkontrolliert mit anderen Bienenvölkern verpaart.

Blick in die Kältekammer des Labors mit Röhrchen und Schächtelchen voller Untersuchungsmaterial

Blick in die Kältekammer des Labors mit Röhrchen und Schächtelchen voller Untersuchungsmaterial.

Quelle: Helge Treichel

Ermittelt würden die genetischen Marker für Honigleistung, Sanftmut, Schwarmverhalten und Krankheitsresistenz. Aus der DNA soll künftig zum Beispiel herausgelesen werden können, wie gut die jeweiligen Bienen riechen können und damit die weltweit zur Plage gewordene Varroa-Milbe bekämpfen, sagt Bienefeld. Denn vorangegangene Forschungen hätten gezeigt, dass manche Bienen die Milben-Gefahr riechen können und die befallene Brut aus dem Nest entfernen. Dadurch werde der Reproduktionszyklus des Schädlings unterbrochen, der dann keine Gefahr mehr darstelle. Ziel sei es, die Gentests weiter zu vereinfachen und die Kosten auf einen akzeptablen Preis zu drücken, um sie für die Züchter erschwinglich zu machen. „Am Ende soll wirklich die gesamte Imkerschaft profitieren“, so der Professor.

Tag der offenen Tür

Das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf lädt für Sonntag, 4. September, von 10 bis 16 Uhr zum „Tag der offenen Tür“ ein.

Die rund 50 Mitarbeiter stellen aktuelle Forschungsprojekte vor und stehen für Fragen rund um Bienen, Honig und Imkerei zur Verfügung.

Gäste können sich auf dem Institutsgelände außerdem zu Themen wie praktische Bienenhaltung, Varroabekämpfung, Imkereitechnik, Imkerausbildung, Honigqualität und -vermarktung beraten lassen.

Kinderprogramm, Imkereiprodukte oder Honigverkostung- und verkauf sowie ein reichhaltiges Angebot an Essen und Getränken sorgen dafür, dass der Tag nicht nur informativ, sondern auch abwechslungsreich für die ganze Familie wird.

Von Helge Treichel

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