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17:24 12.10.2017
Schüler der Clermont- und der Lindenschule feilten eine Woche lang an ihrer Choreographie. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Schwitzig, stickig, heiß ist es im Mehrzweckraum – die Anstrengungen der 19-köpfigen Tanzgruppe in der Jean-Clermont-Schule in Sachsenhausen sind regelrecht greifbar. Aufmerksam verfolgt Razvan Stojan die Bewegungen seiner Schützlinge, die sich geschmeidig zur Musik bewegen und einer Welle gleich durch den Raum fluten. Der 24-jährige Choreograph der Battery Dance Company aus New York ist eigens nach Deutschland gereist, um beim „Dancing to Connect“-Projekt die Oranienburger zu unterstützen. Die Zwölf- bis 17-Jährigen stammen teils aus der Clermont-Schule, teils sind es junge Geflüchtete, die in der Lindenschule Deutschunterricht erhalten.

Seit Donnerstag vergangener Woche erarbeiten sie eine Choreographie zum Thema „Dancing to Connect Refugees“, die das Zusammenleben von Flüchtlingen und Einheimischen sowie die Erfahrung von Flucht und Ankommen thematisiert. Khaleel Qaraa hat genau das am eigenen Leib erfahren. Der Syrer flüchtete aus dem Kriegsgebiet Aleppo. Seit 15 Monaten lebt er mit der Mutter und Bruder Mohamed in Oranienburg. „Ich liebe Sport, bewege mich gern. Deshalb wollte ich bei dem Projekt mitmachen“, berichtet der 17-Jährige. Er ist begeistert vom Workshop, auch, weil „ich hier viele neue und sehr nette Leute kennengelernt habe“.

Gemeinsam mit Choreograph Razvan Stojan (r.) feilen die Jugendlichen an ihrer Choreographie. Quelle: Enrico Kugler

Über die gelebte Integration bei dem Workshop freut sich Angela Holzheimer ganz besonders. Seit 25 Jahren ist die Sozialarbeiterin im Auftrag von Impuls e.V. an der Clermont-Schule tätig. Als Schulleiter Olaf Wildgrube ihr vor zwei Wochen den Tanzworkshop vorschlug, sagte sie sofort ja. „Tanzen verbindet, da braucht es keine Sprache“, findet sie und ist froh um die Unterstützung der Schule. „Direktor Wildgrube hat viele Hebel in Bewegung gesetzt, um den Schülern das einwöchige Projekt zu ermöglichen.“ Dabei hatte Holzheimer Bedenken, ob sich genügend Schüler für das Projekt interessieren: „Ich bin glücklich, dass so viele Jugendliche dabei sind.“ Viele Gedanken habe sie sich im Vorfeld über das Mitein­ander der verschiedenen Kulturen gemacht. Zum ersten Mal seien Schülerinnen mit Kopftuch durch das Projekt an der Schule. Die Überlegungen waren umsonst: „Die haben am ersten Tag einfach losgelegt. Auch das Tanzen läuft ganz ohne Berührungsängste ab", erzählt sie.

Innerhalb weniger Tage erarbeiteten 19 Jugendliche – Schüler und junge Geflüchtete aus der Oranienburger Clermont- und der Linden-Schule – mit Unterstützung der Battery Dance Company aus New York eine Tanzchoreographie, die sie am 12. Oktober auf großer Bühne und vor Publikum im Nikolaisaal Potsdam präsentieren.

Razvan Stojan ist zufrieden: „Alle ziehen gut mit, es macht Spaß mit der Gruppe zu arbeiten“, berichtet der gebürtige Rumäne, der seit zwei Jahren für das New Yorker Ensemble tanzt und arbeitet. Eine Sorge hat der studierte Choreograph dennoch: „Der Sturm vergangene Woche hat uns einen Trainingstag geraubt.“ So müsse er mehr Choreographien vorgeben, als geplant. „Die Kids hätten sonst noch mehr selbst entwickeln können."

Nach der intensiven Woche trifft die Tanzgruppe heute Abend erstmals auf die anderen Projektteilnehmer. 12.30 Uhr steht im Potsdamer Nikolaisaal die Abschlussprobe an, 19.30 Uhr wird das Stück vor Publikum aufgeführt. Er sei schon ein wenig aufgeregt vor der großen Bühne, meint Khaleel Quaraa. Gleichzeitig „freue ich mich auf die Fahrt mit den Leuten und darauf, etwas Neues kennenzulernen."

„Dancing to connect Refugees“

Fünf Brandenburger Schulen nehmen 2017 an dem Projekt teil, dessen Abschlussveranstaltung heute 19.30 Uhr im Potsdamer Nikolaisaal aufgeführt wird.

Neben der Clearmont-Schule aus Oranienburg sind das die Fontane-Oberschule und die Steuben-Gesamtschule aus Potsdam, die Duncker-Oberschule aus Rathenow und das OSZ aus Werder.

100 Jugendliche haben in den vergangenen Tagen eigene Tanzchoreographien entwickelt.

Das Projekt wird durch die Battery Dance Company aus New York, das Brandenburger Theater sowie die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg umgesetzt.

Von Nadine Bieneck

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