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Oberhavel “Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben“
Lokales Oberhavel “Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben“
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19:09 05.04.2017
Rosen vom Ehemann zum 70. Hochzeitstag: Angela und Hans Weinkauf heirateten mit 18 Jahren im Hungerjahr 1947. Quelle: Enrico Kugler
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Glienicke

„Kommt rein, legt ab, nehmt euch ein Glas!“ Hans Weinkauf (88), schick gemacht im dunklen Anzug mit Weste, weißem Hemd und Fliege, schafft mit einladender Geste sogleich freundliche Nähe. Er drückt die Hand seiner ebenfalls schick gekleideten Frau Angela (88) und freut sich über die vielen Gäste. Bürgermeister Hans G. Oberlack und Gemeindevorsteher Martin Beyer gratulieren zum 70. Hochzeitstag, der sogenannten Gnadenhochzeit. Es sei ja wohl eine Gnade, gemeinsam so alt zu werden und sich immer noch so zu lieben wie am ersten Tag, sagt Hans Weinkauf und erzählt von der Zeit des Kennenlernens: „Da denke ich immer dran, es war so schön.“

Als Sechzehnjähriger, der kurz vor Kriegsende noch zur Front geholt worden war und aus englischer Gefangenschaft und Lazarett heimkehrte, ging er ins Volkshaus Velten tanzen. Dort sah er Angela und wusste gleich: „Die Frau ist die Richtige, wie sie angezogen war, mit ihren langen blonden Haaren und ihrer schönen Figur.“ Zwei Jahre später, am 5. April 1947, heirateten Angela und Hans im Alter von 18 Jahren. Bettbezüge tauschte Hans gegen einen Sack Kartoffeln, der Schwiegervater brachte Fleisch mit, so hatten sie ein Hochzeitsessen. Es waren Hungerjahre, sie lebten in einer kalten Kellerwohnung, die vier Kinder wurden geboren. Sie sammelten Ähren und Kohlen, brachten die Familie durch. „Wir haben das Beste aus jedem Tag gemacht“, sagt Hans Weinkauf.

Auch der Arzt und Freund des Paares, Hans-Raimund Brzoska, gratulierte Angela und Hans Weinkauf. Quelle: Enrico Kugler

Er ist ein Sonntagskind, sollte als Siebenmonats-Baby mit gerade mal drei Pfund nicht leben. Doch die Mutter sagte: „Legt ihn in den Korb“ und gab ihm „so viel Liebe“, erzählt Hans Weinkauf mit Tränen in den Augen. Deshalb sei auch er ein Optimist. Enkeltochter Anja Dechert bestätigt das. Obwohl die Großeltern von Krankheiten geplagt würden, „höre ich nie ein negatives Wort von ihnen. Die Oma war immer die Versorgerin der Familie, der Opa organisierte alles. Die Oma versucht immer, das Beste herauszuholen, der Opa halte die große Familie zusammen und rufe jeden regelmäßig an.“ Das betagte Hochzeitspaar lebt noch allein in seinem Haus in Glienicke und wird von der Familie und von Freunden täglich umsorgt. Die vier Kinder bescherten den Weinkaufs sechs Enkel, zehn Urenkel und eine Ururenkelin. Der große Zusammenhalt in der Familie halte die Großeltern jung, ist Enkeltochter Anja überzeugt.
„Und die Freunde geben uns Halt und seit vielen Jahren große Freude“, sagt Hans Weinkauf. Freundin Ingrid Hirsch (75) bestätigt das. Ebenso wie Angela Weinkauf nähte sie in Heimarbeit für den VEB Perfekt in Berlin, um das Familienbudget aufzubessern und die Kinder aufziehen zu können. Die Frauen und Nachbarinnen standen sich bei. Sie hielten den Männern den Rücken frei. Hans Weinkauf, den man als Offizier bei den Grenztruppen entließ, weil „einige Soldaten über den Zaun geflohen waren“, studierte fünf Jahre lang im Abendstudium Elektroenergie und war bis zur Rente in Leitungsfunktionen der Berliner Energiewirtschaft tätig.

„Die letzten 25 Jahre waren die besten“, ist Hans Weinkauf überzeugt. Wir konnten uns leisten, was wir wollten und haben tolle Reisen gemacht. Zum Beispiel nach Kuba. Zweimal waren Angela und Hans Weinkauf dort. „Sehr schönes Land, die Menschen mit so viel Liebe, so viel Leidenschaft und nichts zu essen. Das Elend zu sehen, war furchtbar.“ Die Weinkaufs nahmen einen Koffer voller Stifte, Blöcke, Süßigkeiten und Spielzeug für die Kinder mit. Mit ihrem großen Herzen wollten sie den Menschen etwas Gutes tun und nahmen in Kauf, dass der Zoll ihren Geschenkekoffer zerwühlte.

35 Rosen hat Hans Weinkauf seiner Angela zur Feier des Tages geschenkt, 70 hätten in keine ihrer Vasen gepasst. Am Hochzeitstag spricht er von „70 zufriedenen Jahren“ und schaut seine Frau verliebt an. „Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben: Ich danke meiner Frau, dass sie mich so lange ertragen hat.“ Dazu gratulierte ihm gestern auch sein Arzt und Freund Hans-Raimund Broska.

Von Marion Bergsdorf

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